Beim fünften Pflanzenprotein Symposium der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) am 22. September 2026 in Berlin trafen Forschung, Lebensmittelwirtschaft, Handel und Produktentwicklung aufeinander. Im Mittelpunkt stand die Frage, was pflanzliche Lebensmittel aus Ackerbohnen, Körnererbsen, Süßlupinen oder Sojabohnen brauchen, um dauerhaft im Alltag der Konsumenten anzukommen.

Zwischen Zukunft und Alltag

Den Auftakt machte Futurologe Max Thinius mit einem Blick auf Veränderungen von Ernährung, Konsum und Lebenswelten. Seine Zukunftsbilder bildeten den Rahmen für eine zentrale Frage des Symposiums: Wie lassen sich neue Ernährungsgewohnheiten in konkrete Marktchancen für pflanzliche Lebensmittel übersetzen?

Prof. Dr. Sarah Egert von der Universität Bonn brachte die wissenschaftliche Perspektive ein. Sie stellte Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt LeguPlan vor, das die Stoffwechseleffekte einer leguminosenreichen Ernährung auf Basis der Planetary Health Diet untersucht. Prof. Dr. Holger Buxel von der Fachhochschule Münster widmete sich der Verbraucherseite und erläuterte, wie alternative Proteinquellen wahrgenommen werden und welche Faktoren den tatsächlichen Verzehr beeinflussen.

Geschmack bleibt entscheidend

Wie groß die Lücke zwischen grundsätzlicher Zustimmung zu pflanzlicher Ernährung und regelmäßigem Kauf noch ist, wurde auch aus Sicht des Handels deutlich. Verena Wiederkehr von BILLA nannte Geschmack, Preis und Qualität als wichtigste Kaufgründe. Im Gespräch ging es zudem um die Entwicklung des österreichischen Marktes, Veränderungen im Sortiment, die Rolle von Eigenmarken und die zunehmende Selbstverständlichkeit pflanzlicher Produkte im Lebensmittelangebot. Für die weitere Marktentwicklung müsse mit pflanzlichen Produkten ein klarer Mehrwert geschaffen werden, betonte Wiederkehr. Damit rückte das Symposium neben ernährungsphysiologischen Fragen besonders Produktqualität und Alltagstauglichkeit in den Mittelpunkt.

Rohstoffe gezielt verbessern

Auch Forschung und Produktentwicklung beschäftigten sich mit der Frage, wie sich die Qualität pflanzlicher Produkte weiter steigern lässt. Sharline Nikolay vom Max Rubner-Institut zeigte am Beispiel der Ackerbohne, wie sich die Rohstoffqualität von Körnerleguminosen durch gezielte Trockenfraktionierung optimieren lässt. Rebecca Bohlmann von Planteneers verwies auf steigende Anforderungen an Geschmack und Textur sowie auf die wachsende Bedeutung von Zutatenlisten, Verarbeitung und Verbraucherwünschen.

Vom Konzept zum Produkt

In der abschließenden Diskussionsrunde berichteten Nils Steiger von Friends not Food, Markus Mück von MoreThanWell und Jonathan Kanbicak von REVOJA aus ihrer Start-up-Praxis. Trotz unterschiedlicher Konzepte ähneln sich die Herausforderungen: Gute Ideen müssen sich in marktfähige Produkte übersetzen lassen, die Konsumenten überzeugen und zugleich wirtschaftlich tragfähig sind.

Körnerleguminosen mit Potenzial

UFOP-Geschäftsführer Stephan Arens sieht in der Verbindung von Züchtung, Anbau, Lebensmittelindustrie, Handel und Produktentwicklung einen entscheidenden Hebel für die weitere Entwicklung. Ackerbohnen, Körnererbsen, Süßlupinen und Sojabohnen aus Europa könnten künftig eine wichtige Rolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette spielen. Zugleich forderte Arens politische Rahmenbedingungen, die diese Entwicklung unterstützen.

Das Pflanzenprotein Symposium fand 2026 zum fünften Mal statt. Ziel der Veranstaltung ist es, Akteure aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft, Handel und Produktentwicklung zusammenzubringen und den Austausch über pflanzliche Proteine sowie die Wertschöpfungsketten europäischer Körnerleguminosen zu stärken.