Das Wiener Food-Tech-Unternehmen Neoh ist vielen in der Branche als Hersteller von Schokoriegeln und Waffeln ohne zugesetzten Zucker bekannt. Doch die strategische Stoßrichtung hat sich längst verschoben: Neoh will nicht mehr nur eigene Produkte verkaufen, sondern seinen intern entwickelten Zuckerersatz Zero+ als Technologieplattform für die gesamte Lebensmittelindustrie etablieren – für Bäckereien, Confiserien, Lebensmittelproduzenten und den Handel.
Um dieses Ziel zu erreichen, etabliert das Scale-up nun einen eigenständigen Geschäftsbereich unter dem Namen Zero+. Die Verantwortung für Aufbau und strategische Weiterentwicklung übernimmt ab sofort Stefan Kotynek als Senior Vice President B2B – eine Funktion, die es in dieser Form bisher nicht gab.
Kotynek: Vom Vertriebsleiter bei STAMAG zum SVP bei Neoh
Stefan Kotynek ist in der österreichischen Backzutatenbranche kein Unbekannter. Zuletzt war er als Vertriebsleiter für Backzutaten bei der STAMAG Stadlauer Malzfabrik GesmbH tätig, einem Unternehmen der renommierten IREKS-Gruppe. Dort baute er in drei Jahren maßgeblich die Vertriebsstrukturen aus, verantwortete zentrale Kundenbeziehungen und erhielt mit Wirkung zum 1. Jänner 2025 die Gesamtprokura – ein deutliches Zeichen des Vertrauens der damaligen Geschäftsführung in seine Leistungen.
Nun zieht es ihn in eine andere Welt: weg vom etablierten Backzutatensegment, hin zu einem der ambitioniertesten Food-Tech-Unternehmen Österreichs. Kotynek bringt laut Neoh mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Lebensmittelindustrie sowie im internationalen Vertrieb mit. Er war in verschiedenen leitenden Funktionen am Aufbau und der Skalierung von Vertriebsstrukturen beteiligt und verantwortete den Ausbau zentraler Kundenbeziehungen. Seine Expertise in der Backzutaten- und Aromenindustrie gilt bei Neoh als strategisch wertvolle Ergänzung – schließlich sind Bäckereien und Confiserien eine der Kernzielgruppen für Zero+.
„Neoh steht für innovative Ansätze in einem dynamischen Marktumfeld. Besonders spannend ist für mich die Möglichkeit, den neu strukturierten Zero+-Bereich aktiv mitzugestalten und die steigende Nachfrage in skalierbare Geschäftsmodelle zu übersetzen. Ich freue mich darauf, meine Erfahrung einzubringen und das Wachstum im B2B-Bereich nachhaltig voranzutreiben“, so Kotynek zu seinem Wechsel.
Was ist Zero+ – und warum ist das für Bäcker relevant?
Zero+ ist die firmeneigene Zuckerersatzformel von Neoh – intern über viele Jahre entwickelt und seit 2022 durch eine klinische Studie der Medizinischen Universität Wien wissenschaftlich validiert. Die Formel besteht zu über 90 Prozent aus pflanzlichen Ballaststoffen, unter anderem aus Agave, Chicorée, Mais und Weizen, hat kaum Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und enthält deutlich weniger Kalorien als herkömmlicher Zucker.
Was Zero+ von anderen Süßungsmitteln unterscheidet: Es verhält sich bei der Verarbeitung technologisch ähnlich wie Zucker – es kann also 1:1 ersetzt werden, ohne dass Textur oder Backverhalten leiden. Genau das macht die Formel für die Backwarenproduktion besonders interessant. Erste Anwendungen gibt es bereits: So setzt etwa Billa Zero+ in ausgewählten Produkten der eigenen Hausmarke ein. Auch andere namhafte Handelsunternehmen und Lebensmittelkonzerne arbeiten bereits mit dem Wirkstoff.
Millioneninvestment – mit Ferrero-Familie im Hintergrund
Der Strategiewechsel hin zur B2B-Technologieplattform ist nicht zuletzt durch frisches Kapital abgesichert: Neoh schloss zuletzt eine laut Eigenangabe mehrfach überzeichnete Finanzierungsrunde ab – Medienberichte sprechen von einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Zu den Investoren zählen der auf Food Tech spezialisierte Fonds Zintinus sowie Teseo Capital, eine Luxemburger Investmentgesellschaft, hinter der die Ferrero-Familie steht. Ein Vertrauensbeweis mit Symbolwert: Wer Nutella macht, weiß, was in der Süßwarenproduktion zählt.
Das erklärte Ziel: Bis 2028 soll die Hälfte des Neoh-Umsatzes aus dem B2B-Geschäft mit Zero+ stammen. Der neu geschaffene Bereich soll als eigenständige Plattform für Wachstum und Kooperationen positioniert werden – mit Stefan Kotynek als zentralem Treiber.

Manuel Zeller, CEO und Gründer von Neoh: Mit Zero+ will das Wiener Scale-up bis 2028 die Hälfte seines Umsatzes im B2B-Segment erzielen. | Foto: Neoh
CEO Zeller: „Den Top-Mann im deutschsprachigen Raum gewonnen“
Neoh-Gründer und CEO Manuel Zeller lässt keinen Zweifel an der strategischen Bedeutung des Neuzugangs: „Wir haben den innovativsten Zuckerersatz – jetzt geht es darum, diesen Vorsprung konsequent in den Markt zu bringen. Die Nachfrage ist da, und wir bauen nun die Strukturen, um sie voll auszuschöpfen. Wir sind mega happy, mit Stefan den Top-Mann im deutschsprachigen Raum dafür gewonnen zu haben.“
Kotynek soll in seiner neuen Rolle insbesondere neue Märkte erschließen, strategische Partnerschaften entwickeln und das B2B-Geschäft skalieren. Ob auch Kooperationen mit Bäckereiketten oder Backzutatenherstellern auf der Agenda stehen, ließ Neoh offen – die Marschrichtung ist jedoch klar.

