Brot, Semmeln und andere Backwaren gehören zu den Lebensmitteln, die in Österreich besonders häufig im Restmüll privater Haushalte landen. Gemeinsam mit Obst und Gemüse machen Brot, Süß- und Backwaren mehr als die Hälfte der vermeidbaren Lebensmittelabfälle im Restmüll der Haushalte aus. Darauf weist der Verein Land schafft Leben anlässlich des Internationalen Tages gegen Lebensmittelverschwendung am 29. September hin.

Die Dimension ist beträchtlich: Laut aktuellen Zahlen des Landwirtschafts- und Umweltministeriums BMLUK fielen 2024 in Österreich insgesamt 1.175.206 Tonnen Lebensmittelabfälle an. Mehr als die Hälfte davon entstand mit 629.353 Tonnen in privaten Haushalten. Auf den Handel entfielen 71.275 Tonnen, auf Be- und Verarbeitung 234.863 Tonnen und auf den Außer-Haus-Konsum 228.418 Tonnen.

Haushalte bleiben größter Faktor

Gegenüber 2020 ist der Anteil der privaten Haushalte am gesamten Lebensmittelabfall von rund 61 auf 54 Prozent gesunken. Auch der Handel konnte seinen Anteil von rund sieben auf sechs Prozent reduzieren. Insgesamt ging die Menge der Lebensmittelabfälle in Österreich seit 2020 um drei Prozent zurück.

Der Handel verweist zugleich auf die Weitergabe noch genießbarer Ware an soziale Einrichtungen. Rund 22.000 Tonnen Lebensmittel werden nach Angaben des Handelsverbands jährlich gespendet – umgerechnet mehr als 44 Millionen Mahlzeiten.

Brot besonders oft betroffen

Für Bäckereien besonders relevant ist der Blick in die Haushalte. Restmüllanalysen zeigen, dass Brot sowie Süß- und Backwaren gemeinsam mit Obst und Gemüse besonders häufig entsorgt werden.

Land schafft Leben beziffert die vermeidbaren Lebensmittelabfälle privater Haushalte auf rund 75 Kilogramm pro Person und Jahr. Der Handelsverband nennt auf Basis der aktuellen BMLUK-Daten rund 69 Kilogramm Lebensmittelabfälle pro Person, von denen etwa 37 Kilogramm vermeidbar wären. Der Warenwert der vermeidbaren Menge liege bei rund 400 Euro pro Person und Jahr.

„Mit jedem Stück Gebäck, Gemüse oder Obst entsorgen wir auch Rohstoffe und die dafür eingesetzten Ressourcen wie Wasser, Energie und Ackerfläche sowie die Arbeit jener, die unsere Lebensmittel herstellen“, sagt Maria Fanninger, Gründerin von Land schafft Leben.

Visualisierung des Lkw-Staus von Wien bis nach Mailand. © Land schafft Leben
Visualisierung des Lkw-Staus von Wien bis nach Mailand. © Land schafft LebenShow more
Die Anteile der verschiedenen Lebensmittel bzw. Produktgruppen, die im Restmüll entsorgt werden © Land schafft Leben
Die Anteile der verschiedenen Lebensmittel bzw. Produktgruppen, die im Restmüll entsorgt werden © Land schafft LebenShow more
Visualisierung des Lkw-Staus von Wien bis nach Mailand. © Land schafft LebenDie Anteile der verschiedenen Lebensmittel bzw. Produktgruppen, die im Restmüll entsorgt werden © Land schafft Leben

Richtig lagern, Reste nutzen

Ein Teil der Verschwendung beginnt bereits beim Einkauf. Großpackungen und Mengenaktionen können dazu führen, dass mehr gekauft als tatsächlich verbraucht wird. Einkaufslisten und ein vorheriger Blick in Kühlschrank und Vorratskammer können unnötige Käufe reduzieren.

Gerade bei Brot gibt es einfache Möglichkeiten, die Nutzungsdauer zu verlängern. Land schafft Leben empfiehlt die Aufbewahrung im Brotkasten oder Tontopf. Hart gewordenes Brot lässt sich etwa zu Bröseln weiterverarbeiten.

Auch das Mindesthaltbarkeitsdatum sorgt immer wieder für Unsicherheit. „Mindestens haltbar bis“ bedeutet nicht automatisch, dass ein Lebensmittel danach verdorben ist. Bei originalverpackten und richtig gelagerten Produkten können Aussehen, Geruch und Geschmack bei der Beurteilung helfen. Davon zu unterscheiden ist das Verbrauchsdatum „zu verbrauchen bis“, das bei leicht verderblichen Lebensmitteln eingehalten werden sollte.

Ziel: halb so viel bis 2030

Mit dem Internationalen Tag gegen Lebensmittelverschwendung am 29. September rücken die Vereinten Nationen das Thema jährlich in den Mittelpunkt. Bis 2030 sollen die Lebensmittelabfälle pro Kopf halbiert werden.

Auch das BMLUK setzt aktuell auf Bewusstseinsbildung. Die Kampagne „Mach’s wie Oma: Rette Lebensmittel!“ richtet sich insbesondere an 18- bis 30-Jährige und greift Wissen über Vorratshaltung, richtige Lagerung und Resteverwertung auf. Der österreichische Lebensmittelhandel unterstützt die Kampagne bundesweit.