Forschung trifft Praxis in der Lebensmittelwirtschaft
Für österreichische Bäcker, Konditoren, Cafetiers, Pâtissiers, Chocolatiers sowie Bonbon- und Agrar-Produzenten ist die Verbindung von Wissenschaft und Anwendung essenziell. Der Wissenschaftspreis DER ALIMENTARIUS, vergeben von der Fachzeitschrift DIE ERNÄHRUNG, würdigt genau diesen Brückenschlag: junge Forscherinnen und Forscher, die im Themenfeld Lebensmittel- und Ernährungstechnologie Neues anstoßen. In diesem Jahr erreichten laut Veranstalter so viele hochqualifizierte Einreichungen wie nie zuvor.
Preisverleihung in Wien
Die Auszeichnung fand am 6. November 2025 im Vienna Marriott Hotel in Wien statt. Dabei richtete der Rektor der Veterinärmedizinische Universität Wien einen Appell an die Lebensmittelwirtschaft: Qualität in der Produktion, räumliche Nähe zu den Rohstoffen und Innovationen seien angesichts des Strukturwandels in der Landwirtschaft und der Folgen des Klimawandels zentrale Aufgaben.
Die prämierten Arbeiten im Überblick
| Kategorie | Preisträger/in | Thema der Arbeit |
|---|---|---|
| Dissertation (1. Platz) | Dr. nat. techn. Jorge Rivera | Computergestützte Simulation thermischer Verfahren in der Lebensmittelverarbeitung zur Optimierung von Sicherheit und Qualität. |
| Sonderpreis (Juristische Dissertation) | Dr.in Marina Murko, BA | Verantwortung von Unternehmen und Leitungsorganen in der Lieferkette mit Fokus auf Risiko- und Compliance-Management. |
| Masterarbeit (1. Platz, ex aequo) | Dipl.-Ing. Rafaela Scheibelberger, BSc | Innovativer Ansatz zur Bestimmung des Gliadin/Glutenin-Verhältnisses in Weizenmehl als Qualitätsmarker für Backeigenschaften. |
| Masterarbeit (1. Platz, ex aequo) | Lukas Meusburger, MSc | Einfluss von Fettsäuren und deren Oxidationsprodukten aus der Nahrung auf entzündliche Darmerkrankungen. |
Für Sie als Fachpublikum aus der Back- bzw. Süßwarenbranche sind insbesondere die Arbeiten von Scheibelberger und Meusburger bedeutsam: Die erste liefert direkt eine praxisrelevante Technologie zur Qualitätsbeurteilung von Mehl – ein wichtiger Faktor für Bäckereien und Konditoreien. Die zweite bringt Erkenntnisse zur Wirkung von Fettsäureprofilen – relevant u. a. für Zutatenwahl, Gesundheit und Produktqualität.
Relevanz für das österreichische Handwerk
- Qualitätssteigerung bei Rohstoffen: Bäcker und Pâtissiers profitieren von neuen Messmethoden für Mehlqualitäten – gezielter Einsatz von Weizensorten möglich.
- Lieferkette & Compliance: Chocolatiers oder Bonbonhersteller, die global oder regional beschaffen, erhalten Impulse zur Stärkung von Risiko- und Compliance-Management.
- Innovationsdruck in Verarbeitung: Betriebe sind gefordert, Verarbeitungstechnologien modern auszurichten – etwa zur Gewährleistung von Lebensmittelsicherheit oder zur Reduktion von Gär- und Backzeiten.
- Landwirtschaft & Rohstoffnähe: Der Appell, regionale Rohstoffe mit hoher Qualität zu nutzen, trifft gerade auf kleine land‐ und handwerkliche Betriebe in Österreich zu – ökologische Verantwortung und Wettbewerbsvorteil.
Warum lohnt sich die Teilnahme für Studenten und Betriebe?
Der Preis ist mit € 6.000 dotiert und wird seit 2019 jährlich vergeben. Damit kann gezielt Forschung gefördert werden, die direkt in die Lebensmittel- und Futtermittelbranche übergeht. Für größere Betriebe und Kooperationspartner bietet sich die Möglichkeit, frühzeitig neue Technologien oder Methoden zu entdecken, die sich im Handwerk oder in der Produktion umsetzen lassen.
Ausblick für kleine und mittlere Betriebe
Auch wenn man nicht selbst das Forschungsprojekt stellt: Nutzen Sie die Impulse – etwa durch Kooperation mit Hochschulen oder Technologiepartnern. Beobachten Sie Methoden, die bereits ausgezeichnet wurden: z. B. Mehlanalyseverfahren oder Herkunfts-/Lieferketten-Werkzeuge. Betriebe, die proaktiv agieren, sind besser aufgestellt für Anforderungen wie Nachweispflichten, Qualitätsstandards und Verbraucheransprüche.




