Weizen, Mais und Raps geben nach: Ernte belastet Märkte
Die internationalen Getreide- und Ölsaatenmärkte haben in der vergangenen Woche deutlich nachgegeben. Vor allem die bevorstehende Ernte auf der Nordhalbkugel, hohe Lagerbestände und eine verhaltene Nachfrage sorgen für Druck auf die Notierungen. Gleichzeitig gibt es einzelne Faktoren, die einer stärkeren Abwärtsbewegung entgegenwirken. Aktuelle Marktinformationen der Agrarmarkt Austria zeigen ein gemischtes Bild für Weizen, Mais, Raps und Düngemittel.
Weizenpreise geraten vor der Ernte unter Druck
Der Weizenkurs an der Pariser Börse ist aus Sicht des meistgehandelten September-Kontrakts auf 201,25 Euro pro Tonne gefallen. In der Vorwoche lag die Notierung noch bei 209,25 Euro pro Tonne.
Die Märkte reagieren vor allem auf die näher rückende Ernte 2026/27 auf der Nordhalbkugel. Hinzu kommen hohe Lagerbestände aus der laufenden Saison sowie eine derzeit eher schwache internationale Nachfrage. Diese Faktoren erhöhen das Angebot und begrenzen die Chancen auf kurzfristige Preissteigerungen.
Gleichzeitig gibt es auch preisstützende Argumente. Das United States Department of Agriculture bewertet die Sommerweizenbestände in den USA weiterhin kritisch. Lediglich 47 Prozent der Flächen erhielten die Bestnote „gut“ oder „ausgezeichnet“ und lagen damit unter den Erwartungen vieler Marktteilnehmer. Auch die Prognose einer der kleinsten australischen Weizenernten der vergangenen drei Jahre sorgt für Unterstützung am Markt.
Österreichischer Markt zeigt Zurückhaltung
Am heimischen Markt bleibt die Handelsaktivität überschaubar. Qualitätsweizen der Ernte 2025 wurde zuletzt Mitte Mai mit 195 Euro pro Tonne notiert und bewegte sich damit nur geringfügig über dem bisherigen Saison-Tief.
Deutlich höher bewertet wird hingegen die neue Ernte. Qualitätsweizen der Ernte 2026 wurde an der Wiener Produktenbörse zuletzt mit 216 Euro pro Tonne gehandelt.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die anhaltende Trockenheit in weiten Teilen der österreichischen Ackerbauregionen. Viele Produzenten zeigen derzeit wenig Bereitschaft, größere Mengen der neuen Ernte vorzeitig zu vermarkten. Die Unsicherheit über die tatsächlichen Erträge bleibt hoch.
Mais verliert deutlich an Wert
Noch stärker als Weizen geriet Mais unter Druck. Der August-Kontrakt in Paris fiel innerhalb einer Woche von 227 Euro auf 216 Euro pro Tonne.
Auch hier wirken die guten Versorgungsaussichten und die bevorstehende Ernte belastend. Der Markt geht derzeit von einer ausreichenden Verfügbarkeit aus, was den Preisrückgang zusätzlich verstärkt.
Für die Backbranche spielt Mais zwar eine geringere Rolle als Weizen, die Entwicklung gilt jedoch als wichtiger Indikator für die allgemeine Stimmung an den internationalen Agrarmärkten.
Raps folgt den Rohölpreisen nach unten
Auch die Rapsnotierungen gaben nach. Der August-Kontrakt in Paris schloss bei 523 Euro pro Tonne und damit unter dem Vorwochenniveau von 528,25 Euro.
Besonders auffällig war der Rückgang am 4. Juni, als die Rapspreise innerhalb eines Tages um rund 10 Euro pro Tonne nachgaben. Hintergrund waren sinkende Rohölpreise, die durch die aktuelle internationale Nachrichtenlage ausgelöst wurden.
Die Entwicklung verdeutlicht einmal mehr die enge Verbindung zwischen den Energie- und Ölsaatenmärkten. Schwächere Rohölpreise wirken sich direkt auf Pflanzenöle und damit auch auf Raps aus.
Düngemittelpreise deutlich unter den Höchstständen
Für landwirtschaftliche Betriebe gibt es gleichzeitig positive Signale bei den Betriebsmittelkosten. Der internationale Preis für Harnstoff (Urea) an der Chicagoer Börse hat sich seit seinem Höchststand im Zuge des Iran-Konflikts deutlich reduziert.
Nachdem die Notierung Mitte April auf 722 US-Dollar pro Tonne gestiegen war, liegt sie aktuell bei 416,50 US-Dollar pro Tonne. Damit hat sich der Markt spürbar entspannt.
Allerdings bewegt sich das Preisniveau weiterhin über den Werten vor Beginn des Konflikts. Ende Februar wurden noch 465,50 US-Dollar pro Tonne bezahlt.
Ausblick: Wetter und Ernte bleiben die entscheidenden Faktoren
Die kommenden Wochen dürften vor allem von den Ernteerwartungen in Europa, Nordamerika und Australien geprägt werden. Hohe Lagerbestände und eine verhaltene Nachfrage sprechen derzeit für eine eher schwache Preisentwicklung.
Gleichzeitig können Wetterrisiken rasch neue Impulse setzen. Die Trockenheit in Teilen Österreichs sowie die schwächeren Zustandsbewertungen der US-Weizenbestände zeigen, dass die Märkte weiterhin empfindlich auf Veränderungen reagieren.
Für Bäckereien, Mühlen und landwirtschaftliche Betriebe entlang der Wertschöpfungskette bleibt die Situation daher aufmerksam zu beobachten. Die Entwicklung der Ernte 2026 wird entscheidend dafür sein, ob die aktuellen Preisrückgänge anhalten oder sich im Sommer wieder eine Gegenbewegung bildet.

