Vergiftete Babynahrung, internationale Ermittlungen und ein ehemaliger Mitarbeiter im Visier der Justiz: Der Erpressungsfall rund um Hipp hat europaweit für Schlagzeilen gesorgt. Für die Lebensmittelwirtschaft – nicht nur für Babynahrungsproduzenten – ist die Causa mehr als ein spektakulärer Kriminalfall.
Vertrauen ist in der Lebensmittelwirtschaft eine harte Währung. Jahrzehntelang aufgebaute Marken können innerhalb weniger Tage erheblichen Schaden nehmen, wenn Zweifel an der Sicherheit von Lebensmitteln aufkommen. Genau deshalb traf der Erpressungsfall rund um den Babynahrungshersteller Hipp die Branche bis ins Mark. Als im Frühjahr bekannt wurde, dass mehrere Babygläschen in Österreich, Tschechien und der Slowakei manipuliert worden waren, löste dies weit über die Babynahrungsbranche hinaus Besorgnis aus. Besonders brisant: In den Gläsern wurde Rattengift gefunden. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden war die Menge zwar nicht lebensbedrohlich, hätte jedoch gesundheitliche Schäden verursachen können. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit davon aus, dass die Manipulationen Teil eines Erpressungsversuchs gegen das Unternehmen waren.
Hipp reagierte mit einem öffentlichen Rückruf. Gleichzeitig betonte das Unternehmen mehrfach, dass die Produktions-, Qualitätsund Kontrollprozesse nicht betroffen gewesen seien. Die Manipulationen seien außerhalb des eigentlichen Herstellungsprozesses erfolgt. Inzwischen wurde der Rückruf beendet, die Produkte sind wieder im Handel erhältlich. Nach Unternehmensangaben gibt es keine Hinweise auf weitere manipulierte Gläser. Im Zentrum der Ermittlungen steht ein ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens. Gegen den 39-Jährigen wird unter anderem wegen versuchter schwerer Erpressung und versuchter schwerer Körperverletzung ermittelt. Er bestreitet die Vorwürfe. Die Ermittlungen dauern an.
Für Unternehmen aus dem Lebensmittelbereich stellt sich indes eine zentrale Frage: Kann so etwas auch bei uns passieren?

Anka Lorencz, Bundesinnungsgeschäftsführerin der Lebensmittelgewerbe in der WKÖ, sieht Krisenresilienz und gute Vorbereitung als zentrale Faktoren für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen in der Lebensmittelwirtschaft. © Beigestellt
Anka Lorencz, Bundesinnungsgeschäftsführerin der Lebensmittelgewerbe in der WKÖ, sieht Krisenresilienz und gute Vorbereitung als zentrale Faktoren für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen in der Lebensmittelwirtschaft. © Beigestellt

Alarmiert, aber nicht alarmistisch

Anka Lorencz mahnt angesichts alarmierender Schlagzeilen zu einem nüchternen Blick auf die Faktenlage. Die Bundesinnungsgeschäftsführerin der Lebensmittelgewerbe in der Wirtschaftskammer Österreich sieht eher keinen Anlass für plötzliche übertriebene Alarmstimmung. „Eigentlich ist das Thema nicht größer als zuvor“, relativiert sie.
Die öffentliche Aufmerksamkeit sei zwar enorm gewesen, doch vergleichbare Delikte habe es auch in der Vergangenheit gegeben. Nach ihrer Erfahrung stammen die Täter häufig nicht aus professionellen kriminellen Netzwerken, verharmlosen wolle sie aber solche Situationen trotzdem nicht: „Oft handelt es sich um Personen aus dem Umfeld eines Unternehmens. Und häufig steckt eine persönliche Aversion dahinter oder das Gefühl, mit dem Unternehmen noch eine Rechnung offen zu haben“, führt Lorencz aus.
Gerade dieser Aspekt macht viele Fälle wiederum schwierig, da die Erpresser Abläufe, Strukturen oder Ansprechpartner kennen. Die Erfahrung zeigt dennoch, dass die meisten Täter vergleichsweise rasch identifiziert werden. „Der aktuelle Fall ist nicht der erste und leider sicher auch nicht der letzte“, so Lorencz.

