Beim digitalen Pressegespräch zum Internorga FoodZoom 2026 gab die renommierte Trendforscherin Karin Tischer Einblicke in die kulinarische Zukunft – mit konkreten Impulsen für Backbetriebe.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Gäste gehen seltener essen, geben weniger Geld aus und wählen bewusster. Doch genau darin liegt die Chance für innovative Bäckereien und Konditoreien. Denn während klassische Gastronomiekonzepte unter Druck geraten, boomt der Snackmarkt – vielfältiger, emotionaler und individueller denn je. „Snacks sind längst mehr als ein schneller Happen“, erklärt Karin Tischer, die renommierte Food-Trendforscherin vom Institut food & more aus Kaarst. „Sie sind Erlebnis und Statement zugleich.“
Beim digitalen Pressegespräch zur Internorga 2026, der internationalen Leitmesse für Hospitality und Foodservice (13. bis 17. März in Hamburg), präsentierte Tischer gemeinsam mit Matthias Balz, Director der Internorga, den diesjährigen FoodZoom – die jährliche Trendanalyse, die erstmals um die Bereiche Hospitality Design und Digitalisierung erweitert wurde. Für Backbetriebe besonders relevant: drei zentrale Food-Trends, die neue Perspektiven eröffnen.
Vom Croissant zur Geschmacksexplosion: die Charaktergebenden
Mut statt Mittelmaß – so lautet die Devise für 2026. Intensive Aromen, überraschende Kombinationen und unverwechselbare Finishes werden zu echten Differenzierungsmerkmalen. „Charaktervolle Gewürze, intensive Saucen, Crunch und Textur machen den Unterschied“, betont Tischer. „Gerade dort, wo Effizienz gefragt ist, zählt Persönlichkeit.“
Für Bäckereien und Konditoreien kann das bedeuten: Fermentiertes Umami, edle Pfeffer- und Chili-Varianten, der neue „Swicy“-Trend (süß trifft scharf) sowie pompöse Toppings und Signature-Saucen verleihen klassischen Backwaren moderne Raffinesse. Smashed Croissants mit genussvollen Füllungen, Loaded Croissants mit kreativen Toppings oder pikante Panettoni mit außergewöhnlichen Saucen – die Möglichkeiten sind vielfältig.
Spannend: das multisensorische Spiel mit Texturen. „Konsistenz gewinnt als zentraler Genussfaktor an Bedeutung“, erläutert die Expertin. Das Zusammenspiel aus Crunch, Cremigkeit und flüssiger Raffinesse sorgt für Geschmackserlebnisse, die im Gedächtnis bleiben. Kimchi-Cracker, gerösteter Quinoa, Pistazien-Schaum oder Kürbiskern-Crumble setzen optische wie geschmackliche Highlights – perfekt für Instagram-taugliche Kreationen.
Taste the World: Wenn Asien auf Europa trifft
Während der Wunsch nach regionalen, heimischen Produkten ungebrochen bleibt, wächst die Neugier nach internationalen Geschmackserlebnissen. „Die globale Küche begeistert mit spannenden Gegensätzen“, so Tischer. „Das Motto der Stunde heißt: Heimat trifft Welt.“
Besonders die asiatische Küche prägt die Entwicklung: Japanische Ästhetik mit ihrer puristischen Eleganz trifft auf koreanische Würze mit charakteristischem Kimchi, Gochugaru-Chili und der Balance zwischen süß-sauer und würzig-frisch. Auch westafrikanische Einflüsse – von Maniok-Fries über Plantains bis zu kräftigen Gewürzen – finden zunehmend ihren Weg in europäische Konzepte.
Für die Backbranche eröffnet das kreative Spielräume: Fusion Cuisine ist längst mehr als ein Trend und hat sich von der Sternegastronomie bis zum Streetfood entwickelt. Croissants mit Miso-Butter, Brioche mit Yuzu-Creme, Gebäck mit Matcha-Gel oder Taiyaki-inspirierte Waffeln – mutige Kombinationen schaffen Wiedererkennungswert und emotionale Geschmackserlebnisse.
Der Snack Compass: Orientierung im Boom-Markt
„Der Snackmarkt wird vielfältiger, emotionaler und individueller“, fasst Tischer zusammen. Von Loaded Fries und Croissants über Empanadas und Korean Corn Dogs bis zu Mini-Desserts – kompakte Portionen und One-Hand-Snacks treffen den Wunsch nach Flexibilität.
Doch bei aller Vielfalt braucht es Strategie. Der von food & more entwickelte Snack Compass hilft Betrieben, sich im zunehmend unübersichtlichen Markt zu positionieren. Zentrale Fragen: Welche Zielgruppe bediene ich? Welche Snacks passen zu meinem Konzept? Was fehlt noch? Wie kann ich mein Angebot weiterentwickeln?
„Snacks können zusätzlichen Umsatz generieren – von spontanen To-go-Impulskäufen bis zu dauerhaft etablierten Produkten“, erklärt die Trendforscherin. Entscheidend dabei: das Erlebnis. Snacks müssen einzigartig sein, eine Geschichte erzählen und idealerweise „instagrammable“ funktionieren. Transparente Verpackungen, regionale Zutaten und sichtbare Maßnahmen zur Reduktion von Food-Waste runden das Profil ab.





