Tchibo investiert in neue CoffeeBars
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Mehr als vier Millionen Euro jährlich fließen in die Modernisierung des österreichischen Tchibo-Filialnetzes. Geschäftsführer Paul Unterluggauer setzt dabei auf neue CoffeeBars, ein zeitgemäßes Markenerlebnis und innovative Getränke. Auch für Bäckereien und Konditoreien mit eigenem Cafébereich sind die Entwicklungen interessant.
Kaffee ist längst mehr als ein Getränk für zwischendurch. Ob klassischer Espresso, Cappuccino, Iced Latte oder neue Kreationen mit ungewöhnlichen Zutaten: Das Angebot entwickelt sich weiter, und mit ihm verändern sich die Erwartungen der Gäste. Tchibo Österreich reagiert darauf mit einer umfassenden Modernisierung seiner Filialen und einer stärkeren Ausrichtung auf das Kaffeeerlebnis vor Ort.
Unter der Führung von Geschäftsführer Paul Unterluggauer, der das Unternehmen Anfang 2024 übernommen hat, soll aus dem bisherigen Einkaufserlebnis zunehmend ein ganzheitliches Markenerlebnis werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei die CoffeeBars, die Kaffeehausatmosphäre mit einem modernen Markenauftritt und gemütlichen Sitzbereichen verbinden sollen.
Für österreichische Bäckereien und Konditoreien ist diese Entwicklung auch deshalb interessant, weil Kaffee und kleine Genussmomente längst zum wichtigen Bestandteil vieler Verkaufskonzepte gehören. Mit der Neugestaltung seiner Standorte verstärkt Tchibo den Wettbewerb um jene Gäste, die nicht nur Kaffee kaufen, sondern ihn auch in angenehmer Atmosphäre genießen möchten.
Vier Millionen Euro jährlich für neue Filialkonzepte
Die Modernisierung des österreichischen Standortnetzes läuft bereits seit mehreren Jahren. Mehr als zwei Drittel der Filialen wurden inzwischen umgebaut. 2025 kamen rund ein Dutzend modernisierte Standorte hinzu, 2026 folgen weitere 14 Filialen in Niederösterreich, Wien und Salzburg.
Bis Ende des Jahrzehnts sollen sämtliche derzeit rund 120 Filialen und Depots modernisiert sein. Dafür investiert Tchibo durchschnittlich mehr als vier Millionen Euro pro Jahr.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht ausschließlich neue Verkaufsflächen oder eine zeitgemäße Gestaltung. Die CoffeeBars sollen künftig noch stärker zum Verweilen einladen und den Besuch in der Filiale zu einem eigenständigen Genusserlebnis machen.
Damit rückt Tchibo näher an klassische Kaffeehaus- und Cafékonzepte heran. Für Bäckereien und Konditoreien mit Sitzbereichen stellt sich eine ähnliche Frage: Wie lässt sich der Verkauf von Kaffee, Mehlspeisen und Snacks so gestalten, dass Gäste gerne länger bleiben und regelmäßig wiederkommen?
Neue Kaffeetrends für jüngere Gäste
Neben der Modernisierung der Standorte will Tchibo auch neue Kundengruppen erreichen. Das Unternehmen setzt dazu auf Veranstaltungen, ungewöhnliche Getränke und neue Formen der Markeninszenierung.
Beispiele dafür sind die sogenannten Tchibo Coffee Raves oder der Tchibo Coffee Run 10k im Rahmen des Vienna City Marathons. Solche Formate sollen die Marke über den klassischen Kaffeekauf hinaus erlebbar machen.
Auch bei den Getränken experimentiert das Unternehmen mit internationalen Trends. Im Sommer brachte Tchibo beispielsweise einen „Iced Ube Latte“ auf den Markt. Die violette Yamswurzel Ube sorgt dabei für eine auffällige Farbe und erweitert das Angebot um eine ungewöhnliche Geschmacksrichtung.
Begleitet wurde die Produkteinführung von der Kampagne „Jetzt Farbe bekennen“, bei der Ube- und Matcha-Getränke um 25 Prozent günstiger angeboten wurden.
Gerade für Betriebe mit einem jüngeren Publikum können solche Entwicklungen interessant sein. Kalte Kaffeegetränke, Matcha und auffällige Getränkekreationen bieten Möglichkeiten, das klassische Kaffeeangebot saisonal zu ergänzen. Entscheidend bleibt allerdings, ob neue Produkte zur eigenen Zielgruppe passen und sich wirtschaftlich sinnvoll in den Betriebsalltag integrieren lassen.
