Der traditionelle, jährlich stattfindende Feldtag der Fini’s Feinstes Mühle und der Academy von GoodMills Österreich fand am 26. Juni auf dem Gelände der Mälzerei und Destillerie Farthofer im niederösterreichischen Kicking statt. Mehr als 60 Besucher:innen aus Lebensmittelindustrie, Getreidehandel und Wissenschaft nahmen daran teil. Auf dem Programm standen informative Expertenvorträge und eine Feldbesichtigung.
Positive Prognosen für den Weizenanbau in Österreich
Eröffnet wurde der Event von Peter Stallberger, Geschäftsführer der Mühlengruppe GoodMills Österreich. „Der Feldtag ist für uns weit mehr als ein Branchentreffen – er ist ein Ort der Verantwortung. Denn gerade in Zeiten globaler Unsicherheit braucht es den offenen Dialog zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft und Industrie, um gemeinsam an einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Lebensmittelproduktion zu arbeiten“, so Stallberger.
Den Auftakt der Expertenvorträge machte Stefan Weinwurm, Leiter des Getreide-Einkaufs bei GoodMills Österreich, mit einem Überblick über die aktuelle Situation auf den nationalen und internationalen Getreidemärkten. Die Anbaubedingungen, Aussaatflächen sowie der Witterungsverlauf für den Weizenanbau in Österreich und Europa verlaufen bislang zufriedenstellend. Der Experte rechnet mit einer guten und gesunden Getreideernte – sowohl national als auch international. Allerdings sei zu beachten, dass Faktoren außerhalb des landwirtschaftlichen Einflussbereichs ebenfalls eine große Rolle bei der Preisgestaltung spielen: Zölle, Kriege und Wechselkurse hätten in der aktuellen Lage oft stärkeren Einfluss als fundamentale Produktionsdaten. „Ein gut aufgesetztes Risikomanagement mit verlässlichen Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist daher wichtiger denn je“, so Weinwurm.
Gutes Wirtschaften braucht Umweltschutz
Dr. Sigrid Stagl, Professorin für Environmental Economics and Policy an der WU Wien und Wissenschaftlerin des Jahres 2024, beleuchtete in ihrem Vortrag die Bedeutung regenerativer Wirtschaftsmodelle. Dabei unterstrich sie, dass der Schutz natürlicher Ressourcen grundlegend für die Sicherstellung der globalen Lebensmittelversorgung ist. Sie sprach sich für eine Neuausrichtung der Wirtschaft aus – hin zu einem System, das sowohl ökologische Grenzen respektiert als auch soziale Gerechtigkeit ermöglicht.
„Nachhaltige Ernährungssysteme müssen innerhalb der Grenzen des Planeten funktionieren und dabei die Umwelt und den Geldbeutel schonen“, so Stagl. Insbesondere in der Lebensmittelproduktion sei ein achtsamer Umgang mit der Natur essenziell.

Mehr Zusammenspiel von Landwirtschaft & Technik notwendig
Auf das wichtige Thema Ethik in der Landwirtschaft ging Univ.-Ass. Dr. Christian Dürnberger, Philosoph und Kommunikationswissenschafter am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien, ein. Beleuchtet wurde die Nahrungsmittelproduktion in der gegenwärtigen Gesellschaft – insbesondere die Aspekte Klimakrise, Umweltschutz, Tierwohl, Ackerbau und grüne Gentechnik. Der Experte plädierte für eine stärkere Symbiose von Landwirtschaft, Technik, Expertise und Fortschritt:
„Lebensmittelproduktion wird oft als beschauliche Idylle inszeniert – dabei können Technik und Digitalisierung helfen, den vielfältigen gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden. Wir brauchen daher neue Bilderwelten rund um Landwirtschaft und Lebensmittel, bei denen Technik, Expertise und Fortschritt eine positive Rolle spielen.“
Von der Theorie ging es in die Praxis über: Die Gäste besichtigten die Feldbestände. Univ.-Prof. Dr. Heinrich Grausgruber von der BOKU Wien begleitete die Begehung mit fachlichen Kommentaren und spannenden Einblicken zu Weizensorten, Bodenbeschaffenheit und den Unterschieden zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft.
Bei der anschließenden Führung durch die Mälzerei und Destillerie Farthofer konnten die Gäste den Nachmittag noch gemütlich ausklingen lassen.








