Nahversorgerstudie 2026: 401 Gemeinden ohne LEH-Standort – Bäckereien nicht erfasst
Editor öffnen
In 401 Gemeinden gab es 2024 keinen eigenen Standort des Lebensmitteleinzelhandels (LEH). Dort lebten rund 423.000 Menschen, etwa fünf Prozent der österreichischen Bevölkerung. Das zeigt die am 29. September präsentierte Nahversorgerstudie 2026 der KMU Forschung Austria im Auftrag des Bundesgremiums Lebensmittelhandel der WKÖ. Ob in diesen Orten eine Bäckerei oder Konditorei besteht, beantwortet die Erhebung nicht.
Die Zahl beschreibt eine Lücke im erfassten Lebensmittelhandel, nicht zwangsläufig das Fehlen jedes Lebensmittelangebots. Für die Auswertung wurden 2.114 räumliche Einheiten berücksichtigt: die österreichischen Gemeinden sowie die 23 Wiener Bezirke anstelle Wiens als einer einzigen Gemeinde.
Je kleiner der Ort, desto häufiger fehlt ein LEH-Standort
Besonders ausgeprägt ist die Lücke in Kleinstgemeinden. Von 110 Orten mit weniger als 500 Einwohnerinnen und Einwohnern hatten 79 keinen LEH-Standort – das sind 72 Prozent. In der Größenklasse von 501 bis 1.000 Einwohnern betraf es 129 von 297 Gemeinden oder 43 Prozent. Ab 5.001 Einwohnern weist die Studie keine Gemeinde ohne eigenen LEH-Standort mehr aus.
Der österreichweite Wert verdeckt zudem regionale Unterschiede. Den höchsten Anteil an Gemeinden ohne Lebensmittelhandel verzeichnete 2024 das Burgenland mit 28,1 Prozent, gefolgt von Oberösterreich mit 24 Prozent und Tirol mit 22,7 Prozent. Zugleich wuchs die Zahl der LEH-Standorte von 2021 bis 2024 österreichweit um 3,6 Prozent. In dicht besiedelten Gebieten betrug das Plus rund 14 Prozent, in dünn besiedelten Gebieten sank die Zahl der Standorte um rund drei Prozent.
Bäckereien und Nahversorgung: Was die Erhebung offenlässt
Die Studie basiert auf Arbeitsstätten des Lebensmitteleinzelhandels in der ÖNACE-Klasse 47.11-0. Eigenständige Bäckereien und Konditoreien werden darin nicht als eigene Betriebsgruppe untersucht. Eine Gemeinde ohne LEH-Standort kann also weiterhin eine Backstube, eine Verkaufsfiliale oder andere Lebensmittelanbieter haben. Wie viele der 401 Orte das betrifft, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.
Die Vorjahresstudie hatte für 2023 noch 389 Gemeinden und rund 411.000 Einwohnerinnen und Einwohner ohne örtlichen LEH-Standort genannt. Über die Rolle der Bäckereien in der regionalen Versorgung hat die ÖBKZ im Vorjahr berichtet. Die neuen Zahlen machen eine weitere Frage dringlich: Welches Angebot ist in den betroffenen Orten tatsächlich vorhanden, und für wen ist es erreichbar?
Denn auch die Entfernung zum nächsten Geschäft, Fahrzeiten und die Versorgung von Haushalten ohne Pkw misst die aktuelle Studie nicht. Ein LEH-Standort jenseits der Gemeindegrenze kann näher liegen als einer im eigenen, weitläufigen Gemeindegebiet. Für eine Bäckerei gilt ebenso: Brot und Gebäck können ein wichtiger Teil des täglichen Einkaufs sein; ein breites Lebensmittelsortiment ersetzen sie dadurch nicht automatisch.
Ein Café oder Dorfladen braucht ein tragfähiges Konzept
Die Forschenden empfehlen, je nach Gemeindegröße und Lage unterschiedliche Modelle zu prüfen. Für kleine Orte mit erkennbarem Zentrum nennen sie etwa Läden, die Lebensmittelverkauf mit Café, Postdienstleistungen oder regionalen Produkten verbinden. Für sehr kleine Gemeinden und Streusiedlungen können Lieferdienste, Verkaufswagen oder Abholstationen geeigneter sein. Bestehende, gefährdete Betriebe sollten zunächst auf ihre Möglichkeiten zur Stabilisierung geprüft werden.
Damit sind Bäckereien mögliche Partner solcher Konzepte; die Studie bewertet ihre Betriebe jedoch nicht. Wie wichtig schon der Erhalt eines einzelnen Standorts für einen Ort sein kann, zeigt die Übernahme der Bäckereifiliale in St. Leonhard durch Kiesenhofer: Backwaren, Café und Arbeitsplätze blieben erhalten. Ob ein Betrieb darüber hinaus ein Dorfladensortiment tragen kann, hängt von Nachfrage, Personal, Räumen und verlässlichen Partnern ab.
Die Studie rät ausdrücklich davon ab, Förderungen allein an eine Neueröffnung zu knüpfen. Entscheidend seien die dauerhafte wirtschaftliche Tragfähigkeit und die tatsächliche Erreichbarkeit des Angebots. Dafür braucht es neben den LEH-Zahlen auch eine Bestandsaufnahme der Bäckereien, Fleischereien und Direktvermarkter vor Ort.
Nahversorgung – der Lebensmitteleinzelhandel im Kontext der Nahversorgung in Österreich – September 2026 – gesamte Studie zum Download


