Die österreichische Lebensmittelindustrie steckt in der Stagnation. Hohe Kosten, bürokratische Hürden und geopolitische Unsicherheiten belasten Betriebe. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, spricht über Herausforderungen, Chancen, Trends und die Erwartungen für 2026.

ÖBKZ: Vorweg: Wie ist es denn derzeit um die Lebensmittelbranche in Österreich bestellt?
Katharina Koßdorff: „Die Branche steckt in einer Stagnation, die nun bereits das dritte Jahr in Folge anhält. Laut Statistik Austria erwirtschaftete die heimische Lebensmittelindustrie in den letzten drei Jahren jeweils rund zwölf Milliarden Euro. Wir verlieren daher sowohl im Inland als auch im Export an Wettbewerbsfähigkeit und können auf dem sehr harten Pflaster des Lebensmittelmarktes nicht mehr so gut mithalten. Die Krisensituationen und Kostensteigerungen der letzten Jahre setzen uns zu, auch der Standort Österreich ist im Vergleich zu anderen Ländern teuer – das betrifft die Energie, das Personal und die Regularien. Wir wünschen uns, dass sich die Produktion von Lebensmitteln im eigenen Land wieder rechnet. Denn sonst drohen weniger Produktion, ein Verlust an Arbeitsplätzen und eine beeinträchtigte Versorgung, und wir würden in Krisenzeiten zu stark vom Ausland abhängig sein.“

ÖBKZ: Wie lässt sich die Exportsituation und Wettbewerbsfähigkeit wieder verbessern?
Katharina Koßdorff: „Das Wesentliche ist, diesen Kostenrucksack, bestehend aus hohen Energiekosten, Personalkosten und jenen Kosten, die durch die vielen Regularien anfallen, loszuwerden. Die Bundesregierung hat schon einiges auf den Weg gebracht – vor allem in Sachen Energie. Leider wird der Lebensmittelsektor in der österreichischen Industriestrategie 2035, welche die Wettbewerbs-, Innovations- und Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts systematisch stärken will, nicht erfasst. Wir setzen daher alles daran, dass auch die Lebensmittelindustrie vom künftigen Industriestrompreismodell und dessen finanziellen und regulatorischen Vorzügen profitieren wird. Auch hat die Bundesregierung bereits erkannt, dass wir überreguliert sind und erste Gegenmaßnahmen ergriffen. Die Lebensmittelunternehmen sind einfach nicht dazu da, sich primär mit Administrativem zu befassen, sondern müssen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Die Maßnahmen der Bundesregierung greifen, aber nicht von heute auf morgen.“

ÖBKZ: Was erwarten Sie sich davon, dass der Industriestrom mit Anfang 2027 billiger wird?
Katharina Koßdorff: „Für die Industrie ist ein vergünstigter Industriestrompreis entscheidend. Daher ist es auch für die gesamte Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft wichtig, in entsprechende Strompreismodelle eingebunden zu werden. Auch vor dem Hintergrund von Nachhaltigkeit, denn viele Unternehmen versuchen ja, von fossilen Energieträgern wegzukommen und stärker zu elektrifizieren – auch in der Produktion. Einfach ist das allerdings nicht, da Maschinen neu entwickelt, angepasst und angeschafft werden müssen. Das betrifft beispielsweise auch Bäcker und Konditoren, da viele Backöfen bislang mit Erdgas betrieben wurden. Mittlerweile gibt es aber Backöfen, die sowohl mit Erdgas als auch mit Strom betrieben werden können. Auch deshalb wird der Strom als Energieträger immer wichtiger werden.“

ÖBKZ: Wie bewerten Sie die Personalsituation zurzeit?
Katharina Koßdorff: „Die Lage hat sich zuletzt etwas entspannt. Die Branche hat in den vergangenen Jahren intensiv nach Fachkräften und Arbeitskräften in allen Bereichen gesucht. Diese Situation hat sich verbessert, was aber vor allem daran liegt, dass es anderen Industriebranchen wirtschaftlich noch schlechter geht. Das ist natürlich keine erfreuliche Gesamtentwicklung, denn viele Unternehmen in anderen Bereichen mussten Personal abbauen. Ein Teil dieses Personals wurde von der Nahrungs- und Genussmittelindustrie aufgenommen. Weiters konnten wir in den letzten Monaten Kollektivvertragsabschlüsse mit Augenmaß erzielen – vielfach unter der aktuellen Inflationsrate. Hier hat uns auch die Gewerkschaft unterstützt, was überaus wichtig war, denn die Lohnabschlüsse haben unsere preisliche Wettbewerbsfähigkeit in den letzten Jahren stark belastet. Die Entlastung bei den Lohnnebenkosten ist für uns aber nach wie vor ein entscheidender Punkt. Eine solche wäre für die österreichische Industrie und die Wirtschaft allgemein von großer Bedeutung.“

