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Salzreduktion in Brot: Was neue Studien aus Frankreich und Großbritannien wirklich zeigen

Zwei aktuelle Studien aus Frankreich und Großbritannien belegen: Eine schrittweise Reduktion des Salzgehalts in Brot und Fertignahrungsmitteln kann auf Bevölkerungsebene tausende schwere Erkrankungen verhindern. Brot wird dabei nicht als Problem identifiziert, sondern als wirkungsvolle Stellschraube – gerade weil es regelmäßig konsumiert wird und technologisch differenziert hergestellt werden kann.

Salz, Blutdruck und Bevölkerungsgesundheit: der wissenschaftliche Hintergrund

Ein hoher Salzkonsum gilt seit Langem als zentraler Risikofaktor für die Entstehung von arterieller Hypertonie. In industrialisierten Ländern entwickelt mehr als die Hälfte der Bevölkerung im Laufe des