Bun-Offensive: Warum das neue CHG-Zentrum auch Österreich betrifft
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Der US-amerikanische Lebensmittel- und Backwarenkonzern C.H. Guenther & Son baut seine europäischen Entwicklungsaktivitäten aus. Am britischen Produktionsstandort Coventry hat das Unternehmen ein neues „Centre of Excellence“ eröffnet. Das Innovationszentrum soll gemeinsam mit Kunden neue Backwaren entwickeln, testen und auf die industrielle Produktion vorbereiten.
Zu den Kunden des Konzerns zählen internationale Schnellrestaurantketten, Foodservice-Unternehmen und Handelsbetriebe. Ausdrücklich genannt wird auch McDonald’s, für das C.H. Guenther seit vielen Jahren Backwaren produziert.
Von der Produktidee direkt in die Großserie
Das rund 172 Quadratmeter große Entwicklungszentrum umfasst eine Versuchsbäckerei im kommerziellen Maßstab, eine Demonstrationsküche, Einrichtungen für sensorische Prüfungen sowie eigene Entwicklungs- und Besprechungsräume.
Neue Produkte sollen damit an einem Standort entwickelt, verkostet, optimiert und unter praxisnahen Bedingungen getestet werden können. Ziel ist es, Entwicklungszeiten zu verkürzen und neue Konzepte schneller in die industrielle Fertigung zu überführen.
Das Zentrum befindet sich unmittelbar neben einer der modernsten Produktionsanlagen des Konzerns. In die 2023 eröffnete Großbäckerei in Coventry wurden rund 38 Millionen britische Pfund investiert. Nach Unternehmensangaben können dort etwa 72.000 Buns pro Stunde hergestellt werden.
Potato Buns, Free-from und mehr Protein
Mit dem neuen Zentrum reagiert C.H. Guenther nach eigenen Angaben auf eine steigende Nachfrage nach höherwertigen und stärker differenzierten Backwaren. Besonders dynamisch entwickle sich derzeit das Segment der Potato Buns – weicher Burgerbrötchen, bei denen Kartoffelbestandteile für eine saftige Textur sorgen.
Weitere Schwerpunkte sind Free-from-Produkte, proteinreiche Backwaren, kleinere Portionsgrößen und Erzeugnisse mit handwerklich beziehungsweise „artisan-inspired“ anmutender Optik. Diese Trends sollen im Entwicklungszentrum zunächst als Prototypen umgesetzt, sensorisch geprüft und anschließend in der Pilotbäckerei validiert werden.
Damit rücken Produktentwicklung und industrielle Produktion noch enger zusammen. Für Bäckereien und Zulieferer ist das auch deshalb interessant, weil viele Entwicklungen aus der Systemgastronomie später in andere Foodservice- und Handelssegmente ausstrahlen.
Der Österreich-Bezug führt nach Korneuburg
Die Eröffnung in Großbritannien ist auch für den österreichischen Backwarenmarkt relevant. C.H. Guenther erweiterte sein europäisches Produktionsnetz 2025 um einen Standort im Raum Wien. Dahinter steht die Austrian Hamburger Bakery, kurz AHB, in Korneuburg.
Mittlerweile ist die britische Konzerngesellschaft Guenther Bakeries UK Limited laut österreichischem Firmenbuch alleinige Gesellschafterin der dort ansässigen AHB Backwaren Produktion GmbH. C.H. Guenther selbst führt den österreichischen Betrieb in seiner Unternehmensgeschichte als Teil der europäischen Expansion im Geschäft mit Hamburger-Buns.
Die AHB beliefert McDonald’s Österreich bereits seit 1996. Nach Angaben des Systemgastronomen werden in Korneuburg jährlich rund 110 Millionen Burger-Buns und zwei Millionen Premium-Donuts für mehr als 200 österreichische Restaurants hergestellt.
Was bedeutet das für die Produktion in Österreich?
Welche konkreten Auswirkungen das neue Innovationszentrum auf den Standort Korneuburg haben wird, geht aus der Aussendung nicht hervor. Bislang wurden weder neue Investitionen noch zusätzliche Kapazitäten oder Arbeitsplätze in Österreich angekündigt.
Die strategische Verbindung ist dennoch bemerkenswert: C.H. Guenther bezeichnet das Zentrum ausdrücklich als Baustein für weiteres Wachstum in Großbritannien und der Europäischen Union. Da die Gruppe in Österreich über einen bedeutenden Bun-Produktionsstandort verfügt, könnten künftig auch in Coventry entwickelte Produkte oder Verfahren in das österreichische Produktionsnetz einfließen.
Ob dies tatsächlich geplant ist und welche Produktgruppen dabei im Mittelpunkt stehen, bleibt offen. Ebenso interessant ist die Frage, ob der Standort Korneuburg langfristig ausschließlich für McDonald’s produzieren oder auch weitere Kunden aus Systemgastronomie, Foodservice und Handel bedienen soll.
Deutliches Signal an die Backwarenbranche
Die Investition zeigt, wohin sich die industrielle Backwarenproduktion entwickelt: Großkunden erwarten nicht mehr nur hohe Stückzahlen und gleichbleibende Qualität. Gefragt sind immer kürzere Entwicklungszyklen, kundenspezifische Rezepturen, sensorische Tests und Produkte, die aktuelle Ernährungstrends rasch aufgreifen.
Auch für österreichische Bäcker und Backwarenhersteller lohnt sich daher ein genauer Blick nach Coventry. Potato Buns, proteinreiche Rezepturen, kleinere Portionsgrößen und eine handwerklich wirkende Produktgestaltung dürften künftig nicht nur die Systemgastronomie, sondern zunehmend auch das Snack- und Handelsgeschäft prägen.
Quelle: Unternehmensangaben von C.H. Guenther & Son, Firmenbuch sowie McDonald’s Österreich.

