Eine Messe zwischen Gegensätzen – und genau darin stark
Vier Tage lang wurde Köln Anfang Februar erneut zum globalen Knotenpunkt der Süßwaren- und Snackbranche. Die ISM bewies 2026 eindrucksvoll, dass ihre Stärke nicht in einem dominanten Megatrend liegt, sondern im bewussten Nebeneinander unterschiedlichster Konzepte.
Quietschbunte Fruchtgummis und klassische Confiserie, industrielle Großserien und handwerklich anmutende Kleinchargen, funktionelle Riegel und nostalgische Rezepturen: Die ISM bildet die Realität einer Branche ab, die längst nicht mehr eindimensional denkt. Gerade diese Vielfalt machte den Messebesuch auch heuer wieder zu einer Entdeckungsreise.
Mit rund 1.790 ausstellenden Unternehmen aus 75 Ländern und 32.500 Fachbesuchenden aus 140 Nationen unterstrich das Messetrio aus ISM, ISM Ingredients und ProSweets Cologne seine globale Relevanz. Auffällig war dabei die hohe Qualität der Gespräche – weniger Hektik, mehr Substanz.
Österreichische Präsenz: sichtbar, professionell und international verankert
Österreichische Unternehmen präsentierten sich auf der ISM 2026 nicht als Nischenanbieter, sondern als selbstverständlicher Teil der internationalen Branche.
Ein Fixpunkt war erneut Manner. Der rosa Markenauftritt blieb bewusst nah an der eigenen Identität, während das Sortiment gezielt weiterentwickelt wurde. Neue Wafer-Crunchies sowie Dark- und White-Mix-Varianten zeigten, wie Traditionsmarken Innovation innerhalb klarer Leitplanken umsetzen können. Gleichzeitig formulierte das Unternehmen ambitionierte Ziele: Deutschland bleibt Fokusmarkt, langfristig soll der Markenumsatz verdoppelt werden.
Industrieseitig überzeugte Spitz als Private-Label- und Co-Packing-Spezialist. Das oberösterreichische Familienunternehmen unterstrich seine Rolle als internationaler Industriepartner mit Investitionen in moderne Produktions- und Verpackungstechnologien. „Made in Austria“ wird hier nicht als Marketingfloskel, sondern als funktionierendes Industriemodell verstanden.
Mit Neoh war auch ein heimisches Scale-up vertreten, das den Markt für zuckerfreie Süßwaren maßgeblich mitprägt. Der firmeneigene Zuckeraustauschstoff Zero+ steht zunehmend im Fokus internationaler Handels- und Industriekonzerne. Dass ein österreichisches Produkt in einzelnen Handelsketten klassische Marken überholt, zeigt die Dynamik des Segments.
Zwischen fermentiert, funktionell und bewusst reduziert
Inhaltlich dominierte auf der ISM 2026 kein einzelner Trend – wohl aber klare Strömungen. Funktionelle Süßwaren gewannen weiter an Bedeutung: Protein, Kreatin, Zuckeraustauschstoffe und fermentierte Zutaten sprechen Zielgruppen an, die Genuss und Mehrwert kombinieren wollen.
Ein Beispiel dafür sind fermentierte Fruchtsnacks wie jene von Fancy by Nature, die mit Bio-Zutaten, reduzierter Zutatenliste und klarer Positionierung auf den Longevity-Gedanken einzahlen. Gleichzeitig blieb Genuss der entscheidende Faktor – funktionell ja, aber nicht um jeden Preis.
Geschmacklich setzte sich fort, was sich bereits 2025 angedeutet hatte: Pistazie ist angekommen, Espresso und Matcha sind etabliert, „spicy“ taucht zunehmend auch im Süßwarensegment auf. Fruchtgummis mit Schärfegraden, ungewöhnliche Kombinationen und texturbetonte Produkte zeugen von wachsendem Mut der Hersteller.
Wenn Klassiker neu gedacht werden
Neben Innovationen aus dem Hightech- und Functional-Bereich war auch 2026 deutlich spürbar: Tradition wird nicht ersetzt, sondern neu interpretiert. Lebkuchen im Tafelformat, Kugelprodukte mit moderner Optik oder klassisches Feingebäck in neuem Kontext zeigen, dass vertraute Produkte durch Form, Format und Inszenierung neue Zielgruppen erreichen können.
