Agrana plant 150-Millionen-Deal
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AGRANA setzt seinen strategischen Ausbau im höherwertigen Lebensmittelgeschäft fort. Der Wiener Konzern will 100 Prozent der Anteile an der esarom gmbh sowie der esarom holding gmbh übernehmen. Für das Unternehmen wurde ein Enterprise Value von rund 150 Millionen Euro vereinbart.
Mit esarom würde AGRANA sein Geschäft mit Aromen, Getränkelösungen und kundenspezifischen Food-&-Beverage-Anwendungen deutlich erweitern. Das niederösterreichische Unternehmen bringt knapp 400 Beschäftigte, 112 Millionen Euro Jahresumsatz, jahrzehntelanges Formulierungs-Know-how und ein international stark ausgerichtetes Geschäft ein.
Fix ist die Übernahme allerdings noch nicht. Die erforderlichen internen Beschlüsse bei AGRANA liegen vor, die Unterzeichnung des Kaufvertrags soll zeitnah erfolgen. Danach benötigt die Transaktion noch die Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden.
150 Millionen Euro für esarom
Der vereinbarte Unternehmenswert von rund 150 Millionen Euro entspricht nach Angaben von AGRANA einem EBITDA-Multiple von 9,0. Dabei handelt es sich um den sogenannten Enterprise Value und nicht automatisch um den endgültig zu zahlenden Kaufpreis.
Käufer und Verkäufer haben marktübliche Preisanpassungsmechanismen und erfolgsabhängige Kaufpreiskomponenten vereinbart. Die Finanzierung soll über die vorhandene Liquidität der AGRANA-Gruppe sowie verfügbare Bankenlinien erfolgen.
Für AGRANA ist die Transaktion ein weiterer Schritt beim Ausbau des Geschäftsbereichs Food & Beverage Solutions. Wie wichtig dieser Bereich für den Konzern geworden ist, zeigte zuletzt auch die Ergebnisentwicklung: Food & Beverage Solutions entwickelte sich zum wichtigsten Ergebnisträger von AGRANA, während vor allem das Zuckergeschäft unter Druck stand.
Mehr als 80 Prozent Export
esarom wurde 1946 gegründet und zählt zu den etablierten österreichischen Spezialisten für Zutaten und Geschmacksbausteine für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Das Unternehmen entwickelt und produziert unter anderem Grundstoffe, Aromen, Extrakte, Pulver, Emulsionen, funktionale Mischungen und Stabilisatoren.
Ein wesentlicher Faktor für AGRANA ist die internationale Position von esarom. Das Unternehmen weist nach eigenen Angaben eine Exportquote von mehr als 80 Prozent auf. Besonders bedeutend sind die Märkte in Mittel- und Osteuropa, im Mittleren Osten sowie in Zentralasien.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte esarom einen Umsatz von 112 Millionen Euro. Rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen neben Produktionskompetenz vor allem Formulierungs-Know-how, Anwendungserfahrung, regionale Marktkenntnis und langjährige Kundenbeziehungen in die geplante Verbindung ein.
Aromen treffen auf Fruchtkompetenz
Strategisch ergänzen sich die Portfolios der beiden österreichischen Unternehmen. AGRANA ist bereits stark bei Fruchtzubereitungen, Saftkonzentraten, Getränkebasen und kundenspezifischen Lebensmittel- und Getränkelösungen vertreten. esarom ergänzt diese Bereiche insbesondere mit Aromen, Extrakten, funktionalen Mischungen und Geschmacksentwicklung.
Für Lebensmittelhersteller könnte daraus ein deutlich breiteres Entwicklungsangebot entstehen. Neue Produkte ließen sich künftig von der Fruchtkomponente über Geschmack und Getränkebasis bis zu funktionalen Mischungen stärker innerhalb eines gemeinsamen Entwicklungsnetzwerks umsetzen.
Für die Bäcker- und Konditorenbranche ist die Transaktion auch auf Produktebene relevant: esarom entwickelt Zutaten für Süßwaren und Feinbackwaren und bietet unter anderem Aromen, Extrakte, Stabilisatoren sowie Lösungen für Textur, Funktionalität und Geschmacksmodulation an.
