3,5 Meter hoch: Hochzeitstorte als Bauwerk
Eine Hochzeitstorte mit den Dimensionen eines kleinen Bauwerks hat im Pariser Palais Garnier für Aufsehen gesorgt. Rund 500 Kilogramm schwer, 3,5 Meter hoch und 1,8 Meter breit war die Konstruktion, die der spanische Pâtissier und Cake Designer Marc Suárez für die Hochzeit eines saudischen Paares entwickelte. Für Planung und Umsetzung sollen insgesamt rund 1.800 Arbeitsstunden notwendig gewesen sein.
33.000 Blütenblätter von Hand gefertigt
Allein die Dekoration vermittelt eine Vorstellung vom Aufwand: Mehr als 33.000 einzelne Blütenblätter aus Zuckermasse wurden laut den vorliegenden Angaben von Hand hergestellt. Suárez arbeitete zunächst rund eineinhalb Monate am Entwurf und anschließend etwa vier Monate an der Umsetzung. Obwohl er üblicherweise weitgehend allein arbeitet, benötigte er für dieses Projekt Unterstützung von Kollegen sowie weiteren Helfern.
Die Dimension war dabei nicht Selbstzweck. Das Brautpaar wünschte sich ausdrücklich keine klassische Hochzeitstorte, sondern eine architektonisch wirkende Komposition, die sich auf die Hochzeitsfeier und den außergewöhnlichen Veranstaltungsort beziehen sollte. Das Palais Garnier selbst wurde damit zum gestalterischen Bezugspunkt.
Nur ein kleiner Teil war tatsächlich Torte
Konditorisch interessant ist auch der Aufbau. Nur rund 0,1 Prozent der rund 500 Kilogramm schweren Konstruktion sollen aus eigentlicher Torte bestanden haben. Der weitaus größere Teil wurde aus Zuckermasse und weißer Schokolade gefertigt.
Damit bewegte sich das Projekt bewusst an der Grenze zwischen Konditorei, Skulptur und Bühnenbild. Die handgefertigten Dekorelemente und der konstruktive Aufbau hatten bei dieser Arbeit mindestens ebenso viel Gewicht wie das klassische Backen.
Marc Suárez verbindet Pâtisserie und Design
Marc Suárez ist kein Unbekannter in der internationalen Cake-Design-Szene. Der spanische Pâtissier arbeitet nach eigenen Angaben zwischen Paris und Barcelona und ist seit mehr als zehn Jahren auf exklusive Torten und aufwendige Zuckerarbeiten spezialisiert. Zu seinen bisherigen Einsatzorten zählen unter anderem das Four Seasons Hotel George V in Paris, das Château de Vaux-le-Vicomte, das Musée Rodin und die Villa Ephrussi de Rothschild.
Neben seiner Arbeit für Kunden unterrichtet Suárez Creative Pastry und Sugarcraft. Auf seiner Website nennt er mehr als 5.000 Teilnehmer seiner Kurse in Europa, Amerika, Asien und Australien. Er beschreibt insbesondere die Entwurfsphase als zentralen Bestandteil seiner Arbeit: Skizzen, Farbwelten, Texturen und der Bezug zum jeweiligen Veranstaltungsort werden bereits vor der eigentlichen Herstellung festgelegt.
Wenn Zuckerhandwerk zur Architektur wird
Für Konditoren ist das Pariser Projekt vor allem wegen seiner Dimension bemerkenswert. Die Zahl von 33.000 handgefertigten Blütenblättern und rund 1.800 Arbeitsstunden macht deutlich, wie weit sich modernes Cake Design vom klassischen Tortenaufbau entfernen kann.
Am Ende stand im Palais Garnier deshalb weniger eine Hochzeitstorte im herkömmlichen Sinn als eine temporäre Skulptur aus Zucker, Schokolade und konditorischem Handwerk – mit 3,5 Metern Höhe und einem Aufwand, der selbst für die internationale Luxus-Pâtisserie außergewöhnlich ist.