Food-Defense wird wichtiger

Während die Öffentlichkeit vor allem über den mutmaßlichen Täter diskutiert, beschäftigt die Lebensmittelwirtschaft eine andere Frage: Wie lassen sich vorsätzliche Manipulationen überhaupt verhindern? Die ÖBKZ-Redaktion hat im Zuge der Recherchen mehrere große und kleine Vertreter der Bäckereiund Konditorbranche um eine Stellungnahme gebeten. Interviewzusagen lagen bis Redaktionsschluss jedoch leider keine vor. Ob es am stressigen Arbeitsalltag der Unternehmen oder an fehlenden Konzepten liegt, können und wollen wir nicht beurteilen.
Spannende Rückmeldung hierzu kam von den Marcher Fleischwerken, auch hier wurde der aktuelle Fall mit Argusaugen verfolgt. Sarah Wasserfaller, Leiterin des Qualitätsmanagements der Unternehmensgruppe, sieht darin vor allem ein Beispiel für die wachsende Bedeutung von Food-Defense. „Dieser Fall ist wahrscheinlich an niemandem vorübergegangen“, sagt sie. „Abgesehen von der Gefahr, die hier für Babys ausging, überlegt man natürlich auch, wie man selbst als Unternehmen reagieren würde.“ Nach ihrer Einschätzung deutet der bisherige Ermittlungsstand allerdings nicht auf ein Versagen der Produktsicherheit hin, „sondern es wurden nach der Auslieferung Produkte verunreinigt“. Genau an dieser Stelle beginnt die Herausforderung. Während Unternehmen ihre Produktionsprozesse umfassend überwachen und kontrollieren können, ist es praktisch unmöglich, gezielte Manipulationen außerhalb des unmittelbaren Einflussbereichs zu verhindern.
Wasserfaller unterscheidet deshalb klar zwischen Produktsicherheit und FoodDefense. Während sich die klassische Qualitätssicherung mit Produktionsabläufen, Hygienestandards, Rohstoffen und Kontrollen beschäftigt, konzentriert sich Food-Defense auf vorsätzliche schädigende Angriffe. Ziel ist es, Lebensmittel vor Sabotage, Manipulation oder kriminellen Eingriffen zu schützen. Bei Marcher umfasst dies unter anderem Zutrittskontrollen, Überwachungssysteme, Sicherheitspersonal sowie spezielle Schulungen für Mitarbeiter. „Food-Defense geht über die klassische Qualitätssicherung hinaus und adressiert gezielt die Gefahr möglicher Sabotageakte oder sonstiger krimineller Angriffe auf die Lebensmittelsicherheit“, erläutert Wasserfaller. In ihrem Unternehmen würden Mitarbeitende darin geschult, verdächtige Situationen zu erkennen und korrekt darauf zu reagieren. Gleichzeitig würden Sicherheitskonzepte laufend überprüft und weiterentwickelt.

Neuralgische Lieferkette

Der Fall Hipp zeigt zudem, dass die Verantwortung für Produktsicherheit nicht an den Werkstoren endet, sondern auch entlang der weiteren Lieferund Handelskette fortbesteht. Moderne Lebensmittelproduktion umfasst komplexe Lieferketten, zahlreiche Schnittstellen und unterschiedliche Akteure. Mit jeder zusätzlichen Station steigt auch die Zahl potenzieller Schwachstellen. Lorencz verweist darauf, dass Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv in Sicherheitsmaßnahmen investiert haben. Wo früher oftmals offene Werksgelände üblich waren, dominieren heute Zutrittskontrollen, Kamerasysteme und strukturierte Sicherheitskonzepte.
Klar, ein Restrisiko bleibt natürlich immer. „Prinzipiell ist es nicht schwierig, in einem Supermarkt Produkte zu kaufen, daheim zu manipulieren und heimlich wieder ins Regal zu stellen“, sagt Lorencz. Genau darin liegt die besondere Herausforderung: Selbst bei optimal abgesicherten Produktionsstätten lassen sich Manipulationen außerhalb des eigenen Einflussbereichs nicht verhindern. Dank moderner IT-Systeme lässt sich bei Marcher jederzeit nachvollziehen, woher Rohstoffe stammen und welche Wege Produkte genommen haben. Die Anforderungen, so Wasserfaller, seien in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Produktsicherheit sei heute ein hochprofessionelles Fachgebiet mit spezialisierten Mitarbeitern und umfangreichen Kontrollmechanismen. Allein die Zahlen zeigen die Dimension bei den Marcher Fleischwerken: Über 100.000 interne und mehr als 25.000 externe Laboruntersuchungen jährlich, zehntausende sensorische Prüfungen sowie zahlreiche Audits sollen gewährleisten, dass Risiken frühzeitig erkannt werden. Doch der Fall Hipp beweist auch, dass es gegen einen gezielten kriminellen Eingriff außerhalb der Produktion keinen absoluten Schutz gibt.

