Bäcker stärken Lehrlingsausbildung in Niederösterreich
Wie gelingt erfolgreiche Lehrlingsausbildung im Bäckerhandwerk? Viele Antworten darauf gab der erste Informationstag der niederösterreichischen Bäcker in der Landesberufsschule Baden. Im Mittelpunkt standen die Stärkung der dualen Ausbildung, neue Bildungswege und der direkte Austausch zwischen allen Beteiligten.
Die Niederösterreichische Landesinnung der Bäcker lud Anfang Mai 2026 zum ersten großen Informationstag rund um die Lehrlingsausbildung in die Landesberufsschule Baden. Unternehmer, Ausbilder, Lehrlinge, Eltern sowie Vertreter der Berufsschule nutzten die Veranstaltung, um sich über die Zukunft der dualen Ausbildung, Karrierechancen im Bäckerhandwerk und neue Ausbildungsmodelle auszutauschen. Im Mittelpunkt stand dabei ein klares Ziel: die Qualität der Ausbildung weiter zu stärken und alle Beteiligten enger miteinander zu vernetzen.
Tragende Säulen für eine erfolgreiche Ausbildung
Mit persönlichen und eindringlichen Worten eröffnete Klaus Kirchdorfer, Landesinnungsmeister der Bäcker, den Informationstag und stellte dabei die Bedeutung einer gemeinsamen Verantwortung in der Lehrlingsausbildung in den Mittelpunkt. Kirchdorfer betonte, dass eine erfolgreiche Ausbildung immer auf mehreren tragenden Säulen basiere: auf den Lehrlingen selbst, den Ausbildungsbetrieben, den Ausbilderinnen und Ausbildern sowie den Berufsschulen. Besonders wichtig sei ihm gewesen, all diese Beteiligten gemeinsam mit den Eltern an einen Tisch zu bringen.
„Die Lehrzeit ist eine prägende Lebensphase, in der junge Menschen Orientierung finden und persönlich wachsen. Deshalb tragen wir alle gemeinsam Verantwortung für ihren Weg“, so Klaus Kirchdorfer. Der Landesinnungsmeister unterstrich, dass eine gute Ausbildung weit über fachliche Inhalte hinausgehe. Entscheidend seien gegenseitiges Verständnis, Wertschätzung und eine offene Kommunikation zwischen allen Beteiligten. „Nur wenn Lehrlinge, Betriebe, Schule und Eltern gut zusammenarbeiten, können wir die bestmöglichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Lehrzeit schaffen“, erklärte Kirchdorfer vor den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Mit dem Infotag wolle die Landesinnung nicht nur informieren, sondern auch das Miteinander stärken und den hohen Stellenwert des Bäckerhandwerks sichtbar machen. Gleichzeitig sprach Klaus Kirchdorfer den jungen Menschen Mut zu, ihren beruflichen Weg mit Stolz und Begeisterung zu gehen. „Unser Handwerk bietet Zukunft, Verantwortung und echte Perspektiven. Darauf können wir stolz sein“, betonte der Landesinnungsmeister.
Duale Ausbildung als Schlüssel für die Zukunft des Handwerks
Ein wesentliches Thema des Informationstags war die Bedeutung der dualen Ausbildung. Dipl.-Päd. Mag. Evelyne Platschka, Direktorin der Landesberufsschule, und Landesinnungsmeister-Stellvertreter Thomas Teufner verdeutlichten, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb für eine erfolgreiche Lehrlingsausbildung ist. Die Landesinnung setzt dabei bewusst auf eine fachgerechte, praxisnahe und zukunftsorientierte Ausbildung junger Fachkräfte.
Während Direktorin Evelyne Platschka Einblicke in die Inhalte der schulischen Ausbildung sowie in die Entwicklung der Lehrlingszahlen gab, sprach Thomas Teufner über die Bedeutung von persönlichem Engagement in der Ausbildung: „Fördern kommt vom Fordern – und genau das ist der springende Punkt. Gute Ausbildung funktioniert nur dann, wenn Betriebe, Schule und Lehrlinge gemeinsam Leidenschaft für dieses Handwerk mitbringen.“
Praxisnahe Einblicke und persönliche Erfolgsgeschichten
Bereits zu Beginn erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einer Besichtigung der Backstube spannende Einblicke in das traditionelle und zugleich moderne Bäckerhandwerk. Anschließend standen Themen wie neue Ausbildungsmodelle, Nachwuchsförderung und Berufsperspektiven im Mittelpunkt.
