Der Landeslehrlingswettbewerb in Baden zeigte eindrucksvoll, wie hoch das Niveau im Bäcker- und Konditorenhandwerk ist. Zwölf Bäcker, elf Konditoren aus Niederösterreich sowie zwei Teilnehmerinnen aus dem Burgenland stellten sich der Herausforderung – und überzeugten mit Präzision, Kreativität und bemerkenswerter Professionalität.

Der Landeslehrlingswettbewerb der Bäcker und Konditoren in der Landesberufsschule Baden zeigte eindrucksvoll, auf welchem Niveau der Nachwuchs arbeitet. Zwölf Bäckerlehrlinge, elf Konditorlehrlinge aus Niederösterreich sowie zwei Konditorinnen aus dem Burgenland stellten sich der Herausforderung. Der Ablauf machte die Intensität deutlich: Start um 7 Uhr, fünf Stunden konzentriertes Arbeiten, am Nachmittag die Siegerehrung. Dazwischen: Präzision, Zeitdruck – und bemerkenswerte Ruhe in den Backstuben.

Als sich die Türen zum Festsaal öffneten, bot sich Eindrucksvolles: Dschungelwelten aus Zucker, filigrane Schokoladenarbeiten, perfektes Gebäck. Moderatorin Christina Meister führte durch den Nachmittag, zahlreiche Ehrengäste gratulierten. Innungsmeister Klaus Kirchdorfer brachte es auf den Punkt: „Alle Achtung – um drei Uhr aufstehen, hierher fahren und dann alles so toll vorbereiten. Das ist eine Top-Leistung.“ Christian Heiss ergänzte: „Hier sitzen die besten Lehrlinge des Landes.“

Lisa-Christine Schneckenleitner überzeugte mit ihrer Dschungel-Torte, filigranen Arbeiten und klarer Linie im Detail. © Tanja Braune

Lisa-Christine Schneckenleitner überzeugte mit ihrer Dschungel-Torte, filigranen Arbeiten und klarer Linie im Detail. © Tanja Braune

Fünf Stunden, ein Motto

Das Wettbewerbsmotto „Dschungel“ ließ kreativen Spielraum – verlangte gleichzeitig höchste Präzision. Die Aufgaben waren klar definiert und anspruchsvoll: Bei den Bäckern reichte das Spektrum von Broten, Kipferln, Salzstangerln und Handsemmeln über Brezen und Plundergebäck bis hin zu Briochestriezeln und einem Schaustück aus zwei Kilogramm Teig. Bei den Konditoren standen Garnierarbeiten, Pralinen, Petit Fours, modellierte Figuren und als Herzstück die Festtagstorte im Fokus. Bewertet wurde das Endprodukt, aber auch Arbeitsweise, Hygiene und fachliche Umsetzung. Jedes Produkt hatte eine Punktegewichtung, die Torte etwa 20 Punkte. Juryvorsitzender Johannes Schwarzlmüller: „Ein ruhiges, konzentriertes, professionelles Arbeiten – keine Hoppalas. Die Punkte waren extrem knapp.“ Auch Robert Gansfuss, Juryvorsitzender Burgenland, betont: „Der Umgang mit den Rohstoffen und die Hygiene waren bei allen hervorragend.“

Niederösterreichs Bäcker

Den Sieg bei den Bäckern holte sich Sandra Lenk von der Bäckerei Konditorei Stoiber in Laa an der Thaya. Lenk ist Quereinsteigerin, hat zuvor eine Ausbildung zur Gärtnerin abgeschlossen und startete im November 2024 ihre verkürzte Lehre über das Programm „Frauen für Frauen“. Dass sie als Bäckerin angekommen ist, hört man: „Die Backstube macht einfach riesigen Spaß, das ganze Team ist super – der Schmäh rennt, und das macht die Arbeit noch schöner.“ Ihr Ziel ist klar: „Ich will den Backtechnologen und später den Master machen.“

Auch Lehrherr Philipp Stoiber lobt: „Sandra ist ein besonderer Lehrling. Mit Mitte zwanzig weiß sie genau, was sie will, und verfolgt ihre Ziele konsequent. Der Sieg beim Lehrlingswettbewerb ist nur ein Zwischenstep, sie hat sich damit für die AustrianSkills qualifiziert. Jetzt steht die Lehrabschlussprüfung an, die sie genauso mit Bravour meistern wird. Mit ihrem Ehrgeiz und ihrer Liebe zum Handwerk wird sie noch weit kommen.“

Auf den Plätzen zwei und drei folgten Stephan Simmer vom Schlosscafé Wieselburg und Desirée Vrabel von der Bäckerei Kasses in Thaya, die ebenfalls mit sehr soliden Leistungen überzeugten.

