VdB-Kolloquium: KI, Konsum und Standort Österreich
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„Made in Austria – Stolz und Scheinheiligkeit“ – diesem Thema widmete sich das diesjährige Kolloquium der VdB Österreich. Der 19. Branchentreff war gut besucht und hervorragend organisiert: Rund 120 Teilnehmer trafen sich in Schladming zum Meinungsaustausch.
Den Eröffnungsvortrag hielt Mag. Hanno Lorenz, stv. Direktor der Denkfabrik Agenda Austria, zum Thema „Luxusgut Österreich – Qualität hat ihren Preis, aber auch ein Limit“. Der Ökonom erläuterte, dass Österreich, bezogen auf das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf, noch immer eines der reichsten Länder der Welt ist. Die Mietausgaben liegen unter dem EU-Schnitt, bei den Sozialausgaben liegen wir im Spitzenfeld. Wirtschaftlich verliert Österreich jedoch zunehmend den Anschluss. Die Wettbewerbsfähigkeit sinkt, hohe Arbeitskosten machen Österreich zu einem der teuersten Standorte Europas. Hohe Staatsausgaben finden keinen Niederschlag im Wirtschaftswachstum und trotz hoher Staatseinnahmen steigt die Neuverschuldung. Laut Lorenz ist es dringend Zeit für einen Turnaround, mehrere Hebel müssten dazu in Gang gesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise die Senkung der Staatsausgaben, ein Subventionsstopp und eine geringere Belastung der Arbeitseinkommen.
Die unbequeme Wahrheit des Konsums
Im Anschluss sprach Univ.-Prof. Dr. Christoph Teller, Vorstand des Instituts für Handel, Absatz und Marketing an der Johannes Kepler Universität Linz, in seinem Vortrag „Die unbequeme Wahrheit des Konsums: Zwischen Preisbewusstsein und Selbsttäuschung“ über die aktuelle Forschung zum Konsumentenverhalten in Zeiten von geopolitischen Konflikten, steigenden Preisen, hoher Inflation und Verunsicherung. Ausgaben werden verschoben, nicht automatisch reduziert. Das Preisbewusstsein ist daher häufig Ausdruck von Risikominimierung. Konsumenten sparen nicht, sie priorisieren neu. Während bei Lebensmitteln um Cent-Beträge gerungen wird, steht der Urlaub nach wie vor auf der Prioritätenliste. Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit sind den Konsumenten wichtig, letztendlich entscheidet beim Einkauf jedoch vor allem der Preis. Politische Preissignale wie die Umsatzsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel oder die Spritpreisbremse kommen bei den Konsumenten nur beschränkt an.
Alle Beispiele zeigen, dass Konsumenten Komfort, Sicherheit, Kontrolle, Zeit und Verfügbarkeit maximieren und nicht nur Geld. Entscheidend ist der wahrgenommene Nutzen.
Kühe statt Kulisse?
Warum echte Landwirtschaft für den Tourismus unverzichtbar ist, erklärte Hannes Royer, Initiator und Obmann von „Land schafft Leben“. Der Großteil der Gäste übernachtet im ländlichen Raum, unsere Landschaft ist dabei der herausragende Urlaubsgrund. Angesichts schrumpfender Almflächen – allein in den letzten 15 Jahren knapp 90.000 ha – und des Verlusts der kleinstrukturierten Landwirtschaft wird auch dieser Erholungsraum geringer. Österreich präsentiert sich in der Tourismuswerbung gerne mit regionalen Lebensmitteln, aber größtenteils liegen keine österreichischen Produkte auf dem Teller. Um Österreich als echte Kulinarik-Destination zu positionieren, bedarf es hochwertiger Lebensmittel aus heimischer Landwirtschaft und damit einhergehend des Bewahrens unserer Kulturlandschaft als Grundlage und Zukunftssicherung des Tourismus.
Vom Spinner zum Winner
Sonnentor-Eigentümer Johannes Gutmann erzählte, wie aus seiner Idee, Bio-Kräuter zu vermarkten, ein erfolgreiches Unternehmen mit rund 550 Mitarbeitenden in Österreich, Tschechien und Rumänien wurde. Anfangs kooperierte Gutmann mit drei landwirtschaftlichen Betrieben, die er von seiner Idee überzeugen konnte. Heute sind es 80 Bäuerinnen und Bauern in Österreich und Deutschland, mittlerweile rund 1.000 weltweit, die die Bioware für Tees und Gewürze anbauen.
Im Anschluss berichtete Geschäftsführerin Katja Maier über das Kursangebot der Lebensmittelakademie und im Speziellen über die Ausbildung zum Brotsommelier.
Effizienz ist ein Teamsport
Der zweite Tag startete mit Neuigkeiten aus Brüssel. Natalie Frühwirth präsentierte den Bericht des AIBI (International Association of Plant Bakers) Technical Committee und den Stand der Beratungen unter anderem zu Enzymkennzeichnung, Salzreduktion, Ewigkeitschemikalien und Rodentiziden.
Anschließend sprach Christian Ranzenberger von der Unternehmensberatung Growzone zum Thema „Effizienz ist ein Teamsport“. Für Ranzenberger ist Effizienz kein Kostenthema, sondern eine Überlebensstrategie, da Unternehmen heute mit denselben oder sogar weniger Ressourcen mehr leisten müssen. Effizienz ist auch kein Thema einer einzelnen Abteilung, sondern liegt in der gesamten Wertschöpfungskette.
Digitale Helfer für Handarbeit
„KI in Instandhaltung und Produktion“ behandelte der Vortrag von Dipl.-Ing. Markus Kugelmann von Fraunhofer Austria. KI-Projekte in Bäckereiketten führen zu messbaren Verbesserungen: Studien und Praxisberichte belegen bis zu 20 % weniger Retouren, 12 % mehr Umsatz, eine Reduktion der Überproduktion um bis zu 30 % und bis zu 25 % weniger Ausverkäufe. Bäckereien rät Kugelmann zu einem Vier-Schritte-Masterplan, der mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme beginnt. Als zweiten Schritt gilt es, Daten zu sammeln und zu digitalisieren und anschließend mit einem kleinen, kritischen Projekt, wie beispielsweise dem Hauptbackofen, zu starten, um einen schnellen Erfolg zu erzielen. Als vierten Schritt empfiehlt Kugelmann, die passenden Fördermittel zu beantragen und mit der Pilotphase zu starten.
Süße Schaumrollen
Den Abschlussvortrag hielt Schaumrollenkönig Karl Guschlbauer über seine „süße Welt“. Im oberösterreichischen St. Willibald werden die traditionellen, süßen Köstlichkeiten teils vollautomatisiert produziert. Im Unternehmen sind rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Soweit wie möglich bezieht Guschlbauer seine Rohstoffe aus Österreich. Und Opernballfan Karl Guschlbauer hat verraten: Auch 2027 wird er wieder einen Stargast einladen.
Das VdB-Kolloquium war auch heuer ein voller Erfolg. Branchenkollegen ebenso wie Mitbewerber fanden ausreichend Zeit, sich auszutauschen, und konnten neue Ideen mit nach Hause nehmen. Man darf sich auf die 20. Auflage freuen: 7. bis 8. Juni 2027, wieder in Schladming.




