Branchentreffpunkt in Wien

Am 30. September 2025 versammelten sich rund 100 Fachleute beim 16. qualityaustria Lebensmittelforum in Wien. Vertreter:innen aus Landwirtschaft, Bäckerei, Konditorei und Lebensmittelindustrie diskutierten neue gesetzliche Vorgaben und Herausforderungen in der Lebensmittelproduktion. Ein zentraler Tenor: Qualität und Sicherheit können nur gewährleistet werden, wenn jedes Glied der Kette Verantwortung übernimmt – vom Landwirt über Bäcker, Konditoren und Produzenten bis hin zum Handel.

Wolfgang Leger-Hillebrand, Leitung Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria Certification; Franz Fischler, EU-Agrarkommissar a.D. (Bild: Anna Rauchenberger)

Wolfgang Leger-Hillebrand, Leitung Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria Certification; Franz Fischler, EU-Agrarkommissar a.D. (Bild: Anna Rauchenberger)

„Die Zukunft passiert nicht irgendwann, sie passiert jetzt“, betonte Wolfgang Leger-Hillebrand, Leiter des Branchenmanagements Lebensmittelsicherheit bei Quality Austria. Auch Ex-EU-Agrarkommissar Franz Fischler wies auf die Verantwortung der gesamten Wertschöpfungskette hin: Nur ein Zusammenspiel von Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel sichere nachhaltige Standards und faire wirtschaftliche Bedingungen.

v.l. Univ. Prof. Thilo Hofmann, Department für Umweltgeowissenschaften, Universität Wien; Charlotte Neumair, Teamlead Circularity, Circular Analytics TK GmbH; Wolfgang Leger-Hillebrand, Leitung Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria Certification © Anna Rauchenberger

v.l. Univ. Prof. Thilo Hofmann, Department für Umweltgeowissenschaften, Universität Wien; Charlotte Neumair, Teamlead Circularity, Circular Analytics TK GmbH; Wolfgang Leger-Hillebrand, Leitung Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria Certification © Anna Rauchenberger

Ernährung für fast zehn Milliarden Menschen

Einen globalen Blick brachte Univ. Prof. Thilo Hofmann von der Universität Wien ein. Er rechnete vor, dass bis 2050 knapp 9,7 Milliarden Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden müssen – die meisten davon in Städten. Angesichts knapper Flächen und steigender Nachfrage müsse die Produktion weltweit um bis zu 60 Prozent steigen.

Doch gleichzeitig werden heute bereits enorme Ressourcen verschwendet: Rund ein Drittel aller Lebensmittel landet nicht auf den Tellern, sondern im Abfall. Österreich ist hier keine Ausnahme – laut Umweltbundesamt werden jährlich etwa 800.000 Tonnen Lebensmittel in Österreich entsorgt. Ein bewusster Umgang mit Rohstoffen sowie eine Verringerung des Fleischkonsums könnten entscheidend dazu beitragen, Ressourcen effizienter zu nutzen und Emissionen zu senken.

Neue Regeln für Verpackungen

Ein Kernthema des Forums waren die kommenden EU-Vorgaben für Lebensmittelverpackungen. Ab 2030 gelten strengere Kriterien für Recyclingfähigkeit, die auch Österreichs Bäckereien, Konditoreien, Cafés und Zulieferer direkt betreffen.

Die Expertin Charlotte Neumair (Circular Analytics TK GmbH) betonte, dass Hersteller künftig für jedes verpackte Lebensmittel eine Konformitätserklärung vorlegen müssen. Das betrifft auch kleinere Produzenten in Österreich, etwa Bäckereien mit eigenem Verpackungssortiment oder regionale Schokoladenhersteller. Wer die Vorgaben nicht erfüllt, riskiert Produktrückrufe und hohe Strafen.

Die Österreichische Perspektive

Für Österreichs Lebensmittelhandwerk ist die Anpassung an neue Regelungen Herausforderung und Chance zugleich. Einerseits steigen Dokumentations- und Nachweispflichten. Andererseits können Betriebe, die auf nachhaltige Verpackungen, kurze Lieferketten und transparente Prozesse setzen, ihr Qualitätsversprechen an Konsument:innen unterstreichen.

Gerade für Bäcker, Konditoren, Pâtissiers und Chocolatiers eröffnet der Wandel neue Möglichkeiten, sich am Markt zu profilieren. Konsument:innen in Österreich legen zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit, regionale Zutaten und nachvollziehbare Produktionswege. Wer hier frühzeitig umsteigt, stärkt nicht nur die eigene Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch das Vertrauen der Kundschaft.

Gemeinsamer Weg in eine nachhaltige Zukunft

Das Lebensmittelforum machte deutlich: Ernährungssicherheit ist nicht allein eine globale Frage, sondern betrifft jedes Land und jede Branche. Österreichs Lebensmittelhandwerk steht damit vor einem Umbruch, der neue Anforderungen bringt, aber auch Innovationskraft freisetzt.

Die Botschaft der Vortragenden war eindeutig: Nur wenn alle Akteure – von Landwirt:innen über Bäcker:innen bis hin zu Industrie und Handel – an einem Strang ziehen, lassen sich Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit für kommende Generationen gewährleisten.

Übersicht der wichtigsten EU-Vorgaben für Verpackungen

 
Jahr Vorgabe
2030 Verpackungen müssen mindestens 70 % recyclingfähig sein. Nicht erfüllte Verpackungen dürfen in der EU nicht mehr in Verkehr gebracht werden.
2035 Zusätzlich zur Recyclingfähigkeit sind effektive Sammlung, Sortierung und Verwertung verpflichtend nachzuweisen.
2038 Nur noch Verpackungen mit > 80 % Recyclingfähigkeit zugelassen.