Die Konditoren Niederösterreichs

Bei den Konditoren setzte sich Lisa-Christine Schneckenleitner von Haubis GmbH in Petzenkirchen an die Spitze. Sie setzte das Dschungel-Motto konsequent in Grün um: mit einem Zuckerschaustück, einem mit Spritzglasur gemalten Papagei sowie modellierten Figuren und floralen Elementen. Die Glasur: eine klassische Ganache. Die Vorbereitung war intensiv: „Ich bin gestern erst um Mitternacht schlafen gegangen und habe nochmals alles geplant. Ich habe schon Muffensausen gehabt.“ Schneckenleitner befindet sich im vierten Lehrjahr und steht kurz vor ihrer LAB. Was danach kommt, lässt sie offen: „Schauen wir mal, was das Leben bringt.“

Auf den Plätzen zwei und drei folgten Emely Wachter von der Bäckerei Czihak in Gaming sowie Hanna Maglock von der Bäckerei Bruckner in Gedersdorf, die beide mit präziser Ausführung und sauberer Linienführung überzeugten.

Burgenlands beste Konditorinnen: Fanni Hanák (links) & Sarah Voit (rechts) mit ihren Schaustücken, stolz begleitet von LIM Evelyne Goldenits und Robert Gansfuss. © Tanja Braune

Burgenlands beste Konditorinnen: Fanni Hanák (links) & Sarah Voit (rechts) mit ihren Schaustücken, stolz begleitet von LIM Evelyne Goldenits und Robert Gansfuss. © Tanja Braune

Burgenlands Konditorinnen

Auch zwei Konditorlehrlinge aus dem Burgenland stellten sich dem Wettbewerb. Den ersten Platz holte sich Fanni Hanák von der Sonnentherme Lutzmannsburg. Ihr Schaustück: eine Sachertorte, erweitert um einen aus Schokoladenplastik modellierten Baum als zentrales Element, ergänzt durch Figuren und Blüten. „Ich habe mich intensiv vorbereitet und bin alles mehrmals durchgegangen“, sagt sie. Ihr weiterer Weg führt allerdings in eine andere Richtung: „Nach dem Lehrabschluss gehe ich auf die Polizeischule.“

Den zweiten Platz errang Sarah Voit vom Ausbildungsbetrieb Billa in Weppersdorf. Ihre Torte – eine Schokobiskuittorte mit Schokoladenbuttercreme, aprikotiert mit Ribiselmarmelade. Was sie mit dem Preisgeld vorhat: „Ich möchte in eine Bäckerlehre investieren.“ Und dann folgt ein Satz, der hoffentlich von unserem „Covermodel“ gelesen wird: „Ich möchte eine Lehre beim Gradwohl machen. Ich glaube, dort bekommt man eine super Ausbildung. Ich habe mich schon vorgestellt und hoffe so sehr, dass ich einen guten Eindruck hinterlassen habe.“

Mehr als ein Wettbewerb

Was in Baden zu sehen war, lässt sich nicht auf Platzierungen reduzieren. Der Wettbewerb ist mehr als ein Leistungsvergleich – er ist Standortbestimmung, Motivation und ein Signal nach außen. Christian Heiss bringt es auf den Punkt: „So ein Wettbewerb ist nicht ohne: Es braucht Konzept, Training, Timing – das alles unter Druck. Das ist die perfekte Vorbereitung für den Lehrabschluss.“

Gleichzeitig wird ihm bewusst, dass guter Nachwuchs keine Selbstverständlichkeit ist: „Wir haben aktuell noch gute Lehrlinge – aber wir müssen auch etwas dafür tun, damit das so bleibt.“ Ein Schritt in diese Richtung ist das neue Modell „Meister mit Matura“, das die Attraktivität des Berufs weiter steigern soll .

Auch Klaus Kirchdorfer nutzt den Rahmen, um die Bedeutung der Lehrlingsausbildung klar anzusprechen. Für ihn beginnt die Zukunft der Branche im Betrieb: „Die Lehrlingsausbildung muss ernst genommen werden – als Investition in die Zukunft.“ Er wird dabei auch konkret: „Ein Lehrling ist oft nur ein halbes Jahr wirklich im Betrieb. Mit Berufsschule, Urlaub und Ausfällen bleibt nicht viel Zeit. Umso wichtiger ist es, ihn richtig einzusetzen.“ Gleichzeitig betont er die Verantwortung der Betriebe, jungen Menschen Perspektiven zu geben – und die Attraktivität des Berufs sichtbar zu machen. Denn für Kirchdorfer steht fest: „Der Beruf ist schön. Wir sind kreativ, wir versorgen die Menschen täglich. Aber wir brauchen gute Leute – und genau die stehen heute hier.“

71 Bäckerlehrlinge und 177 Konditorlehrlinge werden aktuell in Niederösterreich ausgebildet. In Baden standen die Besten davon auf der Bühne. Was sie gezeigt haben, war mehr als Technik: Disziplin, Haltung und echte Begeisterung für das Handwerk. Für Juryvorsitzenden Schwarzlmüller ist genau das der entscheidende Punkt: „Es war ein ruhiges, professionelles Arbeiten. Keine Hoppalas, keine Hektik, respektvoller Umgang – und am Ende waren es nur Nuancen.“ Die Entscheidung fiel knapp, die Qualität war durchgehend hoch.

Und vielleicht ist es genau das, was diesen Wettbewerb ausmacht: Er zeigt nicht nur, wer gewinnt. Sondern, wie gearbeitet wird – und auf welchem Niveau sich das Handwerk bewegt. Oder, in seinen Worten: „Ich bin stolz auf diese Lehrlinge. Wirklich stolz.“