Food-Sparte verhindert stärkeren Gewinneinbruch

Der österreichische Lebensmittel- und Industriekonzern AGRANA hat im Geschäftsjahr 2025/26 trotz schwieriger Marktbedingungen ein solides operatives Ergebnis erzielt. Während der Konzernumsatz um 7,9 Prozent auf 3,24 Milliarden Euro zurückging, verbesserte sich das operative Ergebnis leicht auf 81,2 Millionen Euro. Besonders die Division Food & Beverage Solutions entwickelte sich stabil und wurde damit zum wichtigsten Ergebnisträger des Unternehmens.
Deutlich schwächer fiel hingegen das finale EBIT aus. Belastet durch hohe außerordentliche Abschreibungen und Restrukturierungskosten sank das Ergebnis der Betriebstätigkeit von 40,5 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 3,2 Millionen Euro. Verantwortlich dafür waren vor allem Wertminderungen im Zuckersegment in Höhe von 46 Millionen Euro.
AGRANA-CEO Stephan Büttner spricht von einem weiterhin extrem volatilen Marktumfeld. Neben politischen Unsicherheiten belasten vor allem volatile Energiepreise, schwankende Rohstoffmärkte sowie geopolitische Krisen die Geschäftsentwicklung. Gleichzeitig verweist das Unternehmen darauf, dass die laufenden Restrukturierungsmaßnahmen erste operative Verbesserungen zeigen.

Zuckersegment bleibt größte Baustelle

Besonders schwierig bleibt die Lage im Zuckerbereich. Der Umsatz im Segment ACS – Zucker brach um 32 Prozent auf 570,6 Millionen Euro ein. Ausschlaggebend dafür waren stark gesunkene Zuckerpreise sowie schwächere Verkäufe im Retailgeschäft. Das EBIT verschlechterte sich auf minus 106,5 Millionen Euro.
Zusätzlich belasteten hohe Sonderaufwendungen die Bilanz. Neben Wertminderungen auf Vermögenswerte fielen auch Kosten im Zusammenhang mit den Werksschließungen in Leopoldsdorf in Niederösterreich sowie im tschechischen Hrušovany an. Insgesamt summierten sich die Sondereinflüsse im Zuckersegment auf mehr als 71 Millionen Euro.
Aus österreichischer Sicht bleibt das Zuckergeschäft damit weiterhin einer der kritischsten Bereiche des Konzerns. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die bereits eingeleiteten Sparmaßnahmen operativ Wirkung entfalten. Der operative Verlust im Zuckersegment konnte gegenüber dem Vorjahr bereits reduziert werden. Für die heimische Zuckerwirtschaft ist das ein wichtiges Signal, nachdem die Branche europaweit unter massivem Preis- und Wettbewerbsdruck steht.

Stärke leidet unter Ethanol- und Margendruck

Auch die Stärkeaktivitäten entwickelten sich rückläufig. Der Umsatz im Segment ACS – Stärke sank leicht auf 982,4 Millionen Euro. Das EBIT ging um mehr als ein Viertel auf 23,5 Millionen Euro zurück. Vor allem der Margendruck bei Ethanol und Verzuckerungsprodukten belastete die Profitabilität.
Gerade im Stärke- und Ethanolbereich zeigt sich derzeit ein strukturelles Problem vieler europäischer Produzenten. Schwächere Industrie- und Agrarmärkte treffen auf hohe Energie- und Produktionskosten. AGRANA setzt deshalb verstärkt auf Spezialitätenprodukte mit höheren Margen, um sich unabhängiger vom volatilen Commodity-Geschäft zu machen.

Food & Beverage Solutions wird strategisch immer wichtiger

Positiv entwickelte sich hingegen die Division Food & Beverage Solutions. Der Umsatz stieg leicht auf 1,65 Milliarden Euro, das EBIT verbesserte sich auf 103,3 Millionen Euro. Damit erwirtschaftet dieser Bereich mittlerweile den größten Ergebnisbeitrag des Konzerns.
Vor allem das internationale Geschäft mit Fruchtzubereitungen und Getränkelösungen entwickelte sich in Europa sowie Nord- und Südamerika robust. Für AGRANA bestätigt sich damit erneut die strategische Bedeutung höher veredelter Lebensmittelprodukte gegenüber den traditionell zyklischeren Agrarrohstoffmärkten.

AGRANA erwartet deutliche EBIT-Erholung

Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 zeigt sich der Konzern vorsichtig optimistisch. Erwartet wird ein EBIT zwischen 70 und 90 Millionen Euro und damit eine sehr deutliche Verbesserung gegenüber dem abgelaufenen Geschäftsjahr. Auch beim Umsatz rechnet AGRANA mit einem leichten Wachstum.
Aus Sicht des österreichischen Lebensmittel- und Agrarsektors bleibt AGRANA damit ein gutes Beispiel für die derzeitige Zweiteilung vieler Industrieunternehmen: Höherwertige Lebensmittel- und Spezialitätenbereiche entwickeln sich stabil, während klassische Commodity-Sparten wie Zucker oder Ethanol massiv unter globalem Preis- und Kostendruck stehen. Genau diese Verschiebung dürfte die strategische Ausrichtung des Konzerns in den kommenden Jahren noch stärker prägen.

 

Agrana Geschäftsbericht 2025/26