Gerade diese Balance zwischen Vertrautheit und Überraschung war auf vielen Ständen spürbar – und sorgte für Gesprächsstoff bei Handel und Industrie gleichermaßen.
Auszeichnungen als Spiegel der Branche
Ein fixer Orientierungspunkt auf der ISM sind die Auszeichnungen, die Trends und Marktrelevanz sichtbar machen.
New Product Showcase Award 2026
Aus 156 Einreichungen von 90 Unternehmen aus 23 Ländern wählte eine unabhängige Fachjury die drei herausragendsten Produktinnovationen:
1. Platz: CandyGlam (Spanien) – CREATINE Gummy Bar with chocolate (70 %)
Ein funktioneller Riegel mit Kreatinmonohydrat, kombiniert mit Banane und dunkler Schokolade. Die Jury überzeugte die klare Marktorientierung und der gelungene Spagat zwischen Supplement und Süßware.
2. Platz: Chocolaterie Carré (Belgien) – Chocolate Espresso Martini Pearls
Flüssig gefüllte Schokoladenperlen mit Espresso-Martini-Aroma. Präzise umgesetzt, handwerklich hochwertig und klar am Cocktail-Trend orientiert.
3. Platz: Gottfried Wicklein (Deutschland) – Kekstafel „Cinnamon Roll“
Die erste weihnachtliche Kekstafel im Stil einer Schokoladentafel. Ein klassisches Produktsegment wurde formal neu gedacht und modern interpretiert.
ISM Consumer Award 2026
Der Konsumentenpreis ging an Hosta für nippon MINIS Original & Limited Edition Matcha – ein Beleg dafür, dass bekannte Marken mit behutsamer Innovation weiterhin punkten können.
ISM Award 2026
Der renommierte ISM Award wurde an Uwe Lebens, Inhaber und langjähriger Geschäftsführer der Genuport Trade GmbH, verliehen. Die Auszeichnung würdigt sein Lebenswerk, sein Engagement für die internationale Süßwarenbranche und seine langjährige Mitwirkung an der Weiterentwicklung der ISM.
Show, Handwerk und Industrie: das größte Croissant der Welt
Für Aufmerksamkeit sorgte auch Kuchenmeister. Mit einem 85 Zentimeter langen und 3,5 Kilogramm schweren Croissant stellte das Unternehmen einen offiziell vermessenen Weltrekord auf. Hinter dem Schaustück steckte monatelange Entwicklungsarbeit – angepasstes Mehl, reduzierte Schichtung, verlängerte Backzeit. Ein Symbol dafür, dass Industriehandwerk und Präzision auch spektakulär inszeniert werden können.
Ingredients, Maschinen, Verpackung: die gesamte Kette im Blick
Mit der erstmals eigenständig positionierten ISM Ingredients und der parallel laufenden ProSweets Cologne wurde die gesamte Wertschöpfungskette sichtbar. KI, Digitalisierung, nachhaltige Verpackungslösungen und regulatorische Themen wie die EU-Verpackungsverordnung PPWR prägten Inhalte und Gespräche.
Besonders für produzierende Betriebe bot diese Verzahnung echten Mehrwert: kurze Wege, fundierter Austausch und konkrete Lösungsansätze.
Ausblick: ISM 2027 und die neue Messearchitektur
Die ISM 2026 markierte zugleich einen Übergang. Ab 2027 wird die ProSweets Cologne unter dem Namen ISM Manufacturing Teil einer einheitlichen ISM-Dachmarke. Gemeinsam mit ISM und ISM Ingredients entsteht eine klar strukturierte Messewelt – von der Zutat über die Produktion bis zum fertigen Produkt.
Die erste Ausgabe dieses neuen Formats findet vom 31. Januar bis 3. Februar 2027 in Köln statt. Ziel ist mehr Orientierung, effizientere Abläufe und eine noch engere Vernetzung aller Branchensegmente.
International breit aufgestellt
Die ISM 2026 hat gezeigt, wie breit, international und zugleich differenziert sich die Süßwaren- und Snackbranche heute aufstellt. Österreichische Unternehmen sind dabei nicht nur Teil des Ganzen, sondern bringen Kompetenz, Innovationskraft und industrielle Stärke ein.
Zwischen Tradition und Zukunft, Genuss und Funktion, Handwerk und Technologie bleibt die ISM der Ort, an dem sichtbar wird, was morgen weltweit produziert, verkauft und konsumiert wird.




