Die geplante Abgabe auf nicht recycelbares Plastik sorgt derzeit für intensive Diskussionen in der Wirtschaft. Vor allem Vertreter aus Handel und Interessenvertretungen warnen vor zusätzlichen Belastungen für Betriebe und Konsumentinnen und Konsumenten. Gleichzeitig sehen Umweltorganisationen in der Maßnahme einen notwendigen Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft.
Kostenfaktor in angespanntem Marktumfeld
Aus Sicht des Handels kommt die Diskussion zu einem wirtschaftlich sensiblen Zeitpunkt. Steigende Energiepreise und volatile Rohstoffmärkte wirken sich bereits spürbar auf die Kostenstruktur vieler Betriebe aus, auch im Bäcker und Konditorhandwerk, wo Verpackungen eine zentrale Rolle im täglichen Geschäft spielen.
Der Handelsverband bezeichnet die geplante Abgabe daher als potenziellen Preistreiber. Geschäftsführer Rainer Will spricht davon, dass eine zusätzliche Steuer auf Kunststoffverpackungen „in einen Brand noch Benzin schütten“ würde. Gerade in einer Phase, in der Rohstoffpreise deutlich steigen, könnten weitere Abgaben die Inflation zusätzlich verstärken.
Sorge vor neutralisierten Entlastungen
Ähnliche Töne kommen aus der Wirtschaftskammer Österreich. Generalsekretär Jochen Danninger sieht die Gefahr, dass geplante Entlastungsmaßnahmen für Haushalte durch neue Abgaben konterkariert werden könnten. Hintergrund ist, dass die Plastikabgabe zur teilweisen Gegenfinanzierung einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel herangezogen werden soll. Aus Sicht der Wirtschaft besteht die Befürchtung, dass sich die gewünschte preisdämpfende Wirkung dadurch relativiert oder sogar aufgehoben wird.
Auswirkungen auf das Lebensmittelhandwerk
Für viele Betriebe im Lebensmittelhandwerk stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie entwickeln sich die Verpackungskosten in den kommenden Monaten und welche Auswirkungen ergeben sich für die Preiskalkulation? Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen, die ohnehin unter steigenden Energie und Personalkosten stehen, könnten zusätzliche Belastungen entlang der Wertschöpfungskette unmittelbar spüren.
Unklare Ausgestaltung sorgt für Kritik
Unklar ist derzeit auch die konkrete Ausgestaltung der Abgabe. Diskutiert wird unter anderem, ob auch PET Flaschen, die bereits in bestehende Pfandsysteme eingebunden sind, betroffen sein könnten. Vertreter aus dem Handel kritisieren, dass Verpackungen mit nachweisbarer Recyclingfähigkeit nicht gleichzeitig als nicht recycelbar eingestuft und besteuert werden dürften. Ein finaler Gesetzestext liegt bislang nicht vor, der Entwurf befindet sich noch in Verhandlung.
Umweltseite sieht notwendigen Schritt
Unterstützung erhält die geplante Maßnahme hingegen von Umweltorganisationen wie Greenpeace. Dort wird die Abgabe als Instrument gesehen, um ökologische Folgekosten sichtbarer zu machen und den Einsatz von Einwegplastik langfristig zu reduzieren. Konsumexpertin Madeleine Drescher betont, dass auch gesammelte Kunststoffverpackungen weiterhin Einwegprodukte mit hohem Material und Energieeinsatz bleiben. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft erfordere daher einen stärkeren Fokus auf Mehrwegsysteme.
Weitere Maßnahmen in Planung
Neben der Plastikabgabe ist auch eine zusätzliche Abgabe auf Paketsendungen aus Drittstaaten im Gespräch. Beide Maßnahmen sollen dazu beitragen, die geplante Senkung der Mehrwertsteuer finanziell abzusichern.
Für die Betriebe im Bäcker und Konditorhandwerk bleibt entscheidend, wie die finalen Regelungen ausgestaltet werden und welche konkreten Kostenfolgen sich daraus im betrieblichen Alltag ergeben.


