Preise steigen – doch nicht isoliert
Zwischen 2019 und 2024 haben sich die Lebensmittelpreise in Österreich um rund 30 % erhöht. Zeitgleich stieg das Äquivalenznettoeinkommen im selben Zeitraum um etwa 30,7 %. Zwar ist der Preisanstieg real, dennoch liegt Österreich im EU-Vergleich unter dem Durchschnitt (≈34,3 %). Diese Bilanz zeigt: Es geht nicht nur um das „Ob“, sondern vor allem um das „Wie“.
Für Betriebe aus Back- und Süßwaren-Handwerk, Cafés, Chocolaterien oder der landwirtschaftlichen Rohstoffproduktion heißt das: Qualität, Herkunft und Wertschöpfung müssen mitgedacht werden – nicht nur der Preis.
Der Blick aufs Regal greift zu kurz
Wenn wir nur die Endpreisschilder wahrnehmen, bleiben viele Einflussfaktoren verborgen. Energie-, Logistik- und Personalkosten sind massiv gestiegen. Umwelt- und Tierschutzstandards erzeugen zusätzliche Kosten. Diese betreffen nicht nur den Lebensmittelhandel, sondern auch Betriebe in der Verarbeitung und Produktion.
Hinzu kommt eine Besonderheit des österreichischen Marktes: Ein hoher Anteil von Rabattaktionen – und damit ein Einfluss auf die tatsächliche Preiswahrnehmung. In einer Studie gaben fast die Hälfte der Befragten an, obwohl ihnen Bio-Produkte wichtig wären, konventionelle Waren zu kaufen, weil der Preis im Laden ausschlaggebend war.
Was bedeutet das konkret für Handwerk, Verarbeitung und Landwirtschaft?
| Bereich | Relevante Einflussfaktoren für Preisbildung und Wertschöpfung |
|---|---|
| Landwirtschaft / Rohstoffe | Steigende Betriebsmittelkosten, höhere Energie- und Lohnkosten, Wetter- und Ernterisiken,zunehmende Anforderungen an Tierwohl und Umweltstandards, wachsender Stellenwert von Direktvermarktung und regionalen Partnerschaften. |
| Verarbeitung (Bäckerei, Konditorei, Süßwaren) | Einkaufspreise für Mehl, Butter, Eier, Zucker, Kakao und Nüsse, Energieaufwand für Backöfen und Kühlung, Fachkräftemangel und Lohnniveau, Investitionen in Qualität, Handwerk, Herkunftsprofil und Sortimentsvielfalt. |
| Verkauf / Handel (Café, Shop, Fachgeschäft) | Einfluss von Aktionen und Rabatten auf Preiswahrnehmung, Standort- und Mietkosten, Servicequalität, Präsentation und Erlebnis im Geschäft, Differenzierung gegenüber Billiganbietern durch Frische, Handwerk und Transparenz. |
Damit wird klar: Für traditionelle Bäckereien, Konditoreien, Chocolatiers, Bonbonhersteller und Landwirte ist eine Sichtweise nötig, die den Wert über die ganze Kette berücksichtigt – vom Feld bis zum Kunden.
Regional, nachhaltig, wertvoll – und nicht billig
Österreich nimmt im EU-Vergleich eine Sonderstellung ein: Der Anteil der Bio-Flächen liegt bei rund 27 % der bewirtschafteten Flächen und der Pro-Kopf-Umsatz für Bio-Lebensmittel liegt bei fast 300 € jährlich. Gleichzeitig geben Haushalte hierzulande im Schnitt nur rund zehn Prozent ihres Budgets für Lebensmittel aus – niedriger als der europäische Durchschnitt von 13,6 %.
Doch gerade für den Handwerks- und Direktverarbeitungssektor gilt: Wer dauerhaft auf den Preis-Wettbewerb setzt, riskiert Qualitätseinbußen, trägt sinkende Produzentenpreise und gefährdet langfristig heimische Wertschöpfung. Und damit die Betriebe, mit denen Sie als Handwerker oder Landwirt zusammenarbeiten.
Handlungsempfehlungen für Ihr Handwerk und Ihre Produktion
- Prüfen Sie Ihre Beschaffung: Wo entstehen Kosten? Herkunft, Qualität, Mindestmengen und Lieferkette spielen eine Rolle.
- Stärken Sie den Mehrwert: Regionalität, Bio- oder Handwerks-Qualität kann differenzieren und rechtfertigt Preisunterschiede gegenüber Massenware.
- Kommunikation nach außen: Rücken Sie Preisbildung und Wertschöpfung in den Vordergrund – Kunden verstehen den Unterschied zwischen „billig“ und „wertvoll“.
- Kooperationen nutzen: Für Landwirte, Bäcker und Konditoren lohnt sich die Vernetzung – gemeinsame Vermarktung kann Mengen- und Kostenvorteile bringen.
- Service und Erlebnis schaffen: Im Café- oder Ladenbetrieb zahlt sich Service, Ambiente und Produktqualität zunehmend aus – nicht allein der Preis.
Schlussbemerkung
Für das Handwerk in Österreich bedeutet die aktuelle Preislage: Preise als isolierte Größe zu sehen, greift kurz. Vielmehr gilt es, den gesamten Wertschöpfungsprozess im Blick zu behalten – von der Landwirtschaft bis zum Regal bzw. Tresen. Wer diesen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, stärkt nicht nur den eigenen Betrieb, sondern trägt zur Sicherung der Qualität und Nachhaltigkeit im Lebensmittel-Handwerk bei.

