Die internationalen Getreidemärkte haben sich im Mai deutlich gefestigt. Während die Weizenkurse an der Pariser Terminbörse von Sorgen um die neue Ernte profitieren, sorgen auch in Österreich steigende Maispreise und höhere Bewertungen für Qualitätsweizen der Ernte 2026 für Bewegung. Ausschlaggebend sind vor allem Wetterrisiken in wichtigen Anbauregionen sowie neue handelspolitische Impulse zwischen den USA und China.
Trockenheit in den USA stützt Weizenpreise
An der Pariser Euronext notierte Weizen Mitte Mai bei 216,75 Euro je Tonne und damit deutlich fester als noch vor wenigen Wochen. Marktteilnehmer bewerten die neue Ernte mittlerweile höher als die noch reichlich vorhandenen Bestände der Ernte 2025. Hintergrund sind zunehmende Wettersorgen sowohl in Nordamerika als auch in Europa. Besonders aufmerksam verfolgt der Markt die Entwicklung in den USA: Das US-Landwirtschaftsministerium USDA hat die Bewertung der Winterweizenbestände erneut verschlechtert. Nach Einschätzung der AMA handelt es sich um die schwächste Bewertung seit rund drei Jahrzehnten. Gleichzeitig meldet der EU-Wetterdienst MARS Niederschlagsdefizite in Teilen Mittel-, Ost- und Nordeuropas sowie sinkende Ertragserwartungen für Wintergetreide.
China-Abkommen sorgt für positive Stimmung
Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Markt durch das neue Agrarabkommen zwischen den USA und China. Peking hat zugesagt, bis 2028 jährlich Agrargüter im Wert von mindestens 17 Milliarden US-Dollar aus den Vereinigten Staaten zu beziehen. Die Ankündigung wurde an den internationalen Agrarbörsen positiv aufgenommen und führte unter anderem zu steigenden Sojabohnennotierungen in Chicago.
Österreichischer Markt zeigt erste Preisimpulse
Am heimischen Kassamarkt bleibt die Entwicklung bei alterntigem Weizen bislang vergleichsweise verhalten. Deutlich stärker wird jedoch die Ernte 2026 bewertet. Qualitätsweizen der neuen Ernte wurde Mitte Mai an der Wiener Produktenbörse mit 216 Euro je Tonne notiert und lag damit rund 20 Euro über vergleichbarer Ware aus der Ernte 2025.
Auch bei Mais zeigt sich eine Trendwende. Nachdem die Notierungen im Februar auf 182 Euro je Tonne gefallen waren, stieg der Preis bis Mitte Mai auf 205 Euro je Tonne. Damit zählt Futtermais aktuell zu den dynamischsten Marktsegmenten im österreichischen Getreidehandel.
Große Lagerbestände dämpfen kurzfristige Ausschläge
Trotz der festeren Stimmung bleibt das Angebot in Österreich gut versorgt. Die vorläufige Marktleistung aus der Ernte 2025 erreichte bis Ende März rund 2,78 Millionen Tonnen und lag damit deutlich über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig stiegen die Lagerbestände auf knapp 1,5 Millionen Tonnen. Besonders bei Weichweizen, Gerste und Mais befinden sich größere Mengen in den Lagern als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Ausblick auf die neue Ernte
Für die kommenden Wochen bleibt die Wetterentwicklung der entscheidende Faktor. Während die weltweiten Versorgungslagen grundsätzlich ausreichend erscheinen, reagieren die Märkte derzeit sensibel auf Ertragsrisiken in den USA und Europa. Sollte die Trockenheit anhalten, könnte die neue Ernte weiter an Wert gewinnen. Für Mühlen, Bäckereien und die verarbeitende Industrie bedeutet dies, die Entwicklung der Rohstoffmärkte weiterhin genau zu beobachten.
Quellen: AMA Marktbericht Getreide und Ölsaaten, Ausgabe April 2026.
