Getreideernte 2026 in Österreich bricht wegen Trockenheit um fast 15 Prozent ein
Trockenheit, Hitze und Dürre haben die Ackerbausaison 2025/26 geprägt. Nach aktuellen Schätzungen wird die österreichische Getreideernte (ohne Mais) heuer nur rund 2,66 Millionen Tonnen erreichen. Das entspricht einem Rückgang von 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist die Getreidefläche erstmals auf unter 500.000 Hektar gesunken.
„Ein Teil des Ertrags ist mit Sicherheit der Professionalität der Ackerbäuerinnen und Ackerbauern sowie den modernen Sorten zu verdanken“, betonte Landwirtschaftskammer Österreich Präsident Josef Moosbrugger bei einer Pressefahrt in Deutschkreutz gemeinsam mit Landwirtschaftskammer Burgenland Präsident und COPA-Vizepräsident Nikolaus Berlakovich.
Besonders stark fallen die Einbußen im Osten Österreichs aus. Während die Trockenheit und Hitze dem Getreide massiv zusetzen, kommt Mais mit den Bedingungen derzeit besser zurecht. Die Getreideanbaufläche ging gegenüber dem bisherigen Tiefststand 2025 nochmals um 0,7 Prozent zurück.
Trockenheit bereits seit dem Winter
Bereits der Winter verlief außergewöhnlich trocken. Nach etwas Niederschlag im Februar folgte eine lange Trockenperiode im März und April. Zwar brachte der Mai kurzfristig Entspannung, doch im Juni verschärfte extreme Hitze die Situation erneut.
Die langen Trockenphasen erschwerten die Bestockung der Getreidebestände erheblich. Besonders in der entscheidenden Kornfüllungsphase leiden viele Kulturen unter den hohen Temperaturen. Laut Moosbrugger verschlechtern sich die Ertragserwartungen derzeit beinahe täglich. Zusätzlich werden große regionale Unterschiede bei Ertrag und Qualität erwartet.
Wirtschaft beeinflusst Anbauentscheidungen
Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben die Anbauplanung geprägt. Niedrige Erzeugerpreise bei gleichzeitig hohen Produktionskosten erschweren vielen Betrieben eine rentable Produktion.
Die wichtigsten Ackerkulturen bleiben Mais, Weizen, Gerste, Sojabohnen und Triticale. Gleichzeitig wurden einige Kulturen deutlich ausgeweitet:
- Sonnenblumen: +19,7 %
- Roggen: +10,1 %
- Ölkürbis: +9,5 %
- Raps: +5,7 %
- Wintergerste: +3,5 %
Deutlich zurück gingen hingegen unter anderem:
- Stärkeerdäpfel: −50,5 %
- Körnererbsen: −21,2 %
- Erdäpfel gesamt: −18,5 %
- Ackerbohnen: −12,2 %
- Sommergerste: −12,1 %
- Hafer: −9,3 %
- Zuckerrüben: −8,3 %
Große Unterschiede bei Erträgen und Qualität
Vor allem im Osten Österreichs werden deutlich geringere Erträge erwartet. Beim Winterweizen rechnet man österreichweit mit bis zu 20 Prozent weniger Ertrag je Hektar, im Burgenland teilweise noch darunter.
Nach Angaben von Nikolaus Berlakovich zeigen sich selbst kleinräumig große Unterschiede. Leichte, sandige Böden konnten Wasser schlechter speichern, wodurch vielerorts nur dünne Bestände mit wenigen Ähren entstanden sind. Zusätzlich drohen Qualitätsverluste durch unzureichend gefüllte Körner und sogenannte Schmachtkörner.
Problematisch sei außerdem, wenn nach Niederschlägen erneut Ähren nachgebildet werden und dadurch unterschiedliche Reifestadien innerhalb eines Bestandes entstehen. Böden mit höherem Ton- und Lehmanteil konnten die Dürre hingegen etwas besser abfedern.
Historisch niedrige Getreidefläche
Neben den Witterungsextremen belasten vor allem niedrige Erzeugerpreise sowie hohe Kosten für Dünger, Energie und Treibstoffe die Betriebe.
Moosbrugger verweist darauf, dass die weltweit gute Ernte 2025 die Preise zusätzlich unter Druck gesetzt habe. Für viele Betriebe werde es dadurch immer schwieriger, kostendeckend zu produzieren und notwendige Investitionen zu tätigen. Maßnahmen wie der Agrardiesel für 2026 und 2027 seien zwar wichtig, könnten jedoch nur einen Teil der Mehrkosten ausgleichen. Die historisch niedrige Getreidefläche müsse deshalb zu denken geben.
EU soll Düngemittelpreise senken
Auch die hohen Düngemittelpreise bleiben laut Landwirtschaftskammer ein großes Problem. Die bisher von der EU-Kommission angekündigten Maßnahmen reichen nach Ansicht von Moosbrugger nicht aus.
Kritisiert wird insbesondere, dass europäische Landwirte im internationalen Vergleich die höchsten Düngemittelpreise bezahlen und zusätzlich durch den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) belastet würden. Gefordert werden daher weitere Entlastungen sowie wirksamere Importkontrollen, um Wettbewerbsfairness und hohe EU-Qualitätsstandards sicherzustellen.
GAP und Pflanzenschutz im Fokus
Nikolaus Berlakovich fordert außerdem eine starke und ausreichend finanzierte Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) mit Inflationsanpassung sowie praktikable und anreizbasierte Umweltmaßnahmen. Kürzungen bei Agrarumweltprogrammen lehne man entschieden ab.
Ebenso notwendig seien echte Vereinfachungen im Verwaltungsbereich sowie mehr Planungssicherheit für die Betriebe.
Im Pflanzenschutz sieht Berlakovich dringenden Handlungsbedarf. Durch den kontinuierlichen Wegfall zugelassener Wirkstoffe und fehlende Neuzulassungen steige der Druck auf die Landwirtschaft. Gleichzeitig breiten sich wärmeliebende Schädlinge und Krankheiten infolge des Klimawandels zunehmend aus. Gefordert werden daher innovationsfreundlichere Zulassungsverfahren und eine bessere Versorgung mit wirksamen Pflanzenschutzmitteln.
| Kennzahl | 2026 |
|---|---|
| Getreidefläche | 497.340 ha (-0,7 %) |
| Gesamtproduktion | 2.655.522 t (-14,6 %) |
| Durchschnittsertrag | 5,3 t/ha (-13,9 %) |
| Größter Flächengewinner | Sonnenblume (+19,7 %) |
| Weitere Gewinner | Roggen (+10,1 %) Ölkürbis (+9,5 %) Raps (+5,7 %) Wintergerste (+3,5 %) |
| Größter Flächenverlierer | Stärkeerdäpfel (-50,5 %) |
| Weitere Rückgänge | Körnererbse (-21,2 %) Erdäpfel (-18,5 %) Ackerbohne (-12,2 %) Sommergerste (-12,1 %) |
| Stärkste Ertragseinbußen | Sommergerste (-18,7 %) Roggen (-18,3 %) Sonstiges Getreide (-16,7 %) Hartweizen (-15,8 %) Weichweizen inkl. Dinkel (-15,4 %) |