Wichtiges Krisenmanagement

Gerade deshalb gewinnt die Vorbereitung auf den Ernstfall zunehmend an Bedeutung. Für Lorencz hat sich das Bewusstsein in der Branche deutlich verändert. Viele Unternehmen beschäftigten sich heute wesentlich intensiver mit Krisenszenarien als noch vor einigen Jahren. „Im Mittelpunkt steht dabei die Krisenresilienz“, sagt sie und ergänzt: „Vor allem in den vergangenen fünf Jahren hat sich hier enorm viel getan.“ Unternehmen würden heute regelmäßig Szenarien durchspielen und Notfallpläne entwickeln. Dabei gehe es nicht nur um Produktrückrufe, sondern auch um Cyberangriffe, Blackouts oder andere Krisenlagen. Die Firmen befassen sich mit Fragen wie: Wie gehe ich mit einer Krise um? Wie erreiche ich meine Mitarbeiter? Welche Prozesse greifen im Ernstfall? Auch bei Marcher gehören Krisenübungen längst zum Standard. Klare Notfallpläne, definierte Kommunikationswege und regelmäßige Tests sollen sicherstellen, dass im Ernstfall keine wertvolle Zeit verloren geht.
So wichtig Krisenpläne auch sind – im Ernstfall entscheidet oft die Kommunikation darüber, ob ein Vorfall zu einer beherrschbaren Krise oder zu einem nachhaltigen Imageschaden wird.
Gerade in der Lebensmittelwirtschaft stehen Unternehmen dabei vor einem schwierigen Spagat. Einerseits erwarten Konsumenten schnelle und transparente Informationen, andererseits gilt es, laufende Ermittlungen nicht zu gefährden. Anka Lorencz plädiert deshalb für eine enge Abstimmung mit Behörden und Kommunikationsexperten. „Ich würde Unternehmen empfehlen, eng mit der Exekutive zusammenzuarbeiten und einen Kommunikationsexperten hinzuzuziehen“, sagt sie. Ihr zufolge ist die Versuchung groß, im Sinne größtmöglicher Transparenz möglichst schnell alle Informationen öffentlich zu machen. Doch hier sei laut Lorencz mit Bedacht vorzugehen. Die Geschäftsführerin betont, dass laufende Ermittlungen nicht durch vorschnelle Veröffentlichungen erschwert werden sollten. Gleichzeitig dürfe keinesfalls der Eindruck mangelnder Transparenz entstehen, der Schutz der Konsumenten habe immer Vorrang, und die Botschaft müsse lauten: „Wir kommunizieren alles, was wir kommunizieren können und dürfen.“
Auch Sarah Wasserfaller sieht die Kommunikation als einen der entscheidenden Faktoren im Krisenmanagement. Aus ihrer Sicht steht bei Produktrückrufen zunächst immer der Schutz der Konsumenten im Vordergrund: „Die kommunikative Herausforderung bei Produktrückrufen oder Sicherheitsvorfällen besteht darin, schnell und transparent zu informieren, ohne dabei Unsicherheit oder Vertrauensverlust bei Kunden, Geschäftspartnern und der Öffentlichkeit zu verursachen.“ Es müsse klar vermittelt werden, was passiert sei, welche Risiken tatsächlich bestünden und welche Maßnahmen bereits eingeleitet worden seien. Dabei komme es nicht nur auf die Geschwindigkeit an, sondern auch auf die Glaubwürdigkeit der Kommunikation. Der Fall Hipp gilt in dieser Hinsicht vielen Beobachtern als bemerkenswert. Trotz der Brisanz des Themas gelang es dem Unternehmen, die öffentliche Diskussion früh auf den tatsächlichen Kern des Problems zu lenken: auf einen mutmaßlichen kriminellen Angriff und nicht auf ein Versagen der Produktionsoder Qualitätsprozesse.

Generalpräventive Strafe

Aus juristischer Sicht zählt der Hipp-Fall zu den gravierendsten Formen der Erpressung, die ein Unternehmen treffen können. „Das Wesentliche an dieser Art von Erpressung besteht darin, dass ein sehr breiter Unsicherheitsraum eröffnet wird“, erklärt Rechtsanwalt Georg Zanger. Während sich der Schaden bei vielen anderen Delikten vergleichsweise klar eingrenzen lasse, wisse das betroffene Unternehmen in einem solchen Fall zunächst weder, ob die Drohung tatsächlich umgesetzt worden sei, noch, welche Produkte betroffen seien, oder ob bereits eine Gefahr für Konsumenten bestehe. Der Hersteller müsse daher innerhalb kürzester Zeit klären, was bereits geschehen sei und wie sich weitere Schäden verhindern ließen.
Besonders schwer wiege dabei, dass nicht nur das Unternehmen selbst betroffen sei. „Dahinter steht auch dessen gesamter Kundenstock“, sagt Zanger. Gerade deshalb seien derartige Taten besonders gefährlich. Neben möglichen gesundheitlichen Risiken stehe stets auch das Vertrauen der Konsumenten auf dem Spiel. Der Jurist spricht sich daher für eine konsequente strafrechtliche Verfolgung aus. Zanger: „Ich glaube, dass es auch hier notwendig ist, aus präventiven Gründen eine angemessene Strafe zu verhängen.“

Exekutive einschalten

In einem Punkt sind sich alle Gesprächspartner einig: Unternehmen sollten nicht versuchen, Erpressungsfälle auf eigene Faust zu lösen. Für Lorencz ist das eine der wichtigsten Lehren aus dem aktuellen Fall. „Für betroffene Unternehmen ist vor allem eines wichtig: absolut unverzüglich die Exekutive einzuschalten.“ Immer wieder erlebe man, dass Verantwortliche zunächst versuchten, die Angelegenheit selbst in den Griff zu bekommen. Derartige Überlegungen seien nachvollziehbar, aber gefährlich. Auch Zanger rät zu einer engen Zusammenarbeit mit den Behörden. Georg Zanger verweist darauf, dass die Polizei und die Ermittlungsbehörden über Möglichkeiten verfügten, die Unternehmen selbst nicht hätten. Dazu gehörten technische Überwachungsmaßnahmen ebenso wie kriminalistische Erfahrung und internationale Kontakte. Der Anwalt hält es deshalb für entscheidend, möglichst früh professionelle Unterstützung einzubinden. Wer versuche, allein mit einem Erpresser zu verhandeln, könne die Tragweite der Situation oft gar nicht vollständig abschätzen. Zanger weist außerdem darauf hin, dass Betroffene nach einer Zahlung häufig erneut ins Visier geraten können. Wer einmal zahle, signalisiere unter Umständen seine Bereitschaft, auch künftig den Erpressern nachzugeben.

Rechtsanwalt Georg Zanger sieht in Lebensmittel­ - Erpressungen eine gefährliche Form der Wirtschaftskriminalität. Betroffene Betriebe sollten frühzeitig Ermittlungsbehörden einbinden und alle Vorgänge lückenlos dokumentieren. © Beigestellt
Rechtsanwalt Georg Zanger sieht in Lebensmittel­ – Erpressungen eine gefährliche Form der Wirtschaftskriminalität. Betroffene Betriebe sollten frühzeitig Ermittlungsbehörden einbinden und alle Vorgänge lückenlos dokumentieren. © Beigestellt

