Die Diskussion um die Zukunft der europäischen Sojaproduktion gewinnt an Schärfe. Die Organisation Donau Soja begrüßt die Initiative von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, der beim Agrarministerrat in Brüssel die geplante Einstufung von Sojaöl als Rohstoff mit hohem Risiko für indirekten Landnutzungswandel (iLUC) offiziell infrage gestellt hat. Aus Sicht von Donau Soja steht dabei nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Verarbeiter auf dem Spiel, sondern auch die Versorgungssicherheit mit pflanzlichen Proteinen in Europa.

Europäische Sojaverarbeitung unter Druck

Hintergrund ist ein Delegierter Rechtsakt der Europäischen Kommission, der am 10. April 2026 beschlossen wurde. Dieser sieht vor, Sojaöl künftig als Rohstoff mit hohem iLUC-Risiko einzustufen. Für die europäische Sojawirtschaft hätte dies weitreichende Folgen, da ein erheblicher Teil des anfallenden Sojaöls derzeit im Biokraftstoffsektor vermarktet wird.

Nach Angaben von Donau Soja werden in der Europäischen Union jährlich rund 15 Millionen Tonnen Sojabohnen verarbeitet. Lediglich etwa drei Millionen Tonnen stammen jedoch aus europäischer Produktion. Fällt der Biokraftstoffmarkt als wichtiger Absatzkanal weg, könnte die wirtschaftliche Basis vieler Verarbeitungsbetriebe gefährdet werden. Die Folge wären stärkere Importe von Sojaschrot aus Drittstaaten und eine weitere Abhängigkeit von internationalen Lieferketten.

Österreich fordert differenzierte Betrachtung

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig fordert daher eine Neubewertung der geplanten Regelung. Europäisches Soja müsse aufgrund seiner nachweisbaren Nachhaltigkeitsstandards gesondert betrachtet werden. Donau Soja unterstützt diese Position und verweist darauf, dass europäische Sojabohnen entwaldungsfrei auf bestehenden Ackerflächen produziert werden. Zudem seien sie herkunftskontrolliert, gentechnikfrei und zertifiziert.

Die Organisation sieht in einer pauschalen Einstufung die Gefahr, dass gerade jene Wertschöpfungsketten geschwächt werden, die den politischen Zielen der Europäischen Union in den Bereichen Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und regionale Produktion entsprechen.

Blick auf die kommende EU-Proteinstrategie

Besonders kritisch bewertet Donau Soja den Zeitpunkt der geplanten Regelung. Bereits in den kommenden Wochen wird die neue EU-Proteinstrategie erwartet, die den Ausbau europäischer Eiweißpflanzen fördern soll. Die Organisation fordert daher, den Delegierten Rechtsakt vor seinem Inkrafttreten am 10. August 2026 zu überarbeiten und eine herkunftsbasierte Differenzierung für nachhaltig erzeugtes europäisches Sojaöl einzuführen.

Signal für Landwirtschaft und Verarbeitung

Für Österreichs Landwirtschaft und die verarbeitende Industrie ist die Debatte von erheblicher Bedeutung. Die Frage, ob europäisches Soja künftig weiterhin als nachhaltiger Rohstoff für erneuerbare Energien anerkannt wird, könnte maßgeblich darüber entscheiden, wie wettbewerbsfähig der heimische und europäische Eiweißsektor in den kommenden Jahren bleibt.