Schimmelgifte in pflanzlichen Alternativen
Editor öffnen
Pflanzendrinks und Pflanzliche Fleischalternativen haben längst einen festen Platz im Lebensmittelmarkt. Eine Untersuchung von 212 Produkten aus dem britischen Einzelhandel rückt nun allerdings einen bekannten Faktor der Rohstoffsicherheit in den Fokus: In sämtlichen getesteten Produkten wurden Mykotoxine nachgewiesen. Die gemessenen Konzentrationen lagen jedoch unter den relevanten EU-Richtwerten.
212 Produkte untersucht
Ein Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Parma, der Universität Valencia und der Cranfield University analysierte 92 pflanzliche Fleischalternativen und 120 pflanzenbasierte Getränke. Untersucht wurden unter anderem Hafer-, Soja- und Mandeldrinks, vegane Burger und Würstchen, sowie vegetarische Hähnchenalternativen . Gesucht wurde gezielt nach 19 verschiedenen Mykotoxinen. Dazu gehörten Aflatoxine, Ochratoxin A, Zearalenon, Fumonisine sowie sogenannte emergente Fusarientoxine wie Enniatine und Beauvericin. In jedem der 212 Produkte wurde mindestens eines dieser Mykotoxine nachgewiesen, vielfach traten mehrere gleichzeitig auf.
Rohstoffe entscheiden mit
Für Bäcker, Konditoren ebenso wie für Fleischer und das Fleischhandwerk ist der Befund vor allem aus Sicht der Rohstoffqualität interessant. Mykotoxine entstehen, wenn Schimmelpilze pflanzliche Rohstoffe während des Anbaus oder der Lagerung befallen. Getreide, Nüsse, Mais, Hülsenfrüchte und andere pflanzliche Zutaten können deshalb grundsätzlich betroffen sein.
In der Studie zeigten Fleischalternativen auf Hülsenfruchtbasis sowie Kombinationen aus Getreide und Hülsenfrüchten höhere Belastungen. Bei den Getränken fiel unter anderem Sojadrink auf. Insgesamt waren die gemessenen Konzentrationen in den untersuchten Fleischalternativen höher als in den pflanzlichen Getränken.
Nachweis bedeutet noch kein Gesundheitsrisiko
Die Ergebnisse benötigen allerdings eine sachliche Einordnung. Sämtliche gemessenen Werte lagen laut Untersuchung unter den empfohlenen EU-Richtwerten. Ein analytischer Nachweis bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Produkt gesundheitlich bedenklich oder nicht verkehrsfähig ist.
Mykotoxine sind zudem kein spezielles Problem veganer Lebensmittel. Spuren können auch in Getreideprodukten, Nüssen, Kaffee, Kakao und Trockenfrüchten vorkommen. Interessant ist an der Untersuchung vielmehr, dass mehrere unterschiedliche Toxine häufig gleichzeitig nachgewiesen wurden. Für mögliche Kombinationseffekte verschiedener Mykotoxine ist die wissenschaftliche Datenlage bislang deutlich weniger umfassend als für einzelne Stoffe.
Rohstoffkontrolle bleibt entscheidend
Für Lebensmittelbetriebe unterstreicht die Untersuchung damit vor allem die Bedeutung konsequenter Rohstoffkontrollen und eines professionellen Mykotoxinmanagements. Je stärker neue pflanzliche Rohstoffe und Proteinquellen in Backwaren, Süßwaren, Convenience-Produkten oder Fleischalternativen eingesetzt werden, desto wichtiger werden Herkunft, Lagerbedingungen, Qualitätskontrollen und eine systematische Bewertung möglicher Kontaminanten.
Die Autoren der Studie empfehlen Lebensmittelherstellern ausdrücklich, Mykotoxine umfassend in ihre Sicherheitssysteme einzubeziehen. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, welche Belastung sich bei Menschen ergibt, die entsprechende Produkte regelmäßig und in größeren Mengen konsumieren.