Kaffeehausgefühl als Wettbewerbsvorteil
„Relevante Produkte und die Nähe zu den Kundinnen und Kunden sind die Pflicht, Markenerlebnisse die Kür“, erklärt Tchibo-Geschäftsführer Paul Unterluggauer.
Sein Ziel ist es, an möglichst vielen Kontaktpunkten präsent zu sein und dabei ein einheitliches Markenerlebnis zu schaffen. Die Filiale mit CoffeeBar ist dabei ebenso wichtig wie der Lebensmittelhandel und der Onlinevertrieb.
Das Unternehmen verbindet damit mehrere Geschäftsbereiche: den Verkauf von Kaffee und Non-Food-Produkten, das Getränkegeschäft vor Ort und den digitalen Einkauf.
Auch für das österreichische Bäcker- und Konditorenhandwerk gewinnt die Gestaltung des Verkaufsraums an Bedeutung. Ein guter Kaffee allein genügt nicht immer, um Gäste zum Verweilen zu bewegen. Sitzkomfort, Atmosphäre, Produktpräsentation und ein stimmiges Angebot aus Getränken, Gebäck und Mehlspeisen können ebenso zur Attraktivität eines Standorts beitragen.
367 Millionen Euro Umsatz in Österreich
Die Neuausrichtung erfolgt vor dem Hintergrund einer positiven Umsatzentwicklung. Unter Paul Unterluggauer erzielte Tchibo Österreich 2024 einen Umsatz von 367 Millionen Euro. Gegenüber 2023 entspricht das einem Plus von knapp 15 Prozent.
Auch organisatorisch hat sich das Unternehmen verändert. Anfang September 2026 bezog Tchibo ein neues Headquarter in Wien-Erdberg.
Die Geschichte des Unternehmens in Österreich reicht bis 1969 zurück, als die erste Tchibo-Filiale in Wien eröffnete. Nach mehreren Veränderungen im Verhältnis zwischen Tchibo und Eduscho übernahm Tchibo 1997 den damaligen Konkurrenten. In Österreich blieb die Doppelmarke Tchibo/Eduscho noch lange bestehen.
2026 wurde die bisherige Eduscho (Austria) GmbH schließlich in Tchibo Austria GmbH umfirmiert. Damit trägt das Unternehmen nun auch gesellschaftsrechtlich den Namen der Marke, die im Mittelpunkt der aktuellen Weiterentwicklung steht.
Mitarbeiterentwicklung gehört zur Strategie
Neben Filialmodernisierung und neuen Produktideen setzt Tchibo auf die Entwicklung seiner Beschäftigten.
„Wir sind ein Arbeitgeber, der für Innovation und Entfaltung steht“, betont Unterluggauer.
Wie langfristige Karrierewege aussehen können, beschreibt das Unternehmen anhand einer Mitarbeiterin aus Villach. Sie begann mit 15 Jahren ihre Lehre, wurde nach der Lehrabschlussprüfung stellvertretende Filialleiterin und übernahm 2025 die Leitung einer Filiale. Inzwischen ist sie zusätzlich als Ausbildungsleiterin tätig und gibt ihr Wissen an andere Filialleiter weiter.
Für Tchibo gehört die Weiterentwicklung der Mitarbeiter damit ebenso zur Unternehmensstrategie wie die Modernisierung der Standorte und des Sortiments.
Zwischen Tradition und neuen Genusswelten
Trotz neuer Formate und moderner Filialkonzepte will Tchibo seinem bisherigen Geschäftsmodell treu bleiben. Kaffee, Kaffeegenuss und eine vielfältige Produktwelt sollen weiterhin das Fundament bilden.
Die Fachhandelsqualität steht nach Angaben des Unternehmens für Verlässlichkeit, während laufende Innovationen neue Kaufanreize schaffen sollen.
Für österreichische Bäckereien und Konditoreien lohnt sich der Blick auf diese Entwicklung. Denn Tchibo investiert nicht nur in neue Produkte, sondern vor allem in die Verbindung von Kaffee, Aufenthaltsqualität und Kundenerlebnis.
Gerade handwerkliche Betriebe verfügen mit frisch gebackenem Brot, Feingebäck, Mehlspeisen und persönlicher Beratung über Möglichkeiten, die klassische Kaffeeanbieter nicht in gleicher Weise bieten können. Wie diese Stärken mit einem zeitgemäßen Getränkeangebot und einer einladenden Caféatmosphäre verbunden werden, bleibt eine wichtige unternehmerische Aufgabe.