Drei Standorte in Niederösterreich
Auch innerhalb Österreichs soll die Zusammenarbeit sehr konkret werden. esarom hat seinen Unternehmenssitz in Oberrohrbach in Niederösterreich. In Rückersdorf-Harmannsdorf befinden sich das sogenannte „House of Taste“ und das Logistikzentrum des Unternehmens.
Die esarom-Standorte Oberrohrbach und Rückersdorf sollen gemeinsam mit dem AGRANA-Standort Kröllendorf einen integrierten Drei-Standorte-Verbund bilden. Produktions-, Entwicklungs- und Anwendungskompetenzen sollen enger vernetzt und auch die Kundenbetreuung stärker aufeinander abgestimmt werden.
AGRANA erwartet sich davon kürzere Entwicklungswege, eine beschleunigte gemeinsame Produktentwicklung und zusätzliche Möglichkeiten, maßgeschneiderte Lösungen gemeinsam mit Kunden umzusetzen. Nach Abschluss der Transaktion sollen auch das Know-how der Teams, bestehende Kundenbeziehungen und die regionale Marktkenntnis von esarom in ein gemeinsames Kompetenznetzwerk eingebracht werden.
Strategischer Umbau bei AGRANA
Die geplante esarom-Übernahme steht nicht isoliert. AGRANA richtet seine Konzernstruktur seit geraumer Zeit stärker auf höherwertige Lebensmittel- und Getränkelösungen aus. Unter der Strategie „AGRANA NEXT LEVEL“ wurden die Geschäftsbereiche Food & Beverage Solutions sowie Agricultural Commodities & Specialities neu geordnet.
Auch die vollständige Übernahme von Austria Juice passt in diese Entwicklung. AGRANA beschloss im Mai 2025, die verbliebenen 49,99 Prozent von RWA zu übernehmen; der Vollzug erfolgte im Oktober 2025. Damit wurde das Geschäft mit Saftkonzentraten, Getränkebasen und Aromen vollständig in den Konzern integriert.
Gleichzeitig wurde das klassische Zuckergeschäft verkleinert. Die wirtschaftlichen Probleme dieses Segments hatten AGRANA zuletzt stark belastet, während Food & Beverage Solutions stabilisierend wirkte. Auch in den ersten drei Quartalen 2025/26 trug der Bereich zur Ergebnisverbesserung bei. AGRANA bestätigte trotz schwierigem Marktumfeld seine Jahresprognose.
„ONE AGRANA“ gibt die Richtung vor
Für AGRANA-CEO Stephan Büttner steht hinter dem esarom-Deal mehr als eine reine Portfolioerweiterung. „Mit esarom wollen wir nicht nur unser Portfolio erweitern, sondern komplementäre Kompetenzen zu einem stärkeren Gesamtangebot verbinden“, erklärt Büttner.
Die geplante Übernahme folgt damit auch dem konzernweiten Ansatz „ONE AGRANA“. Vorhandene Kompetenzen sollen stärker gebündelt und Kunden zunehmend aus einem gemeinsamen Produkt-, Entwicklungs- und Vertriebsnetzwerk betreut werden.
Für AGRANA bedeutet das eine weitere Verschiebung hin zu Produkten und Dienstleistungen mit höherer Wertschöpfung. Das traditionelle Rohstoffgeschäft wird zunehmend um kundenspezifische Entwicklung, Anwendungstechnik und spezialisierte Food-&-Beverage-Lösungen ergänzt.
Abschluss erst 2027/28
Bis esarom tatsächlich Teil der AGRANA-Gruppe wird, sind noch mehrere Schritte notwendig. Nach der geplanten Unterzeichnung des Kaufvertrags muss die Transaktion von den zuständigen Wettbewerbsbehörden genehmigt werden.
AGRANA rechnet derzeit mit einem Abschluss zu Beginn des Geschäftsjahres 2027/28.
Gelingt die Übernahme wie geplant, wird AGRANA seine österreichische Entwicklungs- und Anwendungskompetenz bei Aromen, Geschmacks- und Getränkelösungen deutlich ausbauen. Der Konzern beschäftigt derzeit rund 8.400 Menschen an weltweit 50 Produktionsstandorten und erzielt einen jährlichen Konzernumsatz von rund 3,2 Milliarden Euro.
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