Die Expansion einer der bekanntesten Konditoreien Österreichs markiert einen strategischen Schritt: Die k.u.k. Hofzuckerbäckerei Zauner eröffnet erstmals außerhalb ihres Stammsitzes in Bad Ischl einen Standort. Mit einem Pop-up-Store in DAS RAIQA bringt das Traditionshaus seine Mehlspeiskultur temporär nach Innsbruck und testet damit neue Marktpotenziale.

Zauner PopUp: V.l.n.r. Dr. Christof Splechtna (Vorstand Raiffeisen-Landesbank Tirol), Philipp Zauner, MSc (Konditorei Zauner) Claudia Huber, MSc (Quartiersmanagement DAS RAIQA) © Simon Fischer
Erster Standort außerhalb von Bad Ischl
Seit ihrer Gründung im Jahr 1832 steht die Hofzuckerbäckerei Zauner für klassische österreichische Kaffeehauskultur und hochwertige Confiserie. Die Entscheidung, nun erstmals einen externen Standort zu eröffnen, ist ein bedeutender Schritt in der Unternehmensentwicklung.
Der Pop-up-Store in Innsbruck ist von September 2026 bis Ende Jänner 2027 geplant und fungiert als Pilotprojekt. Gleichzeitig ist Zauner der erste Mieter im neuen Quartier DAS RAIQA, das als urbaner Treffpunkt mit wechselnden Nutzungskonzepten positioniert ist.
Handwerk und Markenidentität im Fokus
Auf rund 40 Quadratmetern präsentiert Zauner eine gezielte Auswahl seiner bekanntesten Produkte. Dazu zählt insbesondere der traditionsreiche Zaunerstollen, ergänzt durch saisonale Confiserie und Spezialitäten.
Im Fokus steht dabei bewusst nicht die Sortimentstiefe, sondern die Markeninszenierung. Ziel ist es, die handwerkliche Herkunft und die Verbindung zum Salzkammergut auch außerhalb des Stammhauses erlebbar zu machen. Sämtliche Produkte werden weiterhin in Bad Ischl gefertigt und nach Innsbruck geliefert.
Und auch gerade in derkommenden Vorweihnachtszeit setzt das Unternehmen auf emotionale Inszenierung. Geplant ist eine eigene „Zauner Weihnachtswelt“ mit Adventkalendern, klassischem Weihnachtsgebäck und saisonalen Geschenkartikeln. Ergänzend soll ein kunstvoll gestaltetes Schaustück Einblicke in die Konditorkunst geben.
Zielgruppe: Einheimische und Tourismus
Der Standort Innsbruck ist bewusst gewählt. Die Stadt verbindet eine hohe touristische Frequenz mit einer qualitätsaffinen lokalen Kundschaft. Damit richtet sich das Angebot sowohl an Einheimische als auch an internationale Gäste, die österreichische Mehlspeisenkultur als Souvenir mitnehmen möchten.
Diese Kombination aus regionaler Verankerung und touristischer Nachfrage bietet ideale Voraussetzungen für ein temporäres Konzept mit hoher Sichtbarkeit.
Strategischer Schritt Richtung Expansion
Für Geschäftsführer Philipp Zauner ist der Pop-up-Store mehr als ein kurzfristiges Projekt. Vielmehr dient er als Testlauf für mögliche weitere Standorte.
Im Zentrum steht die Frage, wie sich ein traditionsreiches, stark regional geprägtes Unternehmen in neuen Märkten positionieren lässt, ohne an Authentizität zu verlieren. Dabei bleibt die handwerkliche Produktion am Ursprungsstandort ein zentraler Bestandteil der Markenstrategie.
RAIQA als Plattform für neue Konzepte
Auch seitens der Betreiber wird die Zusammenarbeit als Signal verstanden. Das Quartier DAS RAIQA setzt auf flexible Flächennutzung und wechselnde Markenpräsenz.
Laut Christof Splechtna, Vorstand der Raiffeisen-Landesbank Tirol, soll das Konzept bewusst Raum für hochwertige, zeitlich begrenzte Formate schaffen. Mit Zauner gelingt zum Start die Verbindung von traditionellem Handwerk und modernem urbanem Umfeld.
Tradition als Wettbewerbsvorteil
Die k.u.k. Hofzuckerbäckerei Zauner zählt zu den bekanntesten Konditoreibetrieben Österreichs. Ihre Entwicklung ist eng mit der Geschichte Bad Ischls als kaiserliche Sommerresidenz verbunden. Die Ernennung zum k.u.k. Hoflieferanten unterstreicht den historischen Anspruch des Hauses.
Bis heute basiert der Erfolg auf konsequenter Handarbeit und überlieferten Rezepturen. Produkte wie der Zaunerstollen genießen internationale Bekanntheit und stehen exemplarisch für die Positionierung im Premiumsegment.
Pilotprojekt mit Signalwirkung
Mit „Zauner goes West“ verbindet das Unternehmen Tradition und Expansion in einem klar definierten Testformat. Für die Branche ist der Schritt relevant, da er zeigt, wie sich handwerkliche Marken gezielt in neuen Märkten inszenieren lassen. Ob aus dem temporären Auftritt ein dauerhaftes Engagement entsteht, bleibt offen. Klar ist jedoch: Das Projekt liefert wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Entwicklung und zeigt, dass auch traditionsreiche Betriebe neue Wege gehen, ohne ihre Wurzeln aufzugeben.


