Traditionsbetrieb in Kobersdorf vor dem Neustart

Die Bäckerei Kern mit Sitz im burgenländischen Kobersdorf (Bezirk Oberpullendorf) hat Insolvenz angemeldet. Betroffen sind zwei formal getrennte, aber gemeinsam betriebene Unternehmen mit Gesamtverbindlichkeiten von rund 1,8 Millionen Euro. Das Insolvenzverfahren wurde ohne Eigenverwaltung eröffnet, als Masseverwalter wurde die ATEUS Rechtsanwälte GmbH eingesetzt. Laut Kreditschutzverband von 1870 (KSV1870) sind 22 Mitarbeiter:innen betroffen.

Regionale Versorgung stand im Mittelpunkt

Die in Kobersdorf hergestellten Backwaren wurden in erster Linie regional vermarktet. Neben ortsnahen Nahversorgern belieferte die Bäckerei auch Filialen in Mattersburg und Oberwart sowie ein Einkaufszentrum im steirischen Hartberg. Die beiden Filialen mussten allerdings bereits vor einiger Zeit geschlossen werden.

Pandemie und Energiepreise als Auslöser

Wie in vielen kleineren und mittleren Bäckereien in Österreich führte die Covid-19-Pandemie auch bei der Bäckerei Kern zu drastischen Umsatzeinbußen. Zusätzlich setzten die zuletzt stark gestiegenen Energiepreise dem Betrieb weiter zu. Die wirtschaftliche Belastung war schließlich nicht mehr tragbar.

Ziel: Sanierung und Fortführung

Das Verfahren wurde als Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eingeleitet – Ziel ist es, den Betrieb fortzuführen. Der erste Termin zur Tagsatzung ist für Ende September angesetzt. Dort soll über den vorgeschlagenen Sanierungsplan abgestimmt werden. Genauere Informationen über die geplante Quote für Gläubiger lagen zum Redaktionszeitpunkt noch nicht vor.

Insolvenzen im Bäckerhandwerk – eine Entwicklung mit System?

Die wirtschaftliche Lage für viele handwerkliche Bäckereien in Österreich bleibt angespannt. Laut Wirtschaftskammer ist insbesondere die Kombination aus gestiegenen Rohstoffkosten, hohen Energietarifen und Personalmangel eine große Herausforderung. Die Zahl der Insolvenzen im Lebensmittelgewerbe – insbesondere im Bereich Bäckerei/Konditorei – ist laut KSV in den vergangenen zwei Jahren gestiegen. Auch Cafetiers, Pâtissiers, Chocolatiers und regionale Direktvermarkter sind zunehmend betroffen.