ÖBKZ: Welche Rolle spielen die Entwicklungen in den USA für unseren Lebensmittelsektor?
Katharina Koßdorff: „Was die Zölle betrifft, spielt sie für diesen eher eine untergeordnete Rolle. Die Exporte in die USA sind ja über die Jahre extrem zurückgegangen. Problematisch ist eher der indirekte Effekt der Zollpolitik des US-Präsidenten. Sinkt der Export anderer EU-Länder in die USA, kann ihr nicht abgesetztes Angebot in Folge den EU-Markt unter Druck setzen. Die Wirtschaftspolitik der USA, die ja aktuell sehr unberechenbar ist, spielt aber vor allem deshalb eine Rolle, weil sie Teil der geopolitischen Lage ist, die wiederum Auswirkungen auf den internationalen Handel hat. Der Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten, aber auch andere Konflikte haben unmittelbare Folgen – etwa auf Rohstoffbeschaffung und Logistikkosten, da beispielsweise Containerschiffe andere Routen fahren müssen und sich dadurch der Transport verlängert und verteuert. Klar, dass das auch Auswirkungen auf die Endkonsumentenpreise haben muss.“

ÖBKZ: Wie beurteilen Sie die Senkung der Mehrwertsteuer auf bestimmte Grundnahrungsmittel durch die Regierung?
Katharina Koßdorff: „Es ist ein Versuch der Bundesregierung, die Inflation zu dämpfen – allerdings mit sehr hohen Kosten. Hier gibt es Berechnungen der Agenda Austria: Demnach bringt die Maßnahme durchschnittlich rund 90 Euro pro Haushalt und Jahr. Demgegenüber stehen jedoch die Kosten für Unternehmen und Staat, da dieser Schritt natürlich auch einen erheblichen bürokratischen Aufwand mit sich bringt. Im Bäckereibereich wird sich das beispielsweise konkret zeigen: Bäcker werden ihre Registrierkassen umstellen und künftig wohl präzise wissen müssen, welches Produkt unter welchen Steuersatz fällt. Ob sich hier alle Betriebe und auch die Konsumentinnen tatsächlich auskennen werden, ist zumindest fraglich. Leider haben es Fleisch- und Konditorwaren nicht auf die Liste geschafft. Für uns ist diese Abgrenzung nicht ganz nachvollziehbar. Interessant ist auch die Gegenfinanzierung: vor allem durch die Plastikabgabe.“

ÖBKZ: Inwiefern?
Katharina Koßdorff: „Wir haben das so verstanden, dass die EU-Plastikabgabe, die derzeit bei rund 170 Millionen Euro liegt und bisher aus dem Bundesbudget finanziert wurde, künftig von den Unternehmen getragen werden soll. Hier schauen wir sehr genau hin: Was bedeutet das konkret? Wie wird das in der Praxis umgesetzt? Welche Auswirkungen hat das auf bestehende Kreislaufwirtschaftssysteme? Und in welchem Ausmaß entstehen dadurch zusätzliche Kosten für die Wirtschaft? Ein Aspekt bereitet uns allerdings noch deutlich größere Sorgen als die Gegenfinanzierung über die Plastikabgabe. Geplant ist ja auch, dass Unternehmen künftig ihre Margen an die Bundeswettbewerbsbehörde melden müssen. Hintergrund ist der Wunsch der Politik, sicherzustellen, dass die Steuersenkung tatsächlich an die Konsumentinnen weitergegeben wird. Gleichzeitig möchte man entlang der gesamten Wertschöpfungskette Einblick in die Gewinne einzelner Unternehmen bekommen. Das ist aus unserer Sicht ein historischer Eingriff in die unternehmerische Freiheit und in marktwirtschaftliche Grundprinzipien. Dass Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette regelmäßig ihre Margen – nicht Einkaufs- und Verkaufspreise, sondern Margen – an eine staatliche Behörde melden müssen, hat es in dieser Form in Österreich noch nie gegeben. Ein konkretes Beispiel zeigt, wie problematisch Margenkontrollen sind: Beim Brot etwa haben Bäcker unterschiedliche Margen – je nach Produkt. Ein Sonnenblumenbrot hat eine andere Marge als ein Mischbrot, das in größeren Mengen verkauft wird. Vergleicht man dann einen Bäcker mit einem anderen Betrieb, ergeben sich völlig unterschiedliche Strukturen. Welche Marge ist dann relevant? Eine Durchschnittsmarge? Eine Produktmarge? Welche wird herangezogen? Das ist in der Praxis nicht handhabbar. Jedes Unternehmen hat individuelle Kostenstrukturen und Margen. Ein pauschales Kontrollsystem kann nicht funktionieren.“

