17. qualityaustria Lebensmittelforum: Lebensmittelsicherheit braucht Haltung
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Lebensmittelsicherheit wird für Österreichs Lebensmittelwirtschaft zunehmend zu einer Frage der Krisenfestigkeit. Beim 17. qualityaustria Lebensmittelforum im Wiener Ares Tower diskutierten Experten am 14. Oktober über klimatische, geopolitische und regulatorische Veränderungen und darüber, wie Betriebe auch unter schwierigen Bedingungen verlässlich und sicher produzieren können.
Trockenperioden und Ernteausfälle belasten die Versorgung, internationale Konflikte erhöhen die Unsicherheit in Lieferketten und zugleich wachsen die regulatorischen Anforderungen. Wolfgang Leger-Hillebrand, Leitung Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit bei Quality Austria Certification, stellte deshalb klar, dass Lebensmittelsicherheit heute über die reine Einhaltung von Vorschriften hinausgeht. Wo Kontrolle an Grenzen stößt, werden Verantwortungsbewusstsein und fachliche Haltung entscheidend.
Neue Standards, höhere Verantwortung
Auch Normen und Standards entwickeln sich weiter. Beim Forum wurden unter anderem Version 7 des FSSC 22000, der neue IFS Local Check sowie die überarbeiteten Standards ISO 9001 für Qualität und ISO 14001 für Umwelt thematisiert. Sie geben Unternehmen einen wichtigen Rahmen, können nach Einschätzung der Experten jedoch nicht jede Situation vollständig regeln.
Für Betriebe der Lebensmittelwirtschaft bedeutet das, Risiken nicht nur formal zu dokumentieren, sondern Prozesse, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege so aufzustellen, dass auch bei unerwarteten Störungen rasch reagiert werden kann. Gerade in Produktion und Verarbeitung wird damit die betriebliche Sicherheitskultur zu einem wesentlichen Faktor.

Krisenfähigkeit statt maximaler Autarkie
Rainer Haas von der Universität für Bodenkultur Wien rückte die Widerstandsfähigkeit des gesamten Lebensmittelsektors in den Mittelpunkt. Entscheidend sei nicht maximale Selbstversorgung, sondern die Fähigkeit, Lebensmittel auch unter erheblichen Störungen zuverlässig, leistbar und nachhaltig bereitzustellen.
Dafür brauche es laut Haas eine produktive und klimafitte heimische Landwirtschaft, robuste regionale Wertschöpfungsketten, diversifizierte internationale Partnerschaften, strategische Reserven und intelligentes Krisenmanagement. Resilienz werde damit selbst zu einem Wettbewerbsfaktor. Auch Stress Tests und Szenarien könnten helfen, Schwachstellen in Versorgungssystemen frühzeitig zu erkennen.
Mikroplastik bleibt Forschungsfeld
Ein weiterer Schwerpunkt war Mikroplastik in der Nahrungskette. Ulrike Mayerhofer von der AGES verwies darauf, dass heute deutlich mehr über Mikroplastik bekannt ist als noch vor zehn Jahren, gleichzeitig aber wesentliche Wissenslücken bestehen.
Mikroplastik wurde bereits in Böden, Luft, Meer sowie in Fischen und Meeresfrüchten nachgewiesen. Welche gesundheitlichen Auswirkungen die Aufnahme über Lebensmittel auf den Menschen hat, lässt sich derzeit jedoch noch nicht ausreichend beurteilen. Für eine belastbare Risikobewertung brauche es bessere Nachweismethoden und verlässlichere Daten. Mayerhofer plädierte deshalb für eine faktenbasierte Diskussion und zugleich für vorsorgliche Maßnahmen zur Reduktion von Mikroplastik.
Sicherheit entsteht im Handeln
Die zentrale Botschaft des 17. qualityaustria Lebensmittelforums war damit klar: Lebensmittelsicherheit lässt sich nicht allein über Checklisten absichern. Gefragt sind belastbare Prozesse, fachliche Kompetenz und Menschen, die Risiken offen ansprechen und auch unter Druck verantwortungsvoll entscheiden.
Für Österreichs Lebensmittelbetriebe gewinnt diese Verbindung aus Standards, Resilienz und gelebter Verantwortung weiter an Bedeutung. Denn je komplexer Lieferketten, Regulierung und klimatische Risiken werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, Sicherheit nicht nur zu kontrollieren, sondern im täglichen Betrieb konsequent umzusetzen.



