Vor 100 Jahren in Turin erfunden, ist der Tramezzino heute Fixstarter in Bars und Bistros. Auch für Österreichs Bäckereien und Konditoreien bietet der Snack enormes Zusatzgeschäft.

Ein Café-Klassiker feiert Geburtstag

Der Tramezzino wird 100. Erfunden wurde der italienische Snack 1926 im traditionsreichen Caffè Mulassano am Turiner Piazza Castello. Als Schöpferin gilt Angela Demichelis Nebiolo, die nach einem USA-Aufenthalt eine Speise suchte, die leicht zu essen und dennoch sättigend ist.

Die Lösung war ebenso simpel wie genial: weiches, krustenloses Brot, gefüllt mit Schinken, Käse, Thunfisch oder Tomaten. Schnell entwickelte sich der kleine Snack zum Bestseller der italienischen Café-Kultur.

Vom „Sandwich“ zum Tramezzino

Seinen Namen verdankt der Tramezzino dem Dichter Gabriele D’Annunzio. Ihm missfiel die englische Bezeichnung „Sandwich“. Er prägte stattdessen den Begriff „Tramezzino“ – abgeleitet von „tramezze“, dem italienischen Wort für Trennwand. Ein bildhafter Verweis auf die zwei Brotscheiben mit Füllung dazwischen.

Der neue Name setzte sich rasch durch und machte den Snack international bekannt.

Regionale Rivalitäten und historische Wurzeln

Auch wenn Turin als Geburtsort gilt, reklamieren andere Städte die Idee für sich. In Venedig etwa sollen Tramezzini früh als Begleitung zum Wein gereicht worden sein, ähnlich den Cichetti.

Historische Parallelen finden sich sogar in Rom: In der Via Panisperna im antiken Arbeiterviertel Suburra wurden bereits belegte Brote verkauft – gewissermaßen Vorläufer des heutigen Tramezzino.

Ein gutes Tramezzino wird täglich frisch gemacht und luftdicht verpackt angeboten. © Unsplash / Francesco la Corte

Ein gutes Tramezzino wird täglich frisch gemacht und luftdicht verpackt angeboten. © Unsplash / Francesco la Corte

Die Kunst der Füllung

Klassisch besteht der Tramezzino aus ungeröstetem, besonders weichem Weißbrot mit Mayonnaise-Basis. Typische Füllungen sind Thunfisch mit Ei, Schinken mit Pilzen oder Kombinationen mit kleinen Zwiebeln.

Charakteristisch für die venezianische Variante ist die gewölbte Form. Die Füllung wird mittig platziert, die Ränder leicht angedrückt – so entsteht der typische „Gupf“.

Heute existieren allein in Turin rund 50 Varianten, von Trüffel bis Hummer. Auch regionale Spezialitäten prägen das Sortiment, etwa mit Porchetta, Artischocken oder Krabben.

Vegetarische und saisonale Interpretationen

Moderne Interpretationen zeigen die enorme Wandelbarkeit des Produkts. In Görz etwa wird Winterradicchio „Rosa di Gorizia“ verarbeitet, kombiniert mit Bohnen oder Kartoffeln. Entscheidend ist oft die hausgemachte Mayonnaise, die Frische und Textur prägt.

Solche saisonalen Ansätze bieten auch für handwerkliche Betriebe spannende Möglichkeiten.

Snack-Star der italienischen Barkultur

Der Tramezzino ist längst mehr als ein belegtes Brot. Er gilt als Symbol italienischer Genusskultur und Café-Geselligkeit. Laut Branchenverband Fipe Confcommercio zählt er zu den beliebtesten Snacks außer Haus – nicht zuletzt wegen seines moderaten Preises und der schnellen Verfügbarkeit.

Serviert wird er häufig zum Aperitif oder zur „Apericena“, dem geselligen Ausklang des Tages bei Wein und kleinen Häppchen.

Impulse für Österreichs Bäcker- und Konditorenhandwerk

Gerade für heimische Bäckereien sowie Café-Konditoreien eröffnet der Tramezzino wirtschaftlich wie konzeptionell interessante Perspektiven.

Sortimentserweiterung mit geringem Produktionsaufwand
Die Basis – weiches Toast- oder Milchbrot – lässt sich im eigenen Betrieb herstellen oder veredeln. Die Wertschöpfung entsteht über Füllung, Frische und Präsentation.

Ideal für Mittags- und Snackgeschäft
Tramezzini sind verzehrfertig, transportfähig und sprechen Büro- wie Laufkundschaft an. Sie schließen die Lücke zwischen süßer Vitrine und klassischer Jause.

Regionalisierung als Erfolgsfaktor
Österreichische Interpretationen bieten Differenzierung:
• Beinschinken, Bergkäse, Liptauer
• Räucherforelle, Kren, Apfel
• Veggie-Varianten mit Aufstrichen oder Grillgemüse
• Saisonale Editionen etwa mit Spargel oder Kürbis

Perfekt für Coffee-to-go und Catering

Durch ihre handliche Form eignen sich Tramezzini für Business-Catering, Events oder Seminarpausen – ein wachsender Zusatzmarkt für Konditoreien.

Handwerk trifft Café-Kultur

Der Erfolg des Tramezzino zeigt, wie aus einfachen Zutaten ein margenstarkes Premium-Snackprodukt entstehen kann. Entscheidend sind Brotqualität, Frischelogistik und kreative Rezepturen. Für Österreichs Bäcker- und Konditorenbetriebe liegt genau darin die Chance: internationale Klassiker mit regionaler Handschrift neu zu interpretieren – und damit zusätzliche Frequenz in die Vitrinen zu holen.