ÖBKZ: Auch die Einrichtung einer Preiskommission ist geplant …
Katharina Koßdorff: „Ja, diese soll prüfen, ob Unternehmen eine ‚ungerechtfertigte Preispolitik‘ betreiben. Aber was heißt ‚ungerechtfertigt‘? Wer definiert das? Und auf welcher Grundlage? Wenn diese Kommission zu dem Schluss kommt, dass ein Unternehmen unangemessene Preise verlangt, sollen Sanktionen möglich sein. Aus unserer Sicht ist höchst alarmierend, dass in einem marktwirtschaftlich organisierten Land solche Instrumente überhaupt in Erwägung gezogen werden. Darüber hinaus wäre dies mit enormen Kosten verbunden und würde auch in direktem Widerspruch zum politischen Ziel des Bürokratieabbaus stehen. Ein solches System gibt es auch in keiner anderen Branche. Die möglichen Folgen wären ebenso gravierend: Welches Unternehmen wird künftig noch in Österreich investieren oder hier produzieren wollen, wenn Margen offengelegt werden müssen und eine Preiskommission eingreifen kann? Das Ergebnis wäre ein Verlust an Inlandsproduktion und an Wertschöpfung. Und damit würden wir letztlich auch an Selbstversorgung verlieren.“

ÖBKZ: Wie wird sich das Mercosur-Handelsabkommen auf österreichische Lebensmittelunternehmen auswirken?
Katharina Koßdorff: „Wir sehen im Abkommen – so wie es derzeit vorliegt – eine große Chance für die Lebensmittelindustrie. Wir müssen uns vor den Importen aus den südamerikanischen Ländern nicht fürchten. Bevor Importe den Markt destabilisieren oder Preise unter Druck geraten, werden schützende Importmechanismen greifen. Nehmen wir das Beispiel Rindfleisch: Österreich importiert Rindfleisch, hat aber ob der zahlreichen Exporte eine positive Bilanz. Es wird auch kein Gammelfleisch nach Österreich kommen. Die importierte Menge wird wie bisher unbedeutend und vor allem für die gehobene Gastronomie bestimmt sein. Das zeigen Daten des Werts der Importe – es handelt sich um hochpreisige Teilstücke. Aus unserer Sicht wird dem Abkommen zu viel Bedeutung entgegengebracht – vor allem seitens der Landwirtschaft.“

