Die Café-Konditorei Hagmann in Krems feiert 2026 ihr 190-jähriges Bestehen. Für Konditormeister Thomas Hagmann ist das nicht nur ein Grund zu feiern, sondern auch ein Anlass, darüber nachzudenken, wie sich das Handwerk, ein Familienunternehmen und eine ganze Branche verändert haben und wohin die Reise gehen könnte.
Fast zwei Jahrhunderte Konditorhandwerk, drei Eigentümerfamilien und ein Haus, das bis heute für süße Tradition in Krems steht. Eine Geschichte, die verpflichtet – und zugleich zeigt, wie viel Zukunft in gelebter Tradition stecken kann. Die Geschichte des Hauses reicht bis ins Jahr 1836 zurück. Damals gründete die Familie Engl eine Konditorei unter dem Namen „Erstes Kremser Volkscafé“. Später wurde der Betrieb von der Familie Leonhartsberger weitergeführt, ehe die Familie Hagmann die Konditorei übernahm. Damit ist Hagmann heute die dritte Familie, die die Geschichte dieses traditionsreichen Kremser Hauses fortschreibt.
Thomas Hagmann selbst wuchs unmittelbar mit dem Betrieb auf. Die Familie wohnte über der Konditorei, die Backstube war für ihn als Kind Spielplatz und Arbeitsplatz zugleich. „Wir mussten als Kinder natürlich schon kräftig mitanpacken. Es war einfach eine andere Zeit“, erinnert er sich. Gerade daran werde sichtbar, wie sehr sich Familienbetriebe, Arbeitswelt und Konditorhandwerk innerhalb weniger Jahrzehnte verändert haben.
1992 stieg Thomas Hagmann nach der Matura in die Geschäftsführung ein. 2001, vor genau 25 Jahren, übernahm er das Unternehmen als alleiniger Geschäftsführer. Heute wird die Café-Konditorei Hagmann gemeinsam von Manuela und Thomas Hagmann geführt.

Kreative Werkstatt süßer Träume

Die Café-Konditorei Hagmann und ihre Produkte sind weit über Krems hinaus bekannt. Die fast zwei Jahrhunderte lange Geschichte allein ist jedoch nicht das Verkaufsargument des Unternehmens. „Wir verstehen uns als ,Kreative Werkstatt für süße Träume‘ – als Bewahrer alter Traditionen und Rezepte ebenso wie als moderne Spezialitätenmanufaktur“, erklärt Thomas Hagmann.
Der eigentliche USP liegt in der Verbindung verschiedener Welten: 190 Jahre Konditortradition, ehrliches Handwerk, kreative Produktentwicklung, hohe Qualität und eine starke regionale Verwurzelung. Bewahren, was wertvoll ist, und gleichzeitig offen für Neues bleiben – darin sehen Manuela und Thomas Hagmann einen wesentlichen Grund dafür, dass sich das Unternehmen über Generationen behaupten konnte.
Die Produktpalette der „Kreativen Werkstatt für süße Träume“ reicht von klassischen Konditorspeisen, Schnitten und Torten über Schokoladen, Pralinen und Lebkuchen bis hin zu Kaffee- und Speiseeis-Spezialitäten. Besonders mit Schokoladen, Pralinen und Speiseeis hat sich das Unternehmen auch überregional einen Namen gemacht. Zahlreiche Medaillen, Preise und Auszeichnungen für Produkte und Unternehmen zeugen von der kontinuierlichen Entwicklung des Hauses, darunter der Niederösterreichische Handwerkspreis sowie die Berechtigung zur Führung des österreichischen Staatswappens. Im heurigen Jahr wurde bereits zum dritten Mal eine Eiskreation aus der Café-Konditorei Hagmann mit dem „Goldenen Stanitzel“ – der höchsten Auszeichnung der österreichischen Speiseeis-Branche – prämiert.

