Der Führungswechsel bei Lindt & Sprüngli reicht von der Konzernspitze bis nach Österreich: Adalbert Lechner verlässt den Schweizer Schokoladenhersteller, sein Vorgänger Dieter Weisskopf übernimmt mit sofortiger Wirkung interimistisch die operative Leitung. Gleichzeitig soll Österreichchef Ali Kulein nach Deutschland wechseln. Seine bisherige Position übernimmt Fabian Reinhardt, bislang Leiter Global Sales. Die Neuaufstellung erfolgt in einer Phase, in der kräftige Preiserhöhungen und eine schwächere europäische Nachfrage das Wachstum bremsen.

Österreich bekommt am 26. Oktober einen neuen Chef

Wie Lindt & Sprüngli in seiner Mitteilung vom 19. Oktober 2026 bekannt gibt, verlässt auch Deutschlandchef Michal Spiller das Unternehmen. Kulein soll ihm vorbehaltlich der formellen Genehmigung des lokalen Aufsichtsrats nachfolgen. Die Wechsel in Deutschland und Österreich sind für den 26. Oktober angekündigt.

Die angekündigten Führungswechsel
Bereich Neue Führung
Konzern Dieter Weisskopf übernimmt sofort interimistisch von Adalbert Lechner.
Deutschland Ali Kulein soll Michal Spiller am 26. Oktober nachfolgen. Zustimmung des Aufsichtsrats vorbehalten.
Österreich Fabian Reinhardt folgt am 26. Oktober auf Ali Kulein.
Konzernnachfolge Eine dauerhafte Besetzung ist im zweiten Quartal 2027 vorgesehen.

Weisskopf bleibt zugleich Vizepräsident des Verwaltungsrats. Er soll vor allem das europäische Geschäft wieder auf Wachstumskurs bringen. Die Suche nach einer dauerhaften Nachfolge für Lechner hat begonnen.

Der scheidende Konzernchef ist eng mit dem österreichischen Geschäft verbunden: Laut Unternehmensbiografie trat Lechner 1993 als Geschäftsführer der österreichischen Tochtergesellschaft in die Gruppe ein und übernahm 1997 die Leitung in Aachen. An der Konzernspitze stand er seit Oktober 2022.

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Höhere Preise tragen den Umsatz, Volumen bleiben unter Druck

Die wirtschaftliche Herausforderung lässt sich an den Zahlen des ersten Halbjahres 2026 ablesen. Lindt meldete ein organisches Umsatzwachstum von 4,3 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Preise gruppenweit um 11,8 Prozent, während die Kennzahl Volumen/Mix um 7,5 Prozent zurückging. Diese umfasst neben der Mengenentwicklung auch Veränderungen im verkauften Sortiment und ist daher nicht mit einem reinen Mengenrückgang gleichzusetzen.

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Lindt & Sprüngli: erstes Halbjahr 2026
Kennzahl Wert
Konzernumsatz 2,33 Mrd. CHF
Umsatz in CHF gegenüber Vorjahr −0,9 %
Organisches Umsatzwachstum +4,3 %
Gruppenweite Preiserhöhungen +11,8 %
Volumen/Mix −7,5 %
Operatives Ergebnis, EBIT 260,2 Mio. CHF
EBIT-Marge 11,2 %

Quelle: Lindt-Halbjahresergebnisse 2026. Veränderungen beziehen sich auf das erste Halbjahr 2025.

Dass der ausgewiesene Umsatz in Schweizer Franken sank, während das organische Geschäft wuchs, erklärt Lindt wesentlich mit negativen Währungseffekten. Regional verlief die Entwicklung unterschiedlich: Europa verzeichnete einen organischen Umsatzrückgang von 2,1 Prozent, Nordamerika dagegen ein Plus von 12,7 Prozent. Das operative Konzernergebnis lag leicht über dem Vorjahreswert. Die Absatzschwäche trifft somit einen weiterhin profitablen Hersteller.

Österreich zählt zu den Märkten mit schwächeren Bestellungen

Am 29. September hatte Lindt den Ausblick für das organische Umsatzwachstum 2026 von 4 bis 6 Prozent auf 0 bis 2 Prozent gesenkt. In der Prognoseanpassung nennt die Gruppe Deutschland, die Schweiz und Österreich ausdrücklich als Märkte, in denen die Auftragsvolumen unter den Erwartungen blieben, besonders im Saisongeschäft.

Als Gründe führt das Unternehmen die verhaltene Konsumentenstimmung und eine höhere Preissensibilität an. Zusätzlich habe die Sommerhitze die europäischen Umsätze belastet. Separate Zahlen zur österreichischen Umsatz- oder Mengenentwicklung veröffentlicht Lindt in dieser Mitteilung nicht.

Am Ziel einer um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte höheren EBIT-Marge für 2026 hielt die Gruppe dennoch fest. Der gesenkte Wachstumsausblick bedeutet somit keine entsprechende Rücknahme des Margenziels.

Preisstrategie und Markeninvestitionen sollen Nachfrage beleben

Schon im Juli hatte Lindt gezielte Preisanpassungen in ausgewählten Märkten und zusätzliche Marketingmaßnahmen angekündigt. Im September stellte die Gruppe für 2027 wieder positives Volumenwachstum in Aussicht. Dazu sollen eine angepasste Preisstrategie, Innovationen, höhere Markeninvestitionen und Kosteneinsparungen beitragen. Auch von niedrigeren Kakaopreisen erwartet sich Lindt schrittweise Entlastung.

Der zeitliche Abstand zwischen Rohstoffmarkt und Verkaufspreis beschäftigt ebenso Konditoreien und schokoladenverarbeitende Bäckereien. Wie langfristige Beschaffung die Kalkulation beeinflussen kann, erläutert der ÖBKZ-Beitrag über sinkende Kakaopreise und weiterhin teure Schokolade. Aus der Preisentwicklung an der Börse lässt sich deshalb keine unmittelbare Entlastung beim Einkauf von Kuvertüre oder Schokolade ableiten.

Der neue Interimschef muss nun Nachfrage und Profitabilität zugleich im Blick behalten. Wie weit die angekündigten Maßnahmen greifen, wird sich mit den nächsten Geschäftszahlen zeigen: Die Veröffentlichung des Jahresumsatzes 2026 ist für den 19. Jänner 2027 vorgesehen.