Sorge um faire Rahmenbedingungen
Die jüngste Entscheidung im Zusammenhang mit dem Mercosur-Abkommen stößt in Österreichs Agrar- und Lebensmittelwirtschaft auf deutliche Kritik. Andreas Steinegger, Präsident der Landwirtschaftskammer Steiermark, sieht darin einen Rückschritt für heimische Betriebe und warnt vor wachsenden Wettbewerbsverzerrungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft bis zum verarbeitenden Gewerbe.
Aus Sicht Steineggers seien die bisherigen Zusagen der EU-Kommission nicht ausreichend, um gleiche Produktionsbedingungen sicherzustellen. Das betreffe nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern auch Bäckereien, Konditoreien und andere Lebensmittelverarbeiter, die auf hochwertige und nachvollziehbar erzeugte Rohstoffe angewiesen sind.
Fünf-Punkte-Programm als Signal nach Brüssel
Als Reaktion legt Steinegger ein Fünf-Punkte-Programm vor, das den Schutz heimischer Produktion in den Mittelpunkt stellt. Ziel sei es, faire Marktbedingungen zu sichern und die Versorgung mit sicheren Lebensmitteln langfristig abzusichern. Gerade für Österreichs kleinteilig strukturierte Betriebe seien klare und verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend.
EU-Agrarbudget und Versorgungssicherheit
Ein zentraler Punkt ist eine eigenständige und ausreichend finanzierte EU-Agrarpolitik. Steinegger warnt vor Kürzungen im Agrarbudget und fordert ab 2028 eine Aufstockung sowie eine Anpassung an die Inflation. Diese Mittel seien nicht nur für landwirtschaftliche Betriebe relevant, sondern wirkten sich unmittelbar auf Preisstabilität, Rohstoffverfügbarkeit und Qualität im Lebensmittelhandwerk aus.
Herkunftskennzeichnung als Orientierung für Konsumenten
Besonders betont Steinegger die Bedeutung einer verpflichtenden, durchgängigen Herkunftskennzeichnung für alle Lebensmittel. Diese müsse auch für Gastronomie und verarbeitete Produkte gelten. Transparenz sei ein zentrales Anliegen vieler Konsumentinnen und Konsumenten und stärke jene Betriebe, die auf regionale Rohstoffe und hohe Standards setzen.
Importstandards, Krisenschutz und Betriebsmittel
Kritisch sieht Steinegger Importe aus Drittstaaten, die unter niedrigeren Produktions- und Umweltstandards hergestellt werden. Lebensmittel, die nicht den EU-Vorgaben entsprechen, dürften keinen Zugang zum europäischen Markt erhalten. Ergänzend fordert er krisenfeste Schutzklauseln bei Marktverwerfungen sowie leistbare Düngemittel, etwa durch eine Entlastung bei der CO₂-Bepreisung. Ziel sei es, Wettbewerbsfähigkeit und Planungssicherheit für heimische Betriebe zu erhalten.
Mit seinem Maßnahmenpaket will Steinegger den Druck auf Brüssel erhöhen, die Interessen der österreichischen Landwirtschaft und der verarbeitenden Lebensmittelbetriebe stärker zu berücksichtigen und bestehende Regelungen nachzuschärfen.