Die Auswertung der AMA-Mehrfachanträge 2026 dokumentiert doch recht deutliche Verschiebungen auf Österreichs Äckern. Weichweizen und Zuckerrüben markieren historische Tiefststände, Roggen und Sonnenblumen legen allerdings zu – damit verschiebt sich die Rohstoffbasis gleich in mehrere Richtungen gleichzeitig.

Weichweizen: Historischer Tiefststand

236.991 Hektar – so wenig Weichweizen wurde in Österreich noch nie angebaut. Der Rückgang zum Vorjahr beträgt 4.779 ha. Als Hauptursache gilt der Preisverfall, so Experten: Im Oktober 2025 notierte Qualitätsweizen an der Wiener Produktenbörse rund 20 % unter dem Niveau von Oktober 2024 – genau jenem Zeitfenster, in dem Landwirte die Entscheidung für den Winterweichweizenanbau treffen.

Roggen: Bio-Produktion zieht kräftig an

Gegenläufig entwickelt sich zumindest die Roggenfläche: +2.863 ha zum Vorjahr, der Zuwachs fast vollständig aus dem Bio-Bereich (+2.044 ha). Bio-Roggen erzielte im Getreidewirtschaftsjahr 2024/2025 um 20 % höhere Erzeugerpreise als im Vorjahr – und die Lagerbestände lagen per 31. Jänner 2026 laut AMA-Meldewesen um rund ein Viertel unter dem Vorjahresniveau. Knappe Lager, steigende Fläche: Der Bio-Roggenmarkt ist in Bewegung.

Hafer: Bio-Überangebot dämpft Flächenausbau

Die Haferfläche wurde heuer wieder zurückgefahren – wohl verursacht durch weniger Bio-Hafer. Denn die Lagervorräte für Bio-Hafer haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt; der Markt ist überversorgt! Entsprechend gering war der Anreiz, die Fläche auszudehnen.

Zuckerrüben: Neuer historischer Tiefststand

Bereits 2025 lagen Zuckerrüben im Langzeittief – 2026 wird es noch nun enger: Die Anbaufläche sinkt um weitere 2.212 ha auf nur mehr 22.807 ha. Laut EU-Preismonitoring lag der Zuckerpreis im Jänner 2026 bei 516 EUR/t, ein Minus von 43 EUR/t oder 8 % gegenüber dem Vorjahr. Sinkende Preise, sinkende Flächen – die Dynamik verstärkt sich selbst.

Sonnenblumen und Raps: Ölseite gut versorgt

Die Sonnenblumenfläche wurde 2026 nach einem bereits starken Vorjahr nochmals deutlich ausgedehnt – attraktive Erzeugerpreise sind hier der Treiber. Raps legt nach einem langjährigen Abwärtstrend erstmals wieder leicht zu (+1.214 ha), vor allem in Oberösterreich und dem Burgenland. Auf der Ölseite zeigt die Versorgungslage damit keine Engpässe, so die AMA-Experten.

Wintergerste wächst – Sommergerste auf Rekordtief

Wintergerste erreicht mit 101.054 ha das größte Anbauausmaß seit 2020. Sommergerste hingegen fällt auf ihr historisches Minimum von 21.678 ha – ein Rückgang von 58 % in zehn Jahren. Für Betriebe mit Gerstenmehl oder Malzprodukten im Sortiment ist die Entwicklung der Sommergerste die relevantere Zahl.

Ernte 2026 entscheidet

Weniger Weizen, weniger Zucker, mehr Roggen, mehr Sonnenblumen – die Flächendaten 2026 sind ziemlivh eindeutig. Ob sich die Verschiebungen in den Erzeugerpreisen und letztlich in den Einkaufskonditionen der Betriebe niederschlagen, hängt vom Ertragsverlauf der Ernte ab. Es gilt abzuwarten!