Mehr als 10.000 Besucher, 110 Aussteller und ein deutlich breiteres Angebot: Das Vienna Coffee Festival hat bei seiner zwölften Ausgabe einen neuen Höchststand erreicht. Von 11. bis 13. September 2026 wurde die Wiener Marx Halle drei Tage lang zum Treffpunkt für Röstereien, Baristas, Maschinenhersteller, Coffee Shops und ein Publikum, das sich heute deutlich intensiver mit Herkunft, Verarbeitung und Qualität von Kaffee beschäftigt als noch vor wenigen Jahren.

Für Bäckereien und Konditoreien ist diese Entwicklung durchaus relevant. Kaffee ist längst nicht mehr nur Begleiter zu Mehlspeisen oder Frühstück, sondern ein eigenständiges Qualitätsmerkmal im Verkauf. Je höher das Wissen der Gäste über Bohnen, Zubereitung und Herkunft wird, desto stärker steigen auch die Erwartungen an das Kaffeeangebot in Bäckerei, Café und Konditorei.

110 Aussteller markieren neuen Rekord

Erstmals wurde das Vienna Coffee Festival von der Wiener Event- und Kommunikationsagentur Lefor Oberbauer ausgerichtet. Geschäftsführerin Michaela Lefor hatte im Vorfeld ein klares Ziel formuliert: mehr Aussteller, mehr Vielfalt und mehr Besucher. Mit 110 Ausstellern wurde tatsächlich ein neuer Rekord erzielt. Gleichzeitig überschritt das Festival die Marke von 10.000 Besuchern.

Gegenüber dem Vorjahr stieg die Besucherzahl damit um mehr als 20 Prozent. Lefor sprach nach dem Festival von einer starken Resonanz sowohl bei den ausstellenden Unternehmen als auch beim Publikum. Besonders sichtbar geworden sei die Vielfalt der österreichischen Kaffeeszene, von kleinen Röstereien über Coffee Shops bis zu Maschinen- und Technologieanbietern.

World Barista Champion Jack Simpson in Wien

Internationales Interesse erhielt das Festival durch Jack Simpson. Der Australier und amtierende World Barista Champion 2025 war auf Einladung von Faema nach Wien gekommen. Simpson trat auf der Open Stage auf und arbeitete während des Festivals auch direkt an der Espressomaschine.

Der Weltmeister zeigte sich von der Wiener Kaffeeszene beeindruckt. Besonders hob er die Vielfalt und Qualität des Angebots sowie das Interesse des Publikums hervor. Für ein Festival, das ursprünglich stark aus der heimischen Specialty-Coffee-Szene gewachsen ist, ist die internationale Wahrnehmung mittlerweile ein wichtiger Faktor.

Vom Arabica-Wissen zum fermentierten Kaffee

Wie stark sich das Wissen des Publikums verändert hat, schilderte Günther Stölner, CEO von Cimbali Austria und Mitbegründer des Vienna Coffee Festivals. Zum Start des Festivals vor zwölf Jahren habe es in Wien lediglich drei oder vier Specialty Coffee Shops gegeben. Heute seien es rund 45.

Auch die Fragen der Gäste hätten sich deutlich verändert. Während früher vor allem der Unterschied zwischen Arabica und Robusta interessierte, beschäftigen sich Kaffeefans heute mit Verarbeitungstechniken wie washed, natural oder fermentiert und fragen gezielt nach Herkunft, Aufbereitung und sensorischem Profil. Für Betriebe mit eigenem Kaffeeangebot steigt damit der Anspruch. Eine gute Espressomaschine allein reicht immer weniger aus. Mahlgrad, Wasserqualität, Bohnenwahl, Schulung der Mitarbeiter und konstante Zubereitung werden zunehmend Teil des Qualitätsversprechens.