Die Café-Konditorei im 19. Jahrhundert. © Beigestellt
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gmann 1930. © Beigestellt
Portal Hagmann 1930. © Beigestelltmehr anzeigen
Konditorei 1975. © Beigestellt
Konditorei 1975. © Beigestelltmehr anzeigen
Portal Konditorei Hagmann 2022. © Beigestellt
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Die Café-Konditorei im 19. Jahrhundert. © Beigestelltgmann 1930. © BeigestelltKonditorei 1975. © BeigestelltPortal Konditorei Hagmann 2022. © Beigestellt

Marillenkonditorei der Wachau

Eine ganz besondere Bedeutung kommt in der Café-Konditorei Hagmann der Wachauer Marille zu. Die süße Frucht ist seit Jahrzehnten Hauptbestandteil vieler Produkte und ein wesentliches Markenzeichen des Unternehmens. Jahr für Jahr werden tausende Marillenknödel hergestellt, dazu Marillenkuchen, Marillenpralinen, Schokoladen und zahlreiche weitere Spezialitäten rund um die Wachauer Marille. Diese konsequente Verbindung von regionaler Identität und Konditorhandwerk macht Hagmann in besonderer Weise zur „Marillenkonditorei der Wachau“.
Auch weitere Köstlichkeiten der Wachau und des Waldviertels finden sich in den Konditorprodukten wieder – etwa feinster Waldviertler Mohn oder fruchtiger Wachauer Riesling in den Wachauer Schokoladen.

Von zwei Tischen zum Marillenfest

Die Café-Konditorei Hagmann ist seit Generationen eng mit dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben der Stadt Krems verbunden. So wurde das Fest „Alles Marille“ vor rund 30 Jahren vom mittlerweile verstorbenen Seniorchef Karlheinz Hagmann gemeinsam mit seinem Sohn Thomas initiiert. Die Anfänge waren denkbar bescheiden: Zwei Tische, Marillenkuchen und Marillenknödel – damit begann eine Veranstaltung, die sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem großen touristischen Ereignis entwickelte.
Heute besuchen innerhalb von nur zweieinhalb Wochen im Juli rund 280.000 Menschen die Kremser Innenstadt im Rahmen dieses Festes. Eine Entwicklung, die damals wohl kaum jemand vorhersehen konnte. Gerade die touristische und überregionale Reichweite von Krems und der Wachau hat wesentlich dazu beigetragen, einen traditionellen Innenstadtbetrieb wie Hagmann erfolgreich weiterzuführen. „Attraktive Innenstädte sind keine Selbstverständlichkeit. Über Jahrzehnte wurde daran gearbeitet, den Standort lebendig und attraktiv zu halten – eine Herausforderung, die heute viele österreichische Städte und ihre Unternehmer kennen“, so Hagmann.

Das Konditorhandwerk im Wandel

Ein Blick zurück zeigt auch, wie grundlegend sich das Berufsbild verändert hat. „Wenn ich daran denke, welche Produkte wir vor 30 oder 40 Jahren hergestellt haben und was wir heute produzieren, erkennt man, dass viel traditionelles Konditorhandwerk gar nicht mehr angeboten wird“, sagt Thomas Hagmann. „Aufwendige Dekortorten, Modellierarbeiten und zahlreiche klassische Mehlspeisen gehören weiterhin zum fachlichen Wissen und werden erfreulicherweise noch gelehrt. Wirtschaftlich verkaufen lassen sich viele dieser arbeitsintensiven Produkte heute jedoch kaum mehr.“
Damit verbunden ist eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre: qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Technik, neue Organisationsformen und veränderte Produktionsabläufe können einen Teil dieser Entwicklung auffangen. Irgendwann werde jedoch ein Punkt erreicht, an dem sich handwerkliche Produktion in der gewünschten Vielfalt und auf entsprechendem Qualitätsniveau mit den vorhandenen Ressourcen nur noch schwer darstellen lasse.
„Ich bin aber grundsätzlich positiv gestimmt und überzeugt, dass es das Konditorhandwerk weiterhin geben wird“, so Hagmann. Ein Blick in große Städte und touristische Hotspots zeige, dass traditionelle Kaffeehäuser und Konditoreien nach wie vor enorme Anziehungskraft besitzen. Schwieriger werde die Situation für Betriebe im ländlichen Raum oder abseits stark frequentierter Zentren. Dort brauche es zunehmend einen klaren USP und ein Geschäftsmodell, das exakt zum jeweiligen Standort passe. „Ich glaube, dass es das Kaffeehaus immer geben wird. Die große Frage ist, ob dazu auch eine eigene Konditorei mit Produktion langfristig kostendeckend betrieben werden kann.“ Eine Trendumkehr hin zu mehr Wertschätzung für Handwerk, Regionalität und traditionelle Produkte hält Hagmann durchaus für möglich. Bis dahin müsse man jedoch mit den tatsächlich vorhandenen personellen und wirtschaftlichen Ressourcen arbeiten.

