Die Bäckerei Traintinger in Elixhausen hat einen bedeutenden Entwicklungsschritt vollzogen: Die Geschwister Leon und Anna Traintinger haben die Geschäftsführung übernommen, neue Produktions- und Verkaufsflächen in Teilen einer ehemaligen Käserei bezogen und das Unternehmen um ein Café- und Frühstückskonzept erweitert. Das hat sich so richtig ausgezahlt.
In vielen Familienbetrieben wird jahrelang über die Nachfolge sinniert. Bei der Bäckerei Traintinger in Elixhausen ging alles sehr schnell. Die Chance auf den neuen Standort ergab sich durch eine ehemalige Käserei in Elixhausen. Nachdem die traditionsreiche Genossenschaft Ende 2023 ihren Betrieb eingestellt hatte, gelangte das Gebäude wieder in den Besitz der Familie Huber. Über die langjährigen Kontakte zwischen den Familien entstand schließlich die Möglichkeit für die Geschwister Traintinger, Teile des Gebäudes anzumieten und dort ihren neuen Betrieb aufzubauen. „Es war quasi das perfekte Timing“, sagt Leon Traintinger.
Für ihn und seine ältere Schwester wurde die Expansion nämlich gleich zum Startschuss für die Übernahme der unternehmerischen Verantwortung. Getreu dem Motto: Wenn wir schon neu starten, dann gleich richtig. Seit der Eröffnung des neuen Flachgauer Standorts Mitte März führen Anna und Leon also die eigens gegründete GmbH. Mit 30 beziehungsweise 21 Jahren zählen sie zu den jüngeren Betriebsübernehmern der Branche. „Eigentlich sind unsere Eltern noch gar nicht an einem Punkt, an dem sie aufhören wollen“, gesteht Leon Traintinger. Seine Mutter werde erst in einigen Jahren in Pension gehen, der Vater müsse ebenfalls noch weiterarbeiten. Ausschlaggebend sei vielmehr die einmalige Gelegenheit gewesen, die räumlichen Probleme des bisherigen Betriebs zu lösen.
Denn trotz kontinuierlichen Wachstums waren die bestehenden Produktionsflächen zunehmend zum Nadelöhr geworden. Leon: „Wir sind aus allen Nähten geplatzt. Es hat an Lagerflächen gefehlt, die Produktion war extrem beengt. Irgendwann war einfach klar, dass wir etwas verändern müssen.“

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Sanierung am Käsereiweg

Die Lösung fand sich nur einen Steinwurf vom bisherigen Standort entfernt. Nach rund zwei Jahren Vorbereitungszeit mieteten die Traintingers das Erdgeschoß der ehemaligen Käserei an und begannen mit dem Umbau. Bis zur Eröffnung im März 2026 wurde nahezu jeder Bereich neu gestaltet. Entstanden sind moderne Produktionsräume, eine eigene Konditorei, großzügige Lagerflächen, ein Verkaufsgeschäft, ein Café mit Sonnenterrasse sowie Aufenthaltsräume für die Mitarbeiter. Insgesamt stehen heute rund 450 Quadratmeter zur Verfügung. „Wir wollten einfach wieder vernünftig arbeiten können“, erklärt der neue Chef. Dabei wurde bewusst in moderne Technik investiert, ohne das handwerkliche Selbstverständnis aufzugeben. „Wir haben zwar so gut wie alle Maschinen neu angeschafft, sind dabei aber handwerkstreu geblieben. Eine Semmelanlage oder eine Kopfmaschine sucht man bei uns vergeblich. Alle Produkte entstehen weiterhin von Hand“, so Leon.

Handwerk in die Wiege gelegt

Dass der 21-Jährige heute an der Spitze des Unternehmens steht, kommt nicht von ungefähr. Das Bäckerhandwerk lernte er von seinem Vater Richard, der über Jahrzehnte die Backstube geprägt hat. Mutter Sonja Traintinger wiederum hat als Bäckermeisterin früh den Schwerpunkt auf Verkauf und Kundenbetreuung gelegt und führt heute den alten Standort an der Mattseer Bundesstraße in Elixhausen weiter. Dort gibt es im Verkaufslokal einige Sitzplätze sowie ein „Kaffee und Kuchen“-Angebot.
Innerhalb der neuen Unternehmensstruktur sind die Aufgaben klar verteilt. Leon verantwortet vor allem Produktion und Büroorganisation, während seine Schwester Anna den Verkauf und den Cafébetrieb führt. Diese Arbeitsteilung ergibt sich fast automatisch aus den jeweiligen Stärken. Anna schlug ursprünglich einen ganz anderen Weg ein. Nach ihrer Ausbildung an der HTL im Kunstzweig fand sie schließlich zurück in den Familienbetrieb.

