Was einst mit einem Eiswagen begann, ist heute eine Institution der Wiener Eiskultur. Der Eissalon am Schwedenplatz blickt auf 140 Jahre Familiengeschichte, handwerkliche Tradition und unternehmerischen Pioniergeist zurück – geführt bereits in fünfter Generation.
Familie Molin Pradel lud am 16. April 2026 zum 140-Jahr-Jubiläum des traditionsreichen Eissalons. Gemeinsam mit prominenten Gästen aus Wirtschaft und Politik sowie vielen Freunden und treuen Kunden wurde ein großes Fest gefeiert. Bürgermeister Michael Ludwig, Dompfarrer Toni Faber sowie der italienische Botschafter Giovanni Pugliese waren ebenso unter den Gratulanten zu finden wie Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Lucia Grabetz und Fachgruppenobmann-Stv. Barbara Prilisauer.
Für die treuen Stammkunden gab es ein besonderes Zuckerl: Die ersten 100 Besucher erhielten ihr Eis gratis – gereicht aus einem historischen Eisfahrrad direkt vor dem Lokal, so wie anno dazumal. Von 14 bis 18 Uhr stand der Nachmittag ganz im Zeichen der traditionellen Eiserzeugung. Die Zoldani-Eismacher aus den Dolomiten präsentierten ihre originalen, historischen Maschinen und zeigten eindrucksvoll, wie bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Eis und Eiswaffeln hergestellt wurden – ein lebendiger Einblick in die Geschichte des Handwerks und seiner traditionellen Herstellungsmethoden. Für viele Gäste war es das erste Mal, dass sie hautnah erleben konnten, mit welcher Sorgfalt und welchem Können die Grundlagen der Wiener Eiskultur gelegt wurden.

Bella famiglia: Der Eissalon am Schwedenplatz zählt zu den traditionsreichsten Familienbetrieben der österreichischen Gastronomie. © John G. Morris
Unfreiwillig in Wien gelandet
Warum gerade Wien die Heimatstadt der Familie Molin Pradel wurde, ist einem Zufall zu verdanken. Arcangelo Molin Pradel aus dem Zoldo-Tal in den Dolomiten wanderte 1885 als Holzfäller nach Transsilvanien aus. Die Vertragsfirma ging in Konkurs, und er konnte sich nur die Rückreise bis Wien leisten. Hier traf Arcangelo Molin Pradel friulanische Freunde, die ihm Arbeit als Marmorschleifer und Salamiverkäufer im Prater verschaffen konnten. Er verdiente damit so viel, um die Rückreise nach Italien anzutreten – allerdings mit der fixen Idee, in Wien bald eine Speiseeis-Erzeugung zu gründen. Wien war für ihn keine Notlösung, sondern eine Erkenntnis: In der Kaiserstadt mit ihrer lebhaften Kaffeehauskultur und dem Hunger nach süßen Genüssen sah er eine Chance, die er nicht loslassen wollte. Bereits 1886 kehrte Arcangelo Molin Pradel mit einigen Italienern aus dem Zoldo-Tal nach Wien zurück und gründete die erste Eiserzeugung der Familie Molin Pradel.
Verkauft wurde von einem Eiswagerl aus, was den Kaffeesiedern und Konditoren der damaligen Zeit ein Dorn im Auge war. Der Eiswagen-Verkauf wurde stark eingeschränkt und die italienischen Eisverkäufer mussten ihr Eisgeschäft von einem fixen Standort aus betreiben. Seit 1932 befindet sich dieser am Wiener Schwedenplatz – und ist seither nicht mehr wegzudenken.
Wiener Institution
Der Eissalon am Schwedenplatz zählt zu den traditionsreichsten Familienbetrieben der österreichischen Gastronomie und ist eine feste und beliebte Größe in der Wiener Eiskultur – und als ältester Eissalon der Stadt trägt er diesen Titel mit Berechtigung. Heute wird das Unternehmen in fünfter Generation von Silvio Molin Pradel und seiner Frau Deborah geführt. Auch die nächste Generation mit den Söhnen Leonardo und Francesco ist bereits im Betrieb tätig – womit die Familiengeschichte, die einst mit einem gescheiterten Holzfäller und einer leeren Kasse begann, nahtlos weitergeschrieben wird.
Charakteristisch für Wiens ältesten Eissalon ist die Eisherstellung nach venezianischer Tradition sowie die konsequente Verwendung hochwertiger Rohstoffe. Mehr als 100 Sorten sind im Programm, mehrere tausend Gäste – Einheimische wie Touristen – zählt man täglich. Dass der Betrieb am Schwedenplatz, direkt am Donaukanal, zu den meistbesuchten Adressen der Stadt zählt, ist kein Zufall: Es ist das Ergebnis von 140 Jahren Handwerk, Kontinuität und dem unbedingten Willen, Qualität nicht dem Wachstum zu opfern.
Neben dem klassischen Verkauf engagiert sich das Unternehmen seit rund drei Jahrzehnten auch im Großhandel. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war die Eröffnung einer Produktionsstätte in der Seestadt Aspern im Jahr 2019 – eine Investition in die Zukunft, die zeigt, dass die Familie Molin Pradel auch nach 140 Jahren nicht stillsteht.