ÖBKZ: Reden wir über die Kreislaufwirtschaft – wie ist hier der Status quo?
Katharina Koßdorff: „Derzeit wird vor allem die EU-Verpackungsverordnung intensiv diskutiert. Viele Unternehmen sind bereits dabei, die neuen Vorgaben umzusetzen, die ab August 2026 verpflichtend zu erfüllen sind. Die Grundvorgabe lautet: Verpackungen müssen recyclingfähig sein und sie sollen verkleinert und so weit wie möglich reduziert werden. Auf die Unternehmen kommen damit zahlreiche neue Anforderungen zu. Ein zweiter Bereich betrifft Maßnahmen, die bereits umgesetzt wurden. Hier geht es vor allem um die Pfandsysteme im Getränkebereich. Die Konsumenten kaufen bestimmte Gebinde nicht mehr, weil die Rückgabe als wenig komfortabel empfunden wird, greifen allerdings auch nicht automatisch auf andere Gebinde wie Mehrwegflaschen zurück, weshalb der Getränkesektor eine spürbare Delle erlitten hat. Wir hoffen, dass sich das mittelfristig wieder stabilisiert und sich die Menschen an das System gewöhnen. Die Umsetzung war mit hohen Kosten verbunden. Der Fokus verschiebt sich nun generell stark in Richtung Verpackung: Wie kann diese vermieden oder reduziert werden? Bei PET-Flaschen gibt es beispielsweise seit vielen Jahren in Müllendorf die PET-to-PET-Recyclinganlage – ein Vorzeigeprojekt, bei dem aus einer PET-Flasche wieder eine PET-Flasche wird. Früher wurde diese ja oft zu Straßenbelag oder Wärmedämmung verarbeitet, heute ist echtes Flasche-zu-Flasche-Recycling möglich. Dass ein bestimmter Rezyklatanteil verwendet wird, ist mittlerweile ja auch gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings hat diese Entwicklung dazu geführt, dass Re-PET inzwischen teurer ist als Neumaterial, was ökonomisch natürlich keineswegs ideal ist. Insgesamt zeigt sich, dass Müll beziehungsweise Abfall mittlerweile ein eigener Markt geworden ist. Durch gute Trennung können Rohstoffe wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden.  Bei Glas und Papier liegt Österreich seit Jahren im Spitzenfeld. Die Einführung des Pfandsystems war auch eine Maßnahme, um die gesetzlich vorgegebenen Sammelziele zu erreichen. Würde Österreich diese Ziele verfehlen, drohen Sanktionen. Letztlich braucht es das Zusammenwirken aller Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um diese Vorgaben zu erfüllen.“

ÖBKZ: Wie stark setzt Bürokratie die Betriebe unter Druck?
Katharina Koßdorff: „EU-Vorgaben, Lebensmittelinformationsverordnung, Hygieneverordnungen sowie umfassende Dokumentationspflichten sind vor allem für kleine Unternehmen ein Riesenthema. Die Vielzahl an Regularien stellt eine enorme Belastung dar, was inzwischen wirklich jeder mitbekommen hat. Lebensmittel zählen in Europa zu den am höchsten regulierten Konsumprodukten überhaupt. Wichtig ist, dass hier eine echte Kehrtwende gelingt. Auf europäischer Ebene hat man zuletzt versucht, neue Regulierungen – etwa das Lieferkettengesetz oder die Nachhaltigkeitsberichterstattung – so auszugestalten, dass kleine Unternehmen weitgehend ausgenommen werden.

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung gilt künftig nur mehr für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden, das Lieferkettengesetz erst ab 5.000 Mitarbeitenden. Das ist eine spürbare Entlastung für kleine und mittlere Unternehmen. Dennoch gibt es weiterhin großen Handlungsbedarf. Überall dort, wo Initiativen zum Bürokratieabbau entstehen, müssen wir diese aktiv unterstützen. Der Fokus muss klar in Richtung weniger nationale Berichtspflichten und weniger Bürokratie gehen. Gerade für kleine und mittelständische Betriebe sind Bürokratie und Regulierung die größten Wachstumshemmnisse. Die gesamte Lebensmittelkette leidet unter diesen Auflagen. Entscheidend ist, dass wir hier wieder wegkommen von immer neuen Belastungen, denn in Österreich hinken wir im internationalen Vergleich hinterher und brauchen dringend mehr Wettbewerbsfähigkeit und eine starke Inlandsproduktion, um die Versorgung sicherzustellen.“

ÖBKZ: Was können Betriebe konkret tun?
Katharina Koßdorff: „Sepp Schellhorn, der Staatssekretär für Deregulierung, hat offen kommuniziert, dass man Vorschläge direkt an ihn herantragen kann. Vor dem Sommer soll ja ein zweites Entlastungspaket kommen. Jeder Betrieb kann hier seine Vorschläge einmelden – entweder direkt oder über die jeweilige Standesvertretung.“

