Aus einem kleinen, dunklen Verkaufsraum wird ein moderner Treffpunkt für Genuss: Mit dem Umbau ihres Stammhauses in Weiz hat die Bäckerei Tengg nicht nur optisch neue Maßstäbe gesetzt, sondern auch wirtschaftlich deutlich zugelegt – und zeigt, wie Ladenbau heute funktionieren kann.
Für die Familie Tengg ist der Umbau des Stammhauses in der Mühlgasse in Weiz weit mehr als eine Modernisierung – er ist ein echtes Generationenprojekt. Der Laden im mehr als 200 Jahre alten Gebäude wurde zuletzt 1993 umgebaut. Daran erinnert nach der umfassenden Neugestaltung von Juli bis September 2025 nur noch ein Holzrelief an der Wand.
Dabei reicht die Geschichte des Standorts noch deutlich weiter zurück: Bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde hier Brot gebacken. Seit der Übernahme durch Franz Tengg im Jahr 1959 wird die Bäckerei als Familienbetrieb geführt und über Generationen hinweg weitergetragen.
Zusammen mit Ernst Sommerauer, Vertriebsleiter Österreich bei Aichinger, hat Bianka Schwaiger-Tengg nahezu alle Bäckereien im Umkreis von 100 Kilometern besichtigt und gemeinsam mit den Ladenbauern und Shop-Designern von Aichinger einen ganz eigenen Stil entwickelt. Mit Erfolg: Die Bäckerei hat neue Kunden gewonnen, die Stammkunden sind begeistert, und gemeinsam mit Gerhard Leber von Aichinger wird bereits der Umbau des zweiten Standorts in Weiz geplant.

Gut geplant: Bianka Schwaiger-Tengg im Gespräch mit Ernst Sommerauer, Vertriebsleiter von Aichinger in Österreich. © Aichinger
Ein Generationenprojekt mit Weitblick
Der vorherige Laden hatte seinen eigenen Charme: klein, mit nur 25 m2, etwas dunkel und mit einer opulenten Inneneinrichtung in Gold, Grün und Weiß.
Bei aller Wertschätzung für die Leistungen der vorherigen Generationen war es für Bianka Schwaiger-Tengg nach der Übernahme im Jahr 2018 dennoch an der Zeit, dem Laden ein neues Gesicht zu geben. Er sollte freundlich, hell und zeitlos werden.
Dazu wurde das Gebäude vollständig entkernt, die Wand zu einer zuvor als Wohnraum genutzten Fläche geöffnet, das bisherige Büro verlegt und neben der Eingangstür zwei bodentiefe Fenster eingebaut. Auch wenn die Weizer seit Generationen wissen, dass sich die Bäckerei Tengg in der Mühlgasse befindet, sorgt dies nun für deutlich mehr Sichtbarkeit nach außen. Mit Erfolg: Neue Kunden, insbesondere Patienten der benachbarten Ärztehäuser, finden den Weg in den Laden.
Vom Traditionsladen zum offenen Genussraum
Durch den Umbau wurde die Verkaufsfläche auf 70 m2 vergrößert. Damit konnte die Theke ARTline auf stattliche sieben Laufmeter erweitert werden und bildet nun das zentrale Element im Raum.
Zusätzlich entstanden vier Tische sowie drei Hockplätze. Mittlerweile werden morgens 15 bis 20 Frühstücksgedecke serviert, und auch am Nachmittag sind die Plätze bei Kaffee und Mehlspeisen gut ausgelastet, obwohl sich in der Gasse eine weitere Konditorei befindet.
Aus statischen Gründen mussten zwei Wandelemente erhalten bleiben. Diese wurden in den Thekenverlauf integriert und strukturieren nun die Anlage. In der Mitte sowie im rückwärtigen Brotregal präsentiert Bianka Schwaiger-Tengg jene Produkte, auf die sie den Fokus legt. Vom Eingang aus betrachtet befinden sich rechts die Bestseller, links eine großzügige Ausgabefläche für die Café-Gäste.
Mehr Fläche, mehr Frequenz, mehr Umsatz
Das Sortiment ist breit: 15 Brotsorten, 20 verschiedene Kleingebäcke, 25 Mehlspeisen und rund 35 saisonale Spezialitäten entstehen in der Backstube direkt hinter dem Laden – gefertigt von 12 Mitarbeitenden.
Mit 70 Jahren leitet Franz Xaver Tengg noch immer die Backstube. Seine Tochter schätzt seine Erfahrung und Tatkraft sehr.
Beim Umbau setzte Bianka Schwaiger-Tengg auf die Empfehlungen von Ernst Sommerauer und auf ihre eigene Intuition. Pastellige Beigetöne dominieren den Raum, ergänzt durch Eiche-Dekor an der Rückwand und Sitzmöbel in rotem Plüsch. Die reliefartige Struktur des Thekendekors erinnert an Getreide, an den Wänden setzen zwei Energiekreise gestalterische Akzente. Damit wurde eine Aufenthaltsqualität geschaffen, die die Gäste zum Verweilen einlädt.
Der wirtschaftliche Effekt ist deutlich: Mehrumsatz und Ertrag sind an diesem Standort, der rund 85 % des Umsatzes mit Brot und Backwaren erwirtschaftet, nach dem Umbau signifikant gestiegen. So deutlich, dass die Geschäftsführerin beschlossen hat, auch den zweiten Standort in der Gleisdorferstraße – angeschlossen an einen Baumarkt und mit starkem gastronomischem Schwerpunkt – gemeinsam mit Aichinger neu zu gestalten.
Sortiment, Struktur und klare Wegeführung
Die Bäckerei Tengg ist breit aufgestellt. Neben den beiden Standorten in Weiz betreibt die Familie einen Marktstand am Grazer Kaiser-Joseph-Platz und ist zusätzlich mit einem Verkaufswagen in der Region unterwegs. Darüber hinaus werden täglich zwischen 150 und 200 Frühstücksjausen an Betriebe und Behörden ausgeliefert. Auch Gastronomiebetriebe, ein Betriebsrestaurant sowie der regionale Lebensmittelhandel werden beliefert.
Die Nachfrage ist hoch – so hoch, dass Anfragen abgelehnt werden müssen, da die Backstube im Stammhaus an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. Alle Fäden laufen bei ihr zusammen. Die 49-Jährige ist ausgebildete Konditorin, Einzelhandelskauffrau und Bäckermeisterin.
„Wir sind ein tolles Team. Ich fasse da an, wo ich gebraucht werde“, sagt sie. Sie ist mit dem Betrieb aufgewachsen, mit ihm verwurzelt und weiß um die Verantwortung, die sie gerne an die nächste Generation im Stammhaus weitergeben würde.
Autor: Volker Simon
Bäckerei Tengg GmbH – Mühlgasse 36 – 8160 Weiz