Manuela und Thomas Hagmann mit ihren Töchtern Franziska und Antonia (vorne) bei „Alles Marille“. © Jürgen Uebl
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© Attila Molnar
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Handwerk zum Zuschauen: Bei „Alles Marille“ wird die süße Spezialität direkt vor dem Publikum vollendet. © Attila Molnar
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Wachauer Marille in vielen Variationen: von feinen Mehlspeisen bis zu süßen Spezialitäten aus der Konditorei Hagmann. © Jürgen Uebl
Wachauer Marille in vielen Variationen: von feinen Mehlspeisen bis zu süßen Spezialitäten aus der Konditorei Hagmann. © Jürgen Ueblmehr anzeigen
Manuela und Thomas Hagmann mit ihren Töchtern Franziska und Antonia (vorne) bei „Alles Marille“. © Jürgen Uebl© Attila MolnarHandwerk zum Zuschauen: Bei „Alles Marille“ wird die süße Spezialität direkt vor dem Publikum vollendet. © Attila MolnarWachauer Marille in vielen Variationen: von feinen Mehlspeisen bis zu süßen Spezialitäten aus der Konditorei Hagmann. © Jürgen Uebl

Viele Wege führen zum Handwerk

Das Engagement für das eigene Gewerbe endet bei Hagmann nicht an der Betriebstür. Die Familie engagierte sich über Generationen in der Interessenvertretung und für die Weiterentwicklung des Berufsstandes.
Thomas Hagmann war mehrere Perioden Innungsmeister der niederösterreichischen Konditoren und ist heute Landesinnungsmeister des Lebensmittelgewerbes Niederösterreich sowie Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer in Krems. Seit Jahrzehnten engagiert er sich außerdem im Bereich der Meisterausbildung und Meisterprüfung in verschiedenen Bundesländern und damit für die Weiterentwicklung einer qualitativ hochwertigen Berufsausbildung.
Gerade beim Thema Ausbildung plädiert Hagmann für Offenheit. Der klassische Weg Lehrling – Geselle – Meister bleibt wichtig, ist heute aber längst nicht mehr die einzige Möglichkeit, berufliche Kompetenz aufzubauen. Berufsbildende Schulen, Colleges, internationale Ausbildungen, Weiterbildungen oder ein Studium können das klassische Handwerk sinnvoll ergänzen. Bestenfalls sollte die Meisterprüfung ein wichtiger Teil davon sein. „Entscheidend sollte nicht sein, auf welchem Weg jemand seinen Beruf erlernt hat, sondern was er kann, was er daraus macht und welche Fähigkeiten und Ideen er in unseren Beruf einbringt.“
„Was mich persönlich früher immer gestört hat, war ein gewisser Standesdünkel innerhalb des Handwerks. Alternative Ausbildungswege oder gar ein Studium wurden teilweise kritisch betrachtet. Diese Haltung konnte ich nie nachvollziehen.“ Umso mehr ist Thomas Hagmann dankbar, dass er seine Ausbildung frei gestalten und dabei immer auf die Unterstützung der Familie zählen konnte.
Nach der Matura und der Konditormeisterprüfung absolvierte er ein Betriebswirtschaftsstudium, ein technisches Studium im Bereich Qualitätsmanagement sowie eine Werkmeisterausbildung in Bio- und Lebensmitteltechnologie.
Heute sei die Branche glücklicherweise wesentlich offener geworden. Unterschiedliche Bildungswege, berufliche Erfahrungen und Qualifikationen seien keine Konkurrenz zum traditionellen Handwerk, sondern könnten gerade angesichts der Herausforderungen der kommenden Jahre eine große Bereicherung sein.