ÖBKZ: Die Entwaldungsverordnung wurde verschoben – wie bewerten Sie diese Entscheidung?
Katharina Koßdorff: „Die um ein weiteres Jahr verschobene Verordnung soll verhindern, dass Produkte, die durch Entwaldung oder Waldzerstörung entstanden sind, in der EU in Verkehr gebracht werden. Sie betrifft die österreichische Lebensmittelindustrie direkt, weil viele Unternehmen Rohstoffe aus Drittstaaten importieren, die mit Abholzung verbunden sein können. Besonders relevant ist das für Palmöl, Soja, Kakao und Kaffee. Die ursprünglichen Entwürfe der Verordnung waren extrem bürokratisch und die praktische Umsetzung war selbst für große Unternehmen kaum machbar. Jetzt geht sie in eine praktikablere Richtung: Nur mehr der Erstimporteur, also das Unternehmen, das die Rohstoffe nach Europa importiert, soll künftig von den Sorgfaltspflichten betroffen sein. Alle weiteren Betriebe in der Lieferkette müssen lediglich Referenznummern haben und keine zusätzlichen Prüfungen mehr durchführen. Das heißt: Ein Soja- oder Kakaoimporteur, der die Rohstoffe nach Europa bringt, muss sämtliche Prüfungen und Sorgfaltspflichten erfüllen. Alle weiteren Unternehmen, die diese Rohstoffe verarbeiten oder vertreiben, sind davon befreit. Diese Anpassung bringt deutliche Erleichterungen und reduziert das ursprüngliche bürokratische ‚Monster‘ erheblich.“

ÖBKZ: Welche aktuellen Trends orten Sie in der Lebensmittelindustrie?
Katharina Koßdorff: „Der Bereich ‚Vegetarische und Vegane Produkte‘ ist inzwischen voll etabliert, bietet aber noch immer gute Wachstumschancen – insbesondere wenn es gelingt, die Produkte geschmacklich und in der Konsistenz weiter zu verbessern. Der Trend Longevity – also Produkte, die ein langes und gesundes Leben unterstützen – ist ebenfalls spürbar. Besonders in der Milchbranche zeigt sich ein Boom bei Produkten mit höherem Proteingehalt oder bei funktionellen Lebensmitteln wie etwa Kefir. Auch alkoholfreie Produkte, darunter alkoholfreie Biere und Spirituosen, gewinnen nach wie vor an Bedeutung. Die Menschen sind auf der Suche nach qualitativ hochwertigen Alternativen, ohne auf Genuss verzichten zu müssen. In Österreich gilt grundsätzlich, dass die Konsumenten großen Wert auf hochwertige Produkte legen. Beim Essen und Trinken ist man hierzulande eher traditionell geprägt, weshalb Hausmannskost und vertraute Geschmacksprofile zentrale Bezugspunkte bleiben. So war der Hype um Insekten als Lebensmittel in Österreich nur ein kurzer. Für klassische Segmente wie Backwaren und Fleisch liegt der Fokus weiterhin darauf, Produkte in höchster Qualität anzubieten. Gleichzeitig spielen begleitende Themen wie Nachhaltigkeit, Verpackung und Kostenbewusstsein eine immer größere Rolle. Wer hier erfolgreich ist, verbindet traditionelle Qualitätsstandards mit modernen Verbraucheranforderungen.“

ÖBKZ: Was sind denn Ihrer Ansicht nach die aktuellen Herausforderungen für die Lebensmittelproduktion?
Katharina Koßdorff: „Generell sind die Herausforderungen aktuell natürlich mannigfaltig. Wenn nur mehr der billigste Preis entscheidet, werden wir mit Qualität kaum mehr punkten können. Fleischer, Bäcker und Konditoren, die auch zum Rückgrat unserer Versorgungskette gehören, zeigen hierzulande aber deutlich, dass sie Produkte in höchster Qualität produzieren und anbieten können. Trotz der geopolitischen Lage müssen wir hoffen, dass wir in sichere Zeiten gehen. Mit einer positiven Industrie- und guten Standortpolitik können wir Unternehmen absichern und eine hochqualitative Versorgung weiter gewährleisten.“

ÖBKZ: Was erwarten Sie sich vom Jahr 2026 für die Branche?
Katharina Koßdorff: „2025 war ein sehr schwieriges Jahr, weshalb ich zuversichtlich auf 2026 blicke. Mit all dem Engagement und der Leistung, die schon allein die Branchen Backwaren und Fleisch gezeigt haben, können wir wirklich stolz sein. Besonders auf die vielen Arbeitsplätze, die geschaffen wurden. Im internationalen Kontext sind wir hier qualitativ auf einem sehr hohen Niveau. Das Thema Sicherheit wird uns natürlich auch 2026 noch beschäftigen, insbesondere vor dem Hintergrund der geopolitischen Unruhen. Indem man die Herstellung von Lebensmitteln in Österreich im eigenen Land stärkt, festigt man auch die Versorgungssicherheit.

Unser Fokus für 2026 ist daher positiv – unter der Voraussetzung, dass sich die geopolitische Lage nicht weiter verschärft.“