Konzept trifft Nerv der Gäste

Mit dem neuen Standort betrat die Bäckerei zugleich Neuland. Zwar gab es bereits zuvor Sitzplätze für Gäste, ein vollwertiges Frühstücks- und Brunchangebot existierte jedoch nicht. Die Speisekarte entwickelten die Geschwister vollständig selbst, und auch für das neue gastronomische Konzept wurden keine externen Berater hinzugezogen. Das Angebot umfasst verschiedene Frühstücksvariationen, hausgemachte Limonaden sowie mehrere Brunch-Toast-Varianten. Besonders gefragt ist jene mit hausgemachtem Wurzelbrot, Frischkäse, Avocado und Spiegelei.
„Wir sind extrem happy, denn es läuft alles unglaublich gut“, berichtet Anna. Das Café verfügt jetzt über rund 20 Sitzplätze im Innenbereich sowie weitere Plätze auf der Terrasse. Große Fensterflächen geben den Blick auf die umliegenden Berge frei und schaffen eine Atmosphäre, die bei den Gästen richtig gut ankommt. Dass das neue Konzept funktionieren würde, hatten die Geschwister zwar gehofft, das tatsächliche Ausmaß überraschte sie jedoch dann selbst. Laut Anna hat sich der Umsatz im Vergleich zur früheren Situation ungefähr verdoppelt. Einen Grund dafür sieht sie darin, dass es in Elixhausen bislang nur wenige Möglichkeiten gab, gemütlich zu frühstücken oder einen längeren Cafébesuch zu genießen. „Hinzu kommt natürlich auch die Bekanntheit unserer Bäckerei, die über viele Jahre eine treue Stammkundschaft aufgebaut hat“, erklärt die Geschäftsführerin.

Mit den Jahreszeiten wechseln auch die gebotenen Spezialitäten in der Vitrine – ein Konzept, das die ganze Region zu schätzen weiß. © beigestellt
Mit den Jahreszeiten wechseln auch die gebotenen Spezialitäten in der Vitrine – ein Konzept, das die ganze Region zu schätzen weiß. © beigestellt

Mehr Personalbedarf als erwartet

Mit dem gastronomischen Angebot kamen allerdings auch neue Herausforderungen. „Learning by doing“, beschreibt das Geschwisterpaar die ersten Monate. Besonders der Personalbedarf habe sich als deutlich höher erwiesen als ursprünglich kalkuliert. „Wenn man Kaffee, Kuchen, Frühstück und Brunch anbietet, braucht man mehr Mitarbeiter, als man anfangs denkt“, gesteht Traintinger. Insgesamt beschäftigt die Bäckerei heute rund 30 Personen. Neben einer Köchin wurden zusätzliche Kräfte für Service und Verkauf eingestellt. Während sich für den Verkaufsbereich vergleichsweise viele Bewerber finden, bleibt die Situation in der Backstube schwieriger. „Einen Bäckerlehrling würden wir sofort nehmen. Die sind allerdings sehr rar“, seufzt Leon. Dennoch sieht sich das Unternehmen personell gut aufgestellt. Durch die hohe Sichtbarkeit des neuen Standorts und die positive Mundpropaganda habe sich die Bewerberlage sogar verbessert.

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Einige Signature-Produkte

Im Sortiment setzt die Bäckerei weiterhin auf jene Stärken, die den Betrieb seit Jahren auszeichnen. Ein Schwerpunkt liegt auf Sauerteigbroten. Praktisch alle Brote – mit Ausnahme der glutenfreien Produkte – werden mit Sauerteig hergestellt. Zu den Klassikern zählt das Steinofenbrot, ein fein gewürztes Roggensauerteigbrot mit Kümmel- und Koriandernoten. Dank seiner weichen Teigführung bleibt es rund fünf Tage frisch. Ebenfalls fest im Sortiment verankert ist das Almkrustenbrot, das als großer Dreikilolaib gebacken wird und durch seine lange Frischhaltung und seinen charaktervollen Geschmack überzeugt. Weit über Elixhausen hinaus bekannt sind außerdem die Traintinger-Buchteln. „Die sind sogar berühmt“, grinst Leon. Bei den Rohstoffen setzt seine Familie konsequent auf Regionalität. Das Mehl stammt etwa von der Hochmühle Frauenlob, zu der familiäre Verbindungen bestehen. Verarbeitet wird ausschließlich Butter, Margarine kommt nicht zum Einsatz. Die Eier sind Freilandeier von Mösl. „Wir verwenden nur Rohstoffe, hinter denen wir auch wirklich stehen“, so Anna.

Qualität vor Wachstum

Trotz der erfolgreichen Entwicklung soll die Expansion nicht unbegrenzt weitergehen. Ganz ohne zusätzliche Aufgabe bleibt das Jahr trotzdem nicht: Die Familie hat doch tatsächlich noch eine Bäckerei in Fuschl am See, deren bisheriger Betreiber seine Tätigkeit beendet hatte, übernommen und wird diese bald als weitere Traintinger-Filiale eröffnen. Die Location mit ein paar Sitzplätzen ist bei Wanderern und Badegästen beliebt und wird künftig als Verkaufsstandort geführt. „Eigentlich wollten wir nur Platz in Elixhausen schaffen. Dann hat sich noch eine Filiale im etwas entfernten Fuschl dazugemogelt“, so Anna und Leon. Weitere Expansionsschritte sind aber „dann wirklich nicht mehr geplant“, der Grund scheint einfach: „Mit jeder zusätzlichen Filiale steigt die organisatorische Komplexität und damit auch das Risiko, dass die Produktqualität leidet“, konstatiert Leon.
Für ihn und Schwester Anna steht deshalb ein anderes Ziel im Vordergrund: die neuen Standorte erfolgreich zu etablieren und jene Werte zu bewahren, auf denen die Familienbäckerei seit mehr als drei Jahrzehnten aufbaut. „Qualität war immer das Wichtigste für uns. Und das wird auch in Zukunft so bleiben“, so die jungen Chef-Leut’ abschließend.