Weniger Weizen vom Feld, aber ein niedrigerer Kurs an der Börse: Für Österreichs Bäckereien ergibt sich Ende September ein Marktbild, das auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt. Laut Agrarmarkt Austria (AMA) schloss der Dezember-Kontrakt für Weizen an der Euronext Paris am 23. September bei 240,50 Euro je Tonne. Eine Woche zuvor waren es 244,50 Euro gewesen.

Auch Qualitätsweizen in Wien günstiger notiert

An der Wiener Produktenbörse lag die Notierung für inländischen Qualitätsweizen am 23. September bei 231 Euro je Tonne und damit um 1,50 Euro unter dem Wert der Vorwoche. Die Pariser Zahl beschreibt einen Terminkontrakt, die Wiener Notierung heimischen Qualitätsweizen. Beide zeigen eine jüngste Preisbewegung am Getreidemarkt – keinen Mehlpreis für eine österreichische Bäckerei.

Die heimische Ernte fiel tatsächlich schwächer aus. In ihrer Sommerertragserhebung vom 9. September weist die AMA für konventionellen Weichweizen durchschnittlich 59,6 Dezitonnen je Hektar aus, nach 69,1 Dezitonnen im Vorjahr. In Niederösterreich, dem wichtigsten Anbaugebiet, sank der Hektarertrag um 18 Prozent. Über diese Ertragseinbußen hat die ÖBKZ bereits berichtet.

Was Bäckereien daraus ableiten können

Die schwächere österreichische Ernte und der jüngste Kursrückgang widersprechen einander nicht zwingend: Börsenpreise entstehen in einem größeren Markt und bilden mehr ab als den Ertrag auf heimischen Feldern. Zugleich lässt sich aus einem um vier Euro je Tonne gesunkenen Pariser Weizenkontrakt keine entsprechende Ersparnis beim nächsten Mehleinkauf berechnen. Dafür zählen das konkret benötigte Mehl, das Angebot der Mühle und die vereinbarten Lieferbedingungen.

Für Betriebe ist die Notierung somit ein Anlass, ihre aktuellen Mehlangebote und Vertragslaufzeiten zu prüfen – keine belastbare Prognose für die nächste Rechnung. Wer die weitere Entwicklung einschätzen will, sollte sowohl die Getreidenotierungen als auch die tatsächlich angebotenen Mehlpreise im Blick behalten.