Österreichischer Barista-Staatsmeister 2026 ist Madalin Truica. © Beigestellt
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Der australische World Barista Champion 2025 Jack Simpson. © Beigestellt
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Österreichischer Barista-Staatsmeister 2026 ist Madalin Truica. © Beigestellt© Beigestellt© BeigestelltDer australische World Barista Champion 2025 Jack Simpson. © Beigestellt© Beigestellt

Home Barista verändert den Markt

Daniel Platzer, Geschäftsführer von Bohnendealer, beobachtet parallel dazu eine starke Entwicklung im privaten Bereich. Das Thema Home Barista habe deutlich an Bedeutung gewonnen. Immer mehr Konsumenten beschäftigen sich zu Hause mit Maschine, Mühle, Bohne und Zubereitung. Diese Entwicklung beeinflusst auch den Außer-Haus-Markt. Wer zu Hause viel über Kaffee lernt und in hochwertige Technik investiert, erkennt Unterschiede im professionellen Angebot schneller. Für Bäckereien, Konditoreien und Cafés bedeutet das einerseits höhere Erwartungen, andererseits aber auch die Chance, sich mit guter Beratung und konsequenter Kaffeequalität deutlich zu profilieren.

Publikum fragt genauer nach

Markus Brun von Gota Coffee Experts erlebt diesen Wandel seit Jahren aus nächster Nähe. Das Wiener Unternehmen gehört international zu den hoch bewerteten Coffee Shops und war bereits zum neunten Mal beim Vienna Coffee Festival vertreten. Brun beobachtet ein inzwischen sehr hohes Wissensniveau beim Publikum. Herkunft, Verarbeitung und Qualitätsmerkmale würden heute konkret hinterfragt. Gleichzeitig sei der Andrang am Stand groß gewesen, darunter auffallend viele Besucher aus dem Ausland.

Kaffee wird breiter gedacht

Auch das Rahmenprogramm zeigte, wie weit das Thema Kaffee mittlerweile über klassischen Espresso hinausgeht. Auf Open Stage und in Workshops wurden unter anderem Kaffee in der gehobenen Gastronomie, Pour Over, Latte Art und die Finanzierung eines eigenen Coffee Shops behandelt. Dazu kamen Themen wie Wasserqualität, fermentierter Geisha-Kaffee oder alternative Zubereitungsmethoden. Selbst Yoga-Formate fanden Platz im Programm. Die Plattform Best100 Coffee Shops Austria präsentierte zudem Betriebe, die sich mit Qualität, Handwerk und Atmosphäre am österreichischen Markt positionieren.

Neue Staatsmeister für Österreich

Den sportlichen Abschluss des Festivals bildeten die österreichischen Staatsmeisterschaften in den Kategorien Barista und Latte Art. Nach Einschätzung von Oliver Götz, Obmann der Specialty Coffee Association Österreich, steigt nicht nur das Wissen des Publikums, sondern auch das fachliche Niveau der Wettbewerbe kontinuierlich. Julian Tomala gewann den Staatsmeistertitel in Latte Art. Neuer österreichischer Barista-Staatsmeister ist Madalin Truica. Er wird Österreich bei der Barista-Weltmeisterschaft 2027 in Tokio vertreten.

Kaffee wird auch für Bäckereien strategischer

Die Entwicklung des Vienna Coffee Festivals ist mehr als eine Erfolgsgeschichte einer Veranstaltung. Sie spiegelt einen Markt wider, in dem Gäste genauer hinschauen, Qualität stärker unterscheiden und zunehmend bereit sind, sich intensiv mit Kaffee zu beschäftigen. Für Bäcker und Konditoren eröffnet das Möglichkeiten. Wo Kaffee nicht als Nebenprodukt behandelt, sondern ebenso sorgfältig ausgewählt und zubereitet wird wie Brot, Gebäck oder Patisserie, kann er zur Profilierung eines Betriebs beitragen. Gerade im Frühstücks-, Snack- und Cafégeschäft wird diese Verbindung von handwerklicher Backkompetenz und hochwertiger Kaffeekultur wirtschaftlich interessanter.

Vienna Coffee Festival 2027 steht bereits fest

Die nächste Ausgabe ist bereits terminisiert. Das 13. Vienna Coffee Festival findet von 10. bis 12. September 2027 erneut in der Marx Halle in Wien statt.