Besonderes Interesse galt den Erfahrungsberichten aus der Praxis. Die Siegerin des Landeslehrlingswettbewerbs 2026, Sandra Lenk, schilderte ihren Weg in den Beruf und sprach offen über Motivation, Herausforderungen und Chancen im zweiten Bildungsweg.
„Ich habe schnell Verantwortung bekommen und gemerkt, dass mir Vertrauen entgegengebracht wird. Das motiviert enorm“, erklärte Sandra Lenk. „Wer Fragen hat, sollte sich Unterstützung holen und neugierig bleiben. Genau das hilft in der Ausbildung weiter.“
Auch Bäckermeisterin Lena Kasses sprach in ihrer Funktion als Lehrlingsbeauftragte der Landesinnung über die Bedeutung moderner Ausbildungswege, die Lehrabschlussprüfung und die persönliche Betreuung im Betrieb. Gemeinsam mit ihrer Schwester führt sie die Traditionsbäckerei Kasses bereits in vierter Generation.
„Unser Handwerk verbindet Kreativität, Verantwortung und echte Wertschätzung durch die Kundinnen und Kunden“, so Lena Kasses. „Es ist schön zu sehen, wenn junge Menschen ihre Leidenschaft für diesen Beruf entdecken.“
Offen thematisiert wurden die Erwartungen der Ausbildungsbetriebe an zukünftige Lehrlinge. Bäcker- und Konditormeister Dietmar Zagler betonte dabei die Bedeutung von Einsatzbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und Interesse am Handwerk:
„Wer Offenheit, Lernbereitschaft und Motivation mitbringt, hat beste Chancen, sich in unserem Beruf erfolgreich zu entwickeln. Wichtig ist dabei auch die Unterstützung durch das Elternhaus.“
„Meister mit Matura“ verbindet Handwerk und höhere Bildung
Ein besonderer Schwerpunkt war die Vorstellung des neuen Ausbildungsmodells „Meister mit Matura“. Ziel des Konzepts ist es, jungen Menschen eine hochwertige handwerkliche Ausbildung zu ermöglichen, ohne auf weiterführende Bildungswege verzichten zu müssen.
Das Modell kombiniert Lehre, Berufspraxis, Meisterausbildung und Matura in einem durchgängigen sechsjährigen Ausbildungsweg. Dabei bleibt das duale Ausbildungssystem erhalten: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten weiterhin im Betrieb und absolvieren parallel ihre theoretische Ausbildung.
Im Unterschied zur klassischen „Lehre mit Matura“ soll das neue Konzept zeitlich besser auf die Anforderungen junger Menschen abgestimmt sein. Ein fixer Ausbildungstag pro Woche ermöglicht es, Schule, Beruf und persönliche Entwicklung besser miteinander zu verbinden.
„Wir wollen zeigen, dass handwerkliche Lehre und höhere Bildung kein Widerspruch sind – im Gegenteil: Sie ergänzen sich ideal“, erklärte Heinrich Schmid, Landesinnungsgeschäftsführer der Lebensmittelgewerbe in der Wirtschaftskammer Niederösterreich. Ziel sei es, bestens ausgebildete Fachkräfte mit Praxiswissen, Meisterabschluss und Matura hervorzubringen.
Das neue Modell startet im Herbst 2026 und bietet den Absolventinnen und Absolventen vielfältige Zukunftsperspektiven – vom erfolgreichen Berufsweg im Handwerk bis zu weiterführenden Studienmöglichkeiten.
Lehrabschlussprüfung transparent und verständlich
Zum Abschluss wurde ein von der Landesinnung produziertes Video präsentiert, das praxisnah durch Ablauf, Anforderungen und einzelne Prüfungsschritte führte. Das Video soll Lehrlinge gezielt bei der Vorbereitung unterstützen und gleichzeitig Eltern sowie Ausbildungsbetrieben wertvolle Orientierung über die Erwartungen und Unterstützungsangebote rund um die LAP geben.
Mit dem Infotag setzte die Landesinnung ein deutliches Signal für die Zukunft des Bäckerhandwerks und die Bedeutung einer hochwertigen, praxisnahen Ausbildung in Niederösterreich.






