Zur Skisaison-Eröffnung im Dezember wurde noch gesägt und geschraubt im „Sandhof”-Appartementhaus, zwei Monate später zieht Martin Walch aber glücklich Bilanz: „Das Konzept wird von Einheimischen wie Gästen sehr gut angenommen!“ Was zwischen der Bergbahn Oberlech und dem Schlosskopflift in schöner Vorarlberger Holzbauweise etabliert wurde, ist nämlich Neuland. „Das neue Bäckerei-Café entstand aus dem Wunsch nach Weiterentwicklung und aus Gesprächen mit Martin Prodinger vom Hotel Sandhof“, erinnert sich Walch an den Start. Im Sommer 2025 erweiterte der Hotelier sein Angebot um elf Zimmer in Form eines Appartementhauses. Das Erdgeschoß, da waren sich die beiden Ur-Arlberger schnell einig, wollte man sich teilen: „tagsüber Backstube, abends Weinbar – als Lokal, das den ganzen Tag belebt ist“.

Sauerteig und Sherry-Raritäten

Die bisherige Bäckerei im Ortskern des Skiorts wechselte quasi nur die Straßenseite und fungiert bis 15.30 Uhr als qualitätsorientiertes Café. Das Doppelgebäck „Pürli“ etwa gibt es da zu genießen, aber auch den Kaffee aus eigener Röstung. Ab dem späteren Nachmittag übernimmt dann Sommelier Johann Artner. Dank des dritten Partners neben Hotelier Prodinger und Bäcker Walch, „trinkreif“-Gründer und Lech-Liebhaber Clemens Riedl, ist die Jahrgangstiefe außergewöhnlich: Weine aus 40 Jahrgängen, bis zurück nach 1860 (!), stehen bereit. Die „Sandhof“-Vinothek nützt aber auch abends die Vorzüge der Bäckerei. Und reicht neben alpinen Genussbroten aus der Lecher Backstube zum Wein auch warme Specials wie Raclette-Brote.

Denn eine verbindende Klammer zur Backstube Lech, so die Partner von „trinkreif“, liegt in der Selektion der Getränke: „Die Weine kommen überwiegend aus handwerklich arbeitenden Betrieben mit nachhaltigem Anbau.“ Was das klassische Sortiment des Bäckers betrifft, ging die unkonventionelle Paarung aber auch auf: „Besonders gefragt sind unsere Croissants“, resümiert Martin Walch die ersten Betriebsmonate. Vor allem der Schinken-Käse-Toast („einfach, aber heiß begehrt!“) auf dem Dinkelkasten-Sauerteigbrot erwies sich als Renner bei den Gästen.

Hat man Glück, kann man ihn auf der beheizten Terrasse mit Blick auf den Kirchturm des Skiorts genießen. Ein weiteres attraktives Plätzchen schuf man in der „Sandhof Café & Weinbar“ mit den Sitzplätzen am Fluss Lech.

Skispitzen zum Knabbern

Die Spezialitäten der Lecher Bäckerei haben natürlich oft Bezug zur weltbekannten Skiregion. Martin Walch, der das Familienunternehmen seit 2012 führt, hat etwa das „Skiclub-Brot“ im Angebot. Das dreieckige 100-Prozent-Roggen-Brot ohne Hefe steht neben dem „Skispitzle“, einem Mischgebäck mit Natursole und Körnern. Letzteres gibt es im Format „Midi“ – wie viele andere Gebäcksorte auch für die vielen Gastrokunden am Arlberg. „Durch die kleinere Größe kann eine weitere Sorte probiert werden, ohne übersättigt zu sein oder einen Teil des Gebäcks übrig lassen zu müssen.“ Praktisch für die Frühstücksgäste, nachhaltig für das Hotel!

© Hotel Sandhof Lech

© Hotel Sandhof Lech

Diese Kooperationen reichen weit zurück in der Bäckerfamilie, die seit drei Generationen den Arlberg und seine Touristen versorgt. Bezeichnend ist die Anekdote von Martin Walchs Großmutter Ida, die von den Anfangsjahren handelt. Pro Skitourist habe man mit einer Semmel und einem Kipferl gerechnet. So wurde die Walch’sche Lieferung zum Ersatz der Nächtigungsstatistik: „Das Fremdenverkehrsamt hat dann immer bei uns angerufen und gefragt, wie viele Semmeln wir ausgeliefert haben. Und anhand dessen die Gästezahl geschätzt.“

Der hohe Servicegrad gegenüber den Hotelbetreibern ist für die Lecher Backstube aber auch in Zeiten digitaler Meldedaten selbstverständlich. Durch die Gastro-Abnehmer „entstehen viele Sonderwünsche, die nur im direkten Austausch möglich sind“, so Martin Walch. Dass man sich nicht als Lieferant, sondern Partner der Beherbergungsbetriebe versteht, prägt nämlich auch die Personalplanung: „Als Saisonbetrieb beschäftigen wir im Winter rund 28 Mitarbeiter, im Sommer etwa die Hälfte“, folgt die Bäckerei dem touristischen Rhythmus. Schon das zweite Jahr kommt etwa ein Bäcker aus Portugal nach Lech, der hier seine ganz spezielle Wintersaison in der Kälte der Arlberger Bergwelt genießt.

Energieschonende Teigruhe

Auch Personalzimmer, wie man sie aus der Hotellerie kennt, hat die Bäckerei seit dem Neubau 2018 zu bieten. „Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen müssen nun nicht mehr nachts bei Schnee und Kälte mit dem Bus zur Arbeit fahren, sondern einfach nur gemütlich ein Stockwerk nach unten gehen.“ Wichtig war bei diesem Schritt zur 600 m2 großen Produktion auch die Photovoltaik-Anlage. Sie deckt tagsüber den Strombedarf, während in der Bäckerei selbst zwei Brenner die Backöfen befeuern. Mittels Rückgewinnung wird Wärme für die Beheizung des Hauses gespeichert, aber auch die am Arlberg wichtige schneefreie Zufahrt durch die Überwärme gesichert.

Bäcker Walch freut die Anerkennung für die Klassiker seines Hauses wie das Sauerteigbrot, den „Lecher Laib“ oder das Älplerbaguette. Denn so erleben auch Tagestouristen das Handwerk mit regionalen Zutaten, Liebe zum Detail und Zeit – „gutes Brot braucht Ruhe“. Den Schauraum dafür hat er nun, den Champagner, um darauf anzustoßen – zumindest ab 15.30 Uhr – auch!

Autor: Roland Graf

Backstube Lech – Walch GmbH
Strass 748
6764 Lech
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