Kuchenmeister: Familie Trockels überträgt weitere Anteile an ihre Kinder
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Beim deutschen Backwarenhersteller Kuchenmeister verändert sich die Eigentümerstruktur: Mehrere Mitglieder der Familie Trockels haben weitere Geschäftsanteile an ihre Kinder übertragen. Nach dem Bericht der Lebensmittel Zeitung, veröffentlicht bei CASH am 16. Oktober 2026, steigen damit die Beteiligungen der nächsten Generation deutlich. Auf das operative Geschäft hätten die Veränderungen keine Auswirkungen, erklärte das Unternehmen gegenüber der Fachzeitung.
Die Anteilsübertragungen erfolgen während einer umfassenderen Neuordnung des Unternehmens aus Soest. Seit November 2025 führt mit Markus Biermann ein familienfremder Geschäftsführer den Hersteller. Zugleich beschäftigt die deutsche Debatte über die steuerliche Behandlung von Unternehmensübertragungen die Eigentümerfamilie.
Stefan, Karolin und Justin Trockels bauen ihre Beteiligungen aus
Laut dem auf Handelsregisterunterlagen gestützten LZ-Bericht hat Hans-Günter Trockels seinen Sohn Stefan neu in den Gesellschafterkreis aufgenommen. Seine Tochter Karolin hält nun ebenfalls einen deutlich größeren Anteil. Thomas Trockels hat seine bisherige Beteiligung vollständig an seinen Sohn Justin übertragen.
| Gesellschafter | Anteil laut LZ-Bericht |
|---|---|
| Stefan Trockels | Knapp 9,7 %; neu im Gesellschafterkreis |
| Karolin Trockels | Gut 9,9 %; bisher 1,5 % |
| Justin Trockels | Knapp 7,7 %; übernimmt den bisherigen Anteil seines Vaters Thomas |
| Hans-Günter Trockels | Weiterhin gut 16 % |
Quelle: Lebensmittel Zeitung/CASH, 16. Oktober 2026. Die Tabelle zeigt ausgewählte Beteiligungen und bildet den Gesellschafterkreis nicht vollständig ab. Als größten einzelnen Anteilseigner nennt der Bericht den dänischen Investor Givesco.
Eigentumsnachfolge und Geschäftsführung laufen getrennt
Mit dem größeren Anteil der jüngeren Familienmitglieder ist kein neuer Wechsel an der operativen Spitze verbunden. Kuchenmeister bestätigt in seiner Unternehmenschronik, dass Markus Biermann am 4. November 2025 die Nachfolge von Hans-Günter Trockels als Geschäftsführer antrat. Auch das aktuelle Impressum des Herstellers nennt Biermann als vertretungsberechtigten Geschäftsführer.
Der Manager bringt langjährige Erfahrung aus der Brot- und Backwarenindustrie mit. Vor Kuchenmeister leitete er Jaus Bakery in Weißenhorn. Thomas und Justin Trockels sind weiterhin im Unternehmen tätig; laut LZ verantworten sie die Bereiche Finanzen beziehungsweise Personal.
Der vorausgegangene Führungswechsel war dem Fachmedienbericht zufolge von unterschiedlichen strategischen Vorstellungen im bisherigen Gesellschafterkreis begleitet. Ein extern unterstützter Nachfolgeprozess habe keine gemeinsame Lösung gebracht. Die nun erfolgten Anteilsübertragungen regeln somit einen weiteren Teil der Eigentumsnachfolge, während die Geschäftsführung bereits zuvor neu besetzt wurde.
Die deutsche Erbschaftsteuerdebatte beeinflusst den Zeitpunkt
Hans-Günter Trockels begründet die vorgezogene Übertragung gegenüber der Lebensmittel Zeitung ausdrücklich mit steuerpolitischer Unsicherheit: „Mit Blick auf eine mögliche Reform beim Vererben von Firmen habe ich die Anteile vorzeitig übertragen“.
Der rechtliche Hintergrund ist konkret: Das deutsche Bundesverfassungsgericht setzte für den 13. Oktober 2026 eine mündliche Verhandlung zur steuerlichen Begünstigung von Betriebsvermögen an. Im Verfahren 1 BvR 804/22 geht es um die Frage, ob die unterschiedliche Behandlung von betrieblichem und privatem Vermögen mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Aus dem Verfahren allein ergibt sich noch keine bereits beschlossene Steuerreform.
Die wirtschaftspolitischen Positionen liegen auseinander. Trockels sieht in möglichen Änderungen ein Risiko für Familienunternehmen. Der deutsche Sachverständigenrat Wirtschaft empfahl dagegen im Jahresgutachten 2025/26, Begünstigungen für Betriebsvermögen zu verringern, um unterschiedliche Vermögensarten gleichmäßiger zu besteuern. Großzügige Stundungsmöglichkeiten sollen nach diesem Vorschlag eine übermäßige Belastung der betrieblichen Liquidität verhindern.
Knapp 310 Millionen Euro Umsatz in der Muttergesellschaft
Kuchenmeister ist aus einer 1884 gegründeten Bäckerei zu einem international tätigen Hersteller von Kuchen und Feinbackwaren gewachsen. Neben eigenen Produkten ist das Unternehmen im Handelsmarkengeschäft tätig. Seine Größenordnung zeigen die von der LZ aus dem veröffentlichten Jahresabschluss angeführten Zahlen für 2024.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz | Knapp 310 Mio. Euro |
| Jahresüberschuss | 20,9 Mio. Euro |
Quelle: Lebensmittel Zeitung/CASH unter Berufung auf den Jahresabschluss 2024. Die Werte beziehen sich auf die Kuchenmeister GmbH, nicht auf einen damit gleichzusetzenden Konzernabschluss.
Parallel wächst mit Morato ein europäischer Backwarenverbund
Auch Biermanns früherer Arbeitgeber Jaus Bakery hat eine neue Eigentümerstruktur. Die italienische Morato Group gab am 7. Oktober die Aufnahme von Jaus Bakery und CEA Italia in die Gruppe bekannt. Eine Beteiligung von Kuchenmeister an dieser Transaktion wurde nicht angekündigt.
Jaus und CEA Italia bringen nach Angaben von Morato zwei deutsche Produktionsstandorte in Weißenhorn und Dinklage sowie rund 310 Beschäftigte ein. Das erweiterte Unternehmen erreicht laut eigener Mitteilung mehr als 500 Millionen Euro konsolidierten Umsatz und beschäftigt über 1.800 Menschen an 19 Produktionsstandorten. Zum Sortiment gehören unter anderem Baguettes, Buns, Sandwich- und Toastbrote.
Während Morato damit sein internationales Produktionsnetz erweitert, steht bei Kuchenmeister die Verteilung von Eigentum und Verantwortung innerhalb und außerhalb der Familie im Mittelpunkt. Diese unterschiedlichen Wege berühren eine Frage, die auch österreichische Bäckereien und Konditoreien beschäftigt: Wer künftig Anteile hält, wer den Betrieb führt und wie beide Seiten zusammenarbeiten, muss im Übergabeprozess geklärt werden. Die persönlichen und unternehmerischen Ebenen einer solchen Unternehmensnachfolge hat die ÖBKZ im Gespräch mit Nachfolgeberater Hansjörg Marko beleuchtet.


