Ein Weltrekord, der weniger auf feine Patisserie als auf Dimension setzt: In London ist am Wochenende das längste Tiramisu der Welt entstanden. Mit exakt 440,6 Metern übertraf das Projekt die bisherige Bestmarke deutlich und zeigt zugleich, welche Strahlkraft italienische Dessertklassiker international haben.
Weltrekord in London deutlich übertroffen
In der Chelsea Town Hall in London arbeiteten rund 100 italienische Konditorinnen und Konditoren mehrere Tage lang an der Umsetzung des Rekordversuchs. Ziel war es, den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2019 klar zu übertreffen. Damals hatte ein Unternehmen in Mailand ein Tiramisu mit einer Länge von 273,5 Metern geschaffen.
Das neue Rekorddessert erreichte schließlich 440,6 Meter und übertraf die alte Bestmarke damit um mehr als 150 Meter. Entscheidend war dabei nicht nur die Länge, sondern auch die Einhaltung strenger Vorgaben von Guinness World Records. Das Tiramisu musste durchgehend aufgebaut sein, eine einheitliche Struktur aufweisen und vollständig vor Ort produziert werden.
Enorme Mengen an Rohstoffen verarbeitet
Die Dimension des Projekts zeigt sich vor allem im Rohstoffeinsatz. Rund 150.000 Löffelbiskuits sowie etwa 20.000 Eier wurden verarbeitet. Hinzu kamen große Mengen an Mascarpone, Kaffee und Zucker. Auch die technischen Anforderungen waren klar definiert: Das Dessert musste eine Mindesthöhe von acht Zentimetern und eine Breite von 15 Zentimetern aufweisen, um als gültiger Rekordversuch anerkannt zu werden.
Organisation durch erfahrenen Rekordhalter
Initiiert wurde das Projekt vom italienischen Koch Mirko Ricci, der bereits in der Vergangenheit an ähnlichen Aktionen beteiligt war und selbst frühere Rekorde mitgestaltet hat. Der Rekordversuch in London war bewusst international angelegt und sollte auch als symbolische Geste verstanden werden.
Nach Angaben der Organisatoren wurde das Projekt unter anderem als Anerkennung für das Vereinigte Königreich umgesetzt. Das fertige Tiramisu wurde am Ende mit einer goldenen Krone dekoriert und anschließend an Besucher verteilt.

Feines Tiramisu im Anschnitt: Entscheidend sind hochwertige Zutaten, stabile Creme und präzises Konditorhandwerk. Unsplash / Mike Pelletini
Tiramisu als globales Erfolgsprodukt
Tiramisu gilt als eines der erfolgreichsten Dessert-Exportprodukte Italiens. Seine Ursprünge werden häufig in der Region Venetien verortet, insbesondere in der Stadt Treviso, wo das Dessert um 1970 entstanden sein soll. Von dort aus entwickelte es sich rasch zu einem internationalen Klassiker.
Der Rekordversuch in London unterstreicht diese Entwicklung eindrucksvoll. Weniger der handwerkliche Perfektionsanspruch stand im Mittelpunkt, sondern die Inszenierung eines bekannten Produkts in außergewöhnlicher Dimension. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie stark italienische Patisserie weltweit wahrgenommen wird und welche Rolle sie auch im Event- und Marketingkontext spielt.
Handwerk trifft Inszenierung
Für das Bäcker- und Konditorenhandwerk liefert der Rekord eine klare Botschaft: Klassische Produkte besitzen weiterhin enormes Potenzial, wenn sie neu interpretiert oder spektakulär inszeniert werden. Entscheidend bleibt jedoch die Balance zwischen handwerklicher Qualität und medialer Aufmerksamkeit.
Während beim Weltrekordversuch die Masse im Vordergrund stand, bleibt im Alltag die Produktqualität der zentrale Erfolgsfaktor. Wie ein beteiligter Konditor betonte, entscheidet letztlich die Kombination aus gutem Kaffee, stabiler Creme und handwerklicher Präzision über ein gelungenes Tiramisu.

