Eis-Croissant: Foodtrend passt perfekt in jede Bäckerei
Croissant aufschneiden, ein Eis am Stiel hineinstecken, den Holzstiel herausziehen – fertig. Einer der auffälligsten Foodtrends dieses Sommers könnte für Bäcker und Konditoren kaum einfacher umzusetzen sein. Das sogenannte „Magnum Croissant“ sorgt seit Ende Juli auf TikTok und Instagram für Millionen Aufrufe. Dabei muss es keineswegs immer ein Magnum sein: Entscheidend ist die Kombination aus frischem, buttrigem Croissant, kalter Eiscreme und im Idealfall einer knackigen Schokoladenhülle.
Was in den sozialen Medien wie ein weiterer kurzlebiger Food-Hack aussieht, ist für das Bäcker- und Konditorenhandwerk durchaus interessant. Denn anders als bei vielen viralen Kreationen braucht es dafür weder spezielle Formen noch neue Maschinen oder komplizierte Rezepturen. Croissants gehören ohnehin zum Standardsortiment vieler Betriebe. Und wer zusätzlich eine Eistruhe führt, hat im Grunde bereits alles im Haus.

Zwei Produkte, ein neuer Snack
Das Prinzip lebt vom Kontrast. Außen treffen die knusprigen, blättrigen Schichten eines frischen Croissants auf kalte, cremige Eiscreme. Bei einem Eis mit Schokoladenüberzug kommt noch der knackige Bruch der Schokolade dazu.
Die klassische Variante ist schnell gemacht: Ein Croissant wird seitlich oder längs geöffnet, bei Bedarf etwas ausgehöhlt und anschließend mit einem Eis am Stiel gefüllt. Danach wird der Holzstiel vorsichtig herausgezogen und das Croissant leicht zusammengedrückt.
Genau diese Einfachheit dürfte einen Teil des Erfolges ausmachen. Aufwendige Dessertkreationen funktionieren auf Social Media zwar gut, lassen sich aber nicht immer unkompliziert in den Betriebsalltag übertragen. Beim Eis-Croissant sieht das anders aus.
Ein Trend, der bereits bei den Herstellern angekommen ist
Dass die Kombination inzwischen mehr als ein kleiner TikTok-Gag ist, zeigt auch die Eisindustrie selbst. Magnum griff den Trend auf seinen eigenen Kanälen auf. In Cannes wurde diesen Sommer sogar eine „Magnum Bakery“ inszeniert, in der große Croissants mit Eiscreme gefüllt, mit Schokolade und weiteren Zutaten veredelt werden.
Auch andere Anbieter und Gastronomiebetriebe haben das Prinzip bereits aufgegriffen. Dabei funktioniert die Idee keineswegs nur mit einer bestimmten Marke. Vanilleeis mit Schokoladenüberzug, Mandelvarianten, weiße Schokolade oder Pistazieneis bieten sich ebenso an.
Gerade für handwerkliche Betriebe liegt darin die eigentliche Chance: Aus einem simplen Internettrend lässt sich eine eigene Kreation machen.
Mehr daraus machen als nur ein Magnum im Croissant
Ein gutes handwerkliches Croissant ist dabei nicht bloß Verpackung für das Eis, sondern kann den Unterschied machen. Ein noch leicht warmes, frisch gebackenes Croissant verstärkt den Temperaturkontrast besonders stark. Gleichzeitig lässt sich das Produkt ohne großen Aufwand individualisieren.
Ein Pistaziencroissant mit Pistazieneis wäre ebenso denkbar wie ein Schokocroissant mit Vanilleeis, ein Mandelcroissant mit Mandel-Stieleis oder eine Variante mit Früchten, Sauce oder gehackten Nüssen.
Konditoreien können den Trend noch stärker in Richtung Dessert entwickeln. Statt eines fertigen Stieleises lässt sich ein Croissant beispielsweise mit einer Kugel oder einer länglichen Portion hausgemachten Eises füllen und anschließend mit Sauce, Früchten oder Schokolade veredeln.
Damit wird aus dem viralen Social-Media-Hack ein Produkt, das eine eigene handwerkliche Handschrift trägt.
Interessant für Betriebe mit Eistruhe
Besonders naheliegend ist das Konzept für jene Bäckereien und Konditoreien, die ohnehin abgepacktes Eis oder eigene Eissorten anbieten. Zwei bereits vorhandene Warengruppen werden dabei zu einem neuen Produkt kombiniert.
Für einen Test braucht es keine große Einführung. Ein Aufsteller an der Theke, ein Tagesangebot oder ein kurzer Hinweis auf Instagram und Facebook können reichen. Gerade bei einem Trend, der über soziale Medien bekannt geworden ist, bietet sich auch die Kommunikation dort an: Das Einsetzen des Eises in das Croissant ist visuell, schnell erklärt und eignet sich hervorragend für ein kurzes Video.
Auch für jüngere Kunden kann das ein zusätzlicher Grund sein, einen Betrieb wahrzunehmen, der normalerweise vielleicht nicht auf ihrem täglichen Weg liegt.
Der Sommer ist noch nicht vorbei
Ende August stellt sich naturgemäß die Frage, ob es sich noch lohnt, einen Sommertrend aufzugreifen. Die Antwort kann für Betriebe durchaus Ja lauten. Wir wissen derzeit nicht, ob die vergangenen heißen Tage bereits die letzten dieses Jahres waren. Eine weitere Hitzewelle kann noch kommen – und spätestens dann wäre ein Eis-Croissant eine unkomplizierte Aktionsidee für die Theke.
Wer den Trend heuer nicht mehr ausprobieren möchte, kann ihn auch für die nächste Hitzeperiode vormerken. Gerade bei Produkten mit so geringem Einführungsaufwand lässt sich kurzfristig reagieren.
Dass hohe Temperaturen den Eisverkauf kräftig anschieben können, zeigte sich in diesem Sommer deutlich: Während einer Hitzewoche Ende Juni lag der Absatz von Speiseeis im deutschen Lebensmittelhandel um 90 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Sommerwochen. Auch wenn diese Zahlen nicht direkt auf österreichische Bäckereien übertragbar sind, zeigen sie, wie stark Wetter und Impulskauf bei Eis zusammenspielen.
Eis ist längst kein reines Sommerprodukt mehr
Dazu kommt ein Wandel im Konsumverhalten. Eis wird längst nicht mehr ausschließlich an heißen Sommertagen gegessen. Auch die österreichische Eisbranche spricht inzwischen ausdrücklich von ganzjährigem Eiskonsum.
International reagieren Hersteller und Gastronomie ebenfalls mit neuen Sorten und Formaten, die Eis stärker als Dessert und Genussprodukt positionieren und weniger ausschließlich als Abkühlung für heiße Tage.
Damit könnte auch das Croissant mit Eis eine zweite Karriere bekommen: als üppiges Dessert für Herbst und Winter. Ein warmes Croissant mit Vanille-, Schokoladen- oder Nusseis funktioniert schließlich auch dann, wenn draußen keine 30 Grad herrschen.
Für Bäcker und Konditoren liegt genau darin der interessante Aspekt des Trends. Man muss ihn nicht eins zu eins kopieren. Aber die Grundidee ist denkbar einfach: Zwei Produkte, die viele Betriebe bereits verkaufen, werden neu kombiniert. Manchmal braucht es für eine zusätzliche Idee in der Ladentheke eben keine neue Rezeptur – sondern nur einen anderen Blick auf das vorhandene Sortiment.