Dokumentation & Beweissicherung

Sobald ein Verdachtsfall bekannt wird, beginnt für Unternehmen eine weitere wichtige Aufgabe: die lückenlose Dokumentation. Zanger empfiehlt, nach einem Eingriff sämtliche Kontakte, Mitteilungen und Vorgänge sorgfältig festzuhalten, und wird konkret: „Ab diesem Zeitpunkt ist es gut, dass man alle Telefonate mitschneidet, Überwachungskameras involviert und die betroffenen Bereiche entsprechend observiert und kontrolliert.“ Ebenso wichtig sei die professionelle Sicherung möglicher Beweismittel. Produkte oder Verpackungen sollten nicht unbedacht angefasst werden. Wer Spuren vernichte, könne ungewollt wichtige Ermittlungsansätze zerstören. Für Unternehmen bedeutet das: Neben einer präzis abgestimmten Krisenkommunikation und Produktrückrufen müssen auch Abläufe für die Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden definiert sein. Viele Betriebe beschäftigen sich heute bereits intensiv mit solchen Fragen. Dennoch zeigt der Hipp-Fall, dass die Praxis immer wieder neue Herausforderungen bereithält.
Weder Lorencz noch Wasserfaller sehen den Fall als Beleg für ein Versagen bestehender Kontrollsysteme. Die manipulierten Produkte wurden entdeckt, die Öffentlichkeit informiert, Behörden in mehreren Ländern arbeiteten zusammen, und schließlich konnte auch ein Tatverdächtiger ausgeforscht werden. Für Lorencz liegt genau darin die eigentliche Botschaft des Falls. Auf die Frage, ob solche Ereignisse das Vertrauen der Konsumenten erschüttern könnten oder sich gerade in Krisen die Stärke funktionierender Kontrollsysteme zeige, antwortet sie ganz klar: „Ich glaube eher Letzteres. Vor allem dann, wenn es rasch zu einem Fahndungserfolg kommt.“ Gleichzeitig macht der Fall deutlich, dass Sicherheit kein statischer Zustand ist. Unternehmen werden ihre Konzepte laufend weiterentwickeln müssen – von Food-Defense über Krisenresilienz und Rückverfolgbarkeit bis hin zur Krisenkommunikation.

Eine wichtige Erinnerung

Der Hipp-Erpressungsfall wird der Lebensmittelwirtschaft wohl trotzdem noch länger in Erinnerung bleiben. Nicht, weil er grundlegende Schwächen der Branche offengelegt hätte, sondern weil er gezeigt hat, wie schnell selbst etablierte Unternehmen mit einer Bedrohung konfrontiert werden können, die außerhalb aller üblichen Qualitätsund Kontrollmechanismen liegt. Für Lebensmittelproduzenten jeder Größenordnung liegt die wichtigste Lehre deshalb nicht in zusätzlichen Vorschriften oder neuen Zertifikaten. Sie liegt in der Vorbereitung. „Jedes Unternehmen – auch ein kleiner Betrieb – sollte sich die Frage stellen: Was würde ich tun, wenn mir so etwas passiert?“, sagt Anka Lorencz. Eine einfache Frage. Aber eine, auf die jedes Unternehmen eine Antwort haben sollte. Denn der Fall Hipp hat vor allem eines gezeigt: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Entscheidend ist, wie gut man vorbereitet ist, wenn das Undenkbare plötzlich Realität wird.

Food-Defense wird wichtig

Food-Defense bezeichnet alle Maßnahmen, mit denen Lebensmittelunternehmen ihre Produkte vor vorsätzlichen Eingriffen schützen. Im Unterschied zur klassischen Lebensmittelsicherheit oder Qualitätssicherung geht es dabei nicht um unbeabsichtigte Fehler oder Hygienemängel, sondern um Sabotage, Erpressung, Vandalismus oder andere kriminelle Handlungen.
Typische Maßnahmen sind:
• Zutrittskontrollen zu Produktionsbereichen
• Videoüberwachung und Sicherung sensibler Bereiche
• Schulungen der Mitarbeitenden zum Erkennen verdächtiger Situationen
• Kontrolle von Besuchern, Lieferanten und Fremdfirmen
• Krisen- und Notfallpläne
Internationale Standards wie IFS Food und BRCGS verlangen von Lebensmittelbetrieben heute entsprechende Risikoanalysen und Schutzkonzepte. Food-Defense ist längst nicht mehr nur Thema für Großkonzerne, sondern für Unternehmen jeder Größe.


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