Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein weiteres herausforderndes Jahr liegt hinter uns. 2025 war geprägt von anhaltend hohen Inflationsraten, explodierenden Kosten und einer Vielzahl bürokratischer Anforderungen, die unseren beruflichen Alltag oft unnötig erschwert haben. Trotz dieser Rahmenbedingungen zeigt sich unsere Branche einmal mehr widerstandsfähig und lösungsorientiert – und genau diese Haltung macht unseren Berufsstand so stark.
Gleichzeitig dürfen wir den Blick nicht nur auf die Hürden richten: Auch im vergangenen Jahr konnten wir positive Entwicklungen verzeichnen, die Mut machen und zeigen, wie viel Potenzial in unserem Handwerk steckt. Besonders erfreulich ist, dass viele Betriebe innovative Wege eingeschlagen haben, um trotz widrigster Umstände erfolgreich zu bestehen.
Ein Thema, das uns weiterhin intensiv begleitet, ist der Personalmangel. Nach wie vor ist es entscheidend, jede offene Stelle dem AMS zu melden, damit der Bäckerberuf auf der Mangelberufsliste bleibt – denn nur so schaffen wir die Grundlage, qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland über die Rot-Weiß-Rot-Karte zu gewinnen. Parallel dazu setzen wir konsequent auf die Stärkung der Ausbildung in Österreich. Die überarbeitete Lehrabschlussprüfung für Bäckerinnen und Bäcker sowie die künftig kompetenzorientierte Meisterprüfung sind starke Schritte in Richtung Zukunft. Dabei geht es nicht mehr nur um theoretisches Wissen, sondern um echte, praxisnahe Fähigkeiten, die unser Handwerk auszeichnen.
Zu dieser Weiterentwicklung gehört auch die Begeisterung junger Talente – ein Bereich, der uns allen besonders am Herzen liegt. Unsere Wettbewerbe, die AustrianSkills sowie internationale Bewerbe wie die EuroSkills 2025 in Herning, zeigen eindrucksvoll, auf welch hohem Niveau unsere Nachwuchskräfte arbeiten. Die AustrianSkills sind als nationale Vorausscheidung von besonderer Bedeutung und machen das Können der jungen Talente sichtbar. In diesem Rahmen konnte sich Greta Theresa Steinhauser letztes Jahr durch ihre herausragenden Leistungen den Staatsmeistertitel sichern.
Auch Sarah Klinger überzeugte bereits 2023 mit ihrem Staatsmeistertitel und brachte im vergangenen Jahr trotz eines technischen Defekts am ersten Wettkampftag mit beeindruckender Konstanz und fachlichem Können ein Medallion of Excellence aus Herning nach Österreich. Diese Erfolge zahlen sich auch für die Sichtbarkeit unserer Branche aus – zum Welttag des Brotes am 16. Oktober präsentierte Sarah unser Handwerk im Frühstücksfernsehen.
Im Jahr 2026 erwartet uns zudem in der Wettbewerbslandschaft eine bedeutende Neuerung: Unser großer Brotwettbewerb kehrt in neuem Gewand zurück. Nach intensivem Austausch mit Jurorinnen und Juroren sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben wir beschlossen, den Fokus noch stärker auf die hervorragende Qualität österreichischer Bäckertradition zu legen. Der Wettbewerb wird künftig den Titel „Österreichischer Brotwettbewerb“ tragen. Internationale Teilnehmer bleiben selbstverständlich willkommen, doch die Maßstäbe und Auszeichnungen orientieren sich klar an unseren heimischen Qualitätsansprüchen.
Neben den strukturellen Herausforderungen verschärft auch die politische Unsicherheit die Situation vieler Betriebe. Oft mangelt es an klaren Konzepten für eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft, und selbst gute Vorschläge scheitern nicht selten an der unklaren Finanzierung. Auch 2026 wird die Bundesinnung daher alles daransetzen, die Interessen unserer Branche wirkungsvoll zu vertreten. Unsere Arbeit in Brüssel bleibt dabei ein wesentlicher Hebel: Wir suchen aktiv den Austausch mit den maßgeblichen Entscheidern, sammeln Informationen und knüpfen EU-weite Kooperationen, um konkrete Verbesserungen für unsere Betriebe in Österreich zu erzielen.
Diese Arbeit ist oft eine wahre Sisyphus-Aufgabe, doch sie trägt Früchte – wie etwa die erreichte Verschiebung der Entwaldungsverordnung, die uns wertvolle Zeit verschafft hat, um weiteres Augenmaß einzufordern. Gleichzeitig steigt der Druck durch Vorgaben des Green Deals und der Lieferkettenregulierungen. Dennoch bin ich überzeugt: Unternehmertum setzt sich durch, weil unsere Branche weiterhin tolle junge Fachkräfte hervorbringt, die mit klaren Ideen und ihrer Verbindung zu ihren Kundinnen und Kunden neue Impulse setzen.
Diese Zukunftsfähigkeit erfordert viel – oft mehr, als man auf den ersten Blick sieht: gute Produkte, modernes Marketing, Mitarbeiterführung, digitale Sichtbarkeit, Investitionsplanung und Finanzmanagement. Kurz gesagt: Heute ist man ein echter Allrounder, um all diese Aufgaben unter einen Hut zu bringen. Doch wenn jemand das kann, dann unsere Bäckerinnen und Bäcker.
Zu unseren Erfolgen zählen auch konstruktive Lösungen auf nationaler Ebene, wie etwa der Kompromiss beim Thema Mehlstaub bei Schwangeren, der endlich eine praxistaugliche Grundlage schafft. Das drohende totale Beschäftigungsverbot für Schwangere in unseren Betrieben konnte damit abgewendet werden.
Ebenso hoffen wir, dass politische Versprechen – etwa zur Abschaffung der Belegerteilungspflicht für Kleinstbeträge oder beim Bürokratieabbau – nicht nur angekündigt, sondern tatsächlich umgesetzt werden.
Wichtig bleibt: Wir wollen Sie, unsere Mitgliedsbetriebe, aktiv einbinden. Konkrete Anliegen und fachliche Expertise sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Arbeit. Aus diesem Grund starten wir 2026 ein neues Format: Expertenarbeitsgruppen, in denen sich interessierte Betriebe und Fachleute direkt in aktuelle Fachthemen einbringen können. Eine eigene Aussendung mit Anmeldemöglichkeit folgt – und selbstverständlich können Sie sich jederzeit auch proaktiv an die Bundesinnung wenden.
Abschließend möchte ich betonen: Trotz aller Herausforderungen dürfen wir stolz sein. Unsere Branche zeigt, wozu sie fähig ist, wenn Zusammenhalt, fachliches Können und Innovationsgeist aufeinandertreffen. 2025 hat uns viel abverlangt – und dennoch haben wir gemeinsam unglaublich viel erreicht.
Ich danke Ihnen allen für Ihren Einsatz, Ihre Leidenschaft und Ihren unerschütterlichen Willen, unser schönes Handwerk weiterzutragen. Lassen Sie uns diesen Weg auch 2026 gemeinsam gehen – mit Mut, Kreativität und dem Vertrauen darauf, dass wir als Branche auch kommende Herausforderungen gebäckermeistert bekommen.
Mit kollegialen Grüßen
KommR Mst. Josef Schrott
Bundesinnungsmeister-Stellvertreter
Innungsmeister der österreichischen Bäcker