Joseph Brot eröffnet seine Filiale in der Wiener Landstraße im September neu. 13 Jahre nach dem ersten Start an diesem Standort setzt Gründer Josef Weghaupt auf ein vollständig überarbeitetes Raumkonzept, einen stärkeren Bistro-Schwerpunkt und eine Speisekarte, die österreichische Mehlspeisenkultur mit moderner Gastronomie verbindet.

© Joseph Brot
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Handwerk wird zum Raumkonzept

Die neue Filiale an der Landstraßer Hauptstraße versteht Joseph Brot nicht bloß als modernisierte Verkaufsstelle. Architektur und Gestaltung sollen denselben Qualitätsanspruch vermitteln wie Brot, Gebäck und Speisen.

Verantwortlich für das Konzept ist erneut Architekt Thomas N. Pauli, der bereits die Grundgestaltung der Joseph-Brot-Standorte geprägt hat. Italienischer Marmor, geölte Eiche, Messing, dänische Keramik, weichere Lichtquellen und eine verbesserte Akustik bestimmen das neue Erscheinungsbild.

„Der Umbau ist die Fortsetzung unseres Bäckerhandwerks mit den Mitteln von Architektur und Design“, erklärt Gründer Josef Weghaupt. Nach 13 Jahren wolle man den Gästen zeigen, dass sich handwerkliche Qualität nicht auf das Produkt beschränkt, sondern bis in die Gestaltung des Verkaufsraums und des Bistros reicht.

Die Powidl-Buchteln mit Graumohn aus dem Waldviertel sind hier neuer, kulinarischer Schwerpunkt. © Joseph Brot
Die Powidl-Buchteln mit Graumohn aus dem Waldviertel sind hier neuer, kulinarischer Schwerpunkt. © Joseph Brot

Buchteln werden zum Schwerpunkt

Auch kulinarisch bekommt die Landstraße ein eigenes Profil. Im Zentrum stehen künftig süße und herzhafte Buchteln, die klassische österreichische Mehlspeisentradition mit zeitgemäßen Rezepturen verbinden.

Auf der Karte stehen unter anderem Graumohn-Powidl-Buchteln mit Vanillesauce, Wiener Kaffee-Buchteln mit Craquelin und Obers sowie Schoko-Kirsch-Buchteln mit Sauerkirschragout, Schokooberscreme und Pistazien. Die pikante Seite reicht von Miso-Eierschwammerl-Buchteln mit Rahmsauce und Schnittlauchöl bis zu Beinschinken-Buchteln mit Essiggurkerl-Grubenkraut.

Die Zutaten sind laut Unternehmen biologisch und regional ausgerichtet. Damit bleibt Joseph Brot seinem bisherigen Anspruch an Herkunft und Produktqualität treu, erweitert diesen aber deutlich in Richtung Gastronomie.

Mehr Profil bei Kaffee und Tee

Parallel dazu baut das Unternehmen das Getränkeangebot aus. Ergänzend zu Kaffees von Coffee Collective aus Kopenhagen kommen Single-Origin-Sorten auf die Karte, die sowohl als Espresso als auch als frisch gebrühter Specialty Filterkaffee angeboten werden.

Neu ist auch die Zusammenarbeit mit dem Teehaus Zhao Zhou aus Budapest. Direkt bezogene Teesorten sollen an der neuen Bistrotheke sorgfältig zubereitet werden.

Für einen Bäckereistandort ist diese Entwicklung bemerkenswert. Das klassische Sortiment bleibt die Basis, gleichzeitig wird die Filiale stärker als Aufenthaltsort gedacht. Brotverkauf, Bistro und Kaffeehauskultur rücken damit näher zusammen.

Kunst trifft Urgetreide

Besondere Akzente setzt Joseph Brot auch bei der Inszenierung des eigenen handwerklichen Hintergrunds. Eine traditionelle Getreideharpfe zeigt jene Urgetreidesorten, die in der Brotmanufaktur verarbeitet werden.

Daneben prägt ein wandfüllendes Werk der österreichischen Künstlergruppe Gelatin den Raum. Handbemalte und glasierte Kacheln sollen die Vielfalt des Unternehmens widerspiegeln. Joseph Brot beschäftigt laut Aussendung Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 17 Nationen.

Weghaupt verweist dabei bewusst auf die Wiener Kaffeehaustradition. Die neue Landstraße soll diese nicht kopieren, sondern zeitgemäß weiterdenken. „Dies ist unser Versuch, dieser Kultur etwas Zeitgemäßes hinzuzufügen – und vielleicht sogar ihre Zukunft vorwegzunehmen“, so der Gründer.

960 Tonnen Mehl pro Jahr

Hinter dem neuen Auftritt steht mittlerweile eine beachtliche Produktionsstruktur. In der Joseph Brotmanufaktur in Burgschleinitz arbeiten 103 Bäckerinnen und Bäcker. Insgesamt verarbeitet das Unternehmen rund 960 Tonnen Mehl pro Jahr, davon etwa 200 Tonnen aus seltenen Getreidesorten.

Joseph Brot betreibt derzeit zehn Standorte in Wien, Niederösterreich, Linz und Salzburg. Mit der Neueröffnung in der Landstraße schärft das Unternehmen nun besonders deutlich die Verbindung zwischen Bio-Bäckerhandwerk, Gastronomie, Gestaltung und urbaner Kaffeehauskultur.