Tradition muss auch wirtschaftlich funktionieren

Das 190-Jahr-Jubiläum ist für Manuela und Thomas Hagmann ein freudiger Anlass – aber auch Verpflichtung. An erster Stelle steht dabei ein sehr persönlicher Wunsch: gesund zu bleiben und noch viele Jahre gemeinsam arbeiten und gestalten zu können.
Die Frage einer familieninternen Nachfolge wird derzeit bewusst noch nicht diskutiert. „Damit werden wir uns nach dem 200-Jahr-Jubiläum eingehender beschäftigen“, meint Thomas Hagmann mit einem Augenzwinkern.
Eines steht für ihn jedoch fest: Die eigenen Kinder sollen weder aufgrund der Familientradition in einen Beruf gedrängt werden noch finanzielle Bürden übernehmen müssen, nur damit eine Nachfolge innerhalb der Familie gewährleistet ist.
Dabei begleitet ihn auch eine Haltung seines Vaters: Ein Unternehmen müsse letztlich wirtschaftlich funktionieren. Nur um der Schönheit oder Tradition willen zu arbeiten, könne nicht das oberste Ziel eines Unternehmens sein.
Wenn sich Ästhetik, Handwerk, Tradition, Geschichte und wirtschaftliche Zukunft miteinander verbinden lassen, dann hat Tradition auch eine Zukunft.
Dass die Café-Konditorei Hagmann weiterbestehen wird, davon ist Thomas Hagmann überzeugt. Die Familie Hagmann ist die dritte Eigentümerfamilie in der 190-jährigen Geschichte. Grundstück und Immobilien befinden sich im Eigentum und bilden damit eine solide Basis für die kommenden Jahrzehnte. Ob ein zukünftiger Nachfolger schließlich aus der eigenen Familie oder von außerhalb kommen wird, ist dabei zweitrangig. Entscheidend sei, dass das Unternehmen verantwortungsvoll und wirtschaftlich weitergeführt werden könne.

Stolz auf das österreichische Konditorhandwerk

Bei allen Herausforderungen überwiegt nach 190 Jahren deshalb nicht die Sorge, sondern der Stolz. „Ich bin stolz auf das österreichische Konditorhandwerk und darauf, was wir in den vergangenen Jahrzehnten erreicht und an Herausforderungen bewältigt haben. Natürlich hatten auch wir immer wieder schwierige Zeiten – wie wohl jedes Unternehmen, das eine derart lange Geschichte vorweisen kann.“
Vielleicht ist gerade die Fähigkeit zur Veränderung eine der Konstanten dieser langen Unternehmensgeschichte. Produkte ändern sich, Kundenbedürfnisse ändern sich, Mitarbeiter und Ausbildung verändern sich – und trotzdem bleibt der Kern bestehen: Menschen mit handwerklich hergestellten süßen Produkten Freude zu bereiten. Für Thomas Hagmann ist dabei auch der Standort ein wesentlicher Teil dieser Geschichte. Krems und die Wachau sind nicht bloß die Adresse des Unternehmens, sondern Teil seiner Identität.
So verbindet sich der Blick zurück mit einem optimistischen Blick nach vorne. Die Café-Konditorei Hagmann möchte auch nach 190 Jahren das bleiben, was sie heute als ihren Anspruch formuliert: eine „Kreative Werkstatt für süße Träume“, die alte Traditionen bewahrt und gleichzeitig den Mut hat, Neues zu schaffen.
Thomas Hagmann hofft vor allem auf Gesundheit und darauf, noch viele Jahre gemeinsam mit seiner Familie sowie seinen Mitarbeitern gestalten zu dürfen – mitten in der geliebten Wachau, einem der schönsten Tourismusziele Österreichs.
Am 25. November 2026 wird zunächst einmal gefeiert: 190 Jahre Café-Konditorei Hagmann – 190 Jahre Geschichte, Handwerk, Veränderung und Zukunft.

Café-Konditorei Hagmann

Untere Landstraße 8

3500 Krems/Donau

+43 (0) 2732 / 831 67

www.hagmann.co.at