Die Nachfrage nach pflanzlichen Milchalternativen wächst kontinuierlich. Laut aktuellen Daten kaufen mittlerweile rund 50 Prozent der österreichischen Haushalte entsprechende Produkte, der Absatz ist in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 38 Prozent gestiegen. Parallel dazu rückt jedoch zunehmend die Frage nach der ernährungsphysiologischen Qualität in den Fokus.

Eine aktuelle Untersuchung des vorsorgemedizinischen Instituts SIPCAN hat 444 in Österreich erhältliche Milchalternativen analysiert. Das Ergebnis zeigt ein differenziertes Bild: Rund ein Drittel der Produkte erfüllt die wissenschaftlich definierten Orientierungskriterien nicht. Diese betreffen insbesondere den Zucker- und Fettgehalt sowie den Verzicht auf zugesetzte Süßungsmittel.

Kokosprodukte mit deutlichen Schwächen

Besonders kritisch bewertet die Studie Milchalternativen auf Kokosbasis. Nur etwa 12 Prozent dieser Produkte entsprechen den definierten Kriterien. Der durchschnittliche Zuckergehalt liegt mit 7,1 Gramm pro 100 Milliliter über dem empfohlenen Grenzwert von 6,7 Gramm. Auch beim Fett zeigen sich deutliche Abweichungen: Mit durchschnittlich 6,5 Gramm pro 100 Milliliter wird der Grenzwert von 4,2 Gramm klar überschritten.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist vor allem die Fettzusammensetzung problematisch. Kokosfett enthält einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, während gesundheitsrelevante ungesättigte Fettsäuren vergleichsweise gering vertreten sind. Diese Zusammensetzung wirkt sich negativ auf die Bewertung im Rahmen der Analyse aus.

Hafer und Mandel deutlich besser bewertet

Deutlich positiver fällt das Ergebnis bei Milchalternativen auf Hafer- und Mandelbasis aus. Hier erfüllen jeweils rund 85 Prozent der Produkte die festgelegten Kriterien. Der durchschnittliche Zuckergehalt liegt bei Haferprodukten bei 4,3 Gramm und bei Mandelprodukten bei 2,1 Gramm pro 100 Milliliter. Auch beim Fett bleiben beide Varianten mit 1,9 Gramm beziehungsweise 2,1 Gramm klar unter den definierten Grenzwerten. Diese Ergebnisse unterstreichen, dass pflanzliche Milchalternativen keineswegs einheitlich zu bewerten sind, sondern stark vom verwendeten Rohstoff abhängen.

Trinkprodukte schneiden besser ab als Löffelvarianten

Ein weiterer Unterschied zeigt sich zwischen verschiedenen Produktkategorien. Während rund 90 Prozent der Milchalternativen zum Trinken die Kriterien erfüllen, liegt dieser Anteil bei löffelbaren Produkten nur bei etwa 25 Prozent. Auch hier lohnt sich für Konsumentinnen und Konsumenten ein genauer Blick auf die Zusammensetzung.

Relevanz für Handwerk und Produktentwicklung

Für das Bäcker- und Konditorenhandwerk gewinnen pflanzliche Alternativen zunehmend an Bedeutung – sei es für vegane Gebäcke, Desserts oder Kaffeespezialitäten. Die vorliegenden Ergebnisse liefern eine wichtige Orientierung für die Auswahl geeigneter Rohstoffe und Produkte. Insbesondere im Hinblick auf ernährungsbewusste Kundinnen und Kunden wird die Qualität der eingesetzten Zutaten zu einem entscheidenden Faktor. Produkte auf Hafer- und Mandelbasis bieten hier derzeit die besten Voraussetzungen, während Kokosprodukte differenziert betrachtet werden sollten.

Transparenz als Entscheidungshilfe

Die vollständigen Ergebnisse sowie die zugrunde liegenden Bewertungskriterien sind in einer öffentlich zugänglichen Online-Datenbank abrufbar. Für Betriebe wie auch für Konsumentinnen und Konsumenten bietet dies eine fundierte Grundlage, um Produkte gezielt auszuwählen und bewusste Entscheidungen zu treffen.