Weltgrößter Schokoladenhersteller senkt Jahresziele: Minus 6,9 % Absatz, Aktie –17 %, neuer CEO räumt „erhebliche strukturelle Probleme" ein. Ein Überblick über die Halbjahreszahlen 2025/26 und was der Kurs „Focus for Growth" bringen soll.
28/01/2021 Ashante Bekwai, Ghana:
Barry Callebaut Cocoa Buying Depot
Die Schokoladen- und Kakaobranche steckt seit Längerem in der Klemme: ein extremer Kakaopreisanstieg, klimabedingte Ernteausfälle in den Anbauländern und eine gedämpfte Konsumlaune belasten die gesamte Wertschöpfungskette – von der Bohne bis zur Backzutat. Kleinere Unternehmen trifft das besonders hart. Doch nun zeigt sich: Auch der Größte bleibt nicht verschont.
Barry Callebaut – der Schweizer Konzern, über den laut Eigenangabe jede vierte Kakaobohne der Welt läuft – hat am 16. April 2026 seine Halbjahreszahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 vorgelegt. Das Bild ist ernüchternd.
Absatz bricht um 6,9 Prozent ein
In der ersten Geschäftsjahreshälfte (September 2025 bis Februar 2026) sank das Verkaufsvolumen um 6,9 Prozent auf gut eine Million Tonnen. Als Gründe nannte der Vorstand eine geringere Nachfrage, Lieferunterbrechungen sowie einen von Überkapazitäten geprägten Wettbewerb. Hinzu kommt eine Werkpanne in Kanada, die das Ergebnis zusätzlich schmälert.
Immerhin zeigt die Kurve eine leichte Erholung: Im ersten Quartal hatte der Rückgang noch 9,9 Prozent betragen, im zweiten Quartal waren es noch minus 3,6 Prozent – eine sequenzielle Verbesserung, die der Konzern als Zeichen einer Trendwende wertet.
Umsatz und Gewinn unter Druck
Der Umsatz sank um 7,3 Prozent auf 6,75 Milliarden Schweizer Franken. Dass der Rückgang hier noch etwas stärker ausfällt als beim Volumen, hat einen strukturellen Grund: Barry Callebaut verarbeitet Kakaobohnen nicht nur zu Schokolade, sondern auch zu Kakaopulver, Kakaobutter und Kakaomasse für die Nahrungsmittelindustrie, Bäckereien und Confiserien. Mit dem gesunkenen Kakaopreis schrumpft automatisch auch der durchgeleitete Rohstoffwert – denn das Unternehmen reicht Kakaopreisschwankungen weitgehend an seine Kunden weiter. Die eigentliche Marge verdient Barry Callebaut auf Verarbeitung, Logistik und Know-how, nicht auf dem Rohstoff selbst.
Das bereinigte EBIT ging um 5,7 Prozent auf 310,9 Millionen Franken (rund 337 Mio. Euro) zurück. Anders sieht es beim bereinigten Nettogewinn aus: Dieser stieg dank deutlich niedrigerer Finanzierungs- und Steuerkosten um gut 71 Prozent auf 108,9 Millionen Franken – ein Lichtblick in einer ansonsten trüben Bilanz.
Prognose gesenkt – Aktie im freien Fall
Der Vorstand rechnet für das bis Ende August 2026 laufende Gesamtjahr nun mit einem Absatzminus von ein bis drei Prozent. Zuvor war Stagnation erwartet worden. Auch das bereinigte EBIT dürfte im mittleren zweistelligen Prozentbereich sinken. Die Reaktion der Börse ließ nicht lange auf sich warten: Die Barry-Callebaut-Aktie verlor am Tag der Bekanntgabe fast 17 Prozent an Wert – ein deutliches Signal, dass das Vertrauen der Investoren angekratzt ist.
Peter Vanneste, CFO der Barry Callebaut Group. Der Schweizer Konzern hat nach einem schwachen ersten Halbjahr 2025/26 seine Jahresziele zurückgeschraubt. | Foto: Barry Callebaut
Neuer CEO, neues Programm – und ein kritischer Befund
Im Jänner 2026 hatte Barry Callebaut CEO Peter Feld abgelöst und den ehemaligen Unilever-Chef Hein Schumacher als neuen Vorstandsvorsitzenden berufen. Schumacher hat in seinen ersten Monaten klare Worte gefunden: Er habe „erhebliche strukturelle Probleme“ im Konzern ausgemacht. Barry Callebaut habe sich zu stark verzettelt und gleichzeitig mit einem Transformationsprogramm die Organisation überfordert – die Einsparungen seien mehr als aufgezehrt worden.
Als Antwort hat Schumacher ein neues Restrukturierungsprogramm namens „Focus for Growth“ aufgelegt. Details sollen im Juni 2026 folgen. Das Ziel: Fokus auf weniger Prioritäten, stabilere operative Grundlagen und bessere Serviceleistungen für Kunden.
Ebenfalls neu an Bord ist seit November 2025 Alvaro Alonso als Präsident für Westeuropa. Der Spanier wechselte nach mehr als 14 Jahren bei Beiersdorf – zuletzt als Leiter der Region Mittel- und Osteuropa – zu Barry Callebaut. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Konsumgüterindustrie, unter anderem bei Unilever und Carrefour, soll er das Westeuropageschäft neu ausrichten.
Vorsichtiger Optimismus für die zweite Jahreshälfte
Der seit Sommer 2025 um mehr als die Hälfte gefallene Kakaopreis beginnt laut Konzern nun Wirkung zu zeigen. Barry Callebaut rechnet ab der zweiten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres wieder mit positivem Mengenwachstum – getragen vor allem durch eine Erholung in den Regionen Asien-Pazifik/Naher Osten/Afrika (AMEA) und Lateinamerika. Für Bäckereien und Confiserien, die Barry Callebaut als Zulieferer nutzen, könnte das mittelfristig wieder stabilere Preise und Verfügbarkeiten bedeuten.
Ob der Turnaround gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Herausforderungen – volatile Rohstoffmärkte, schwache Konsumlaune, strukturelle Ineffizienzen – sind jedenfalls nicht über Nacht zu lösen.
Quellen: Barry Callebaut Half-Year Results 2025/26 (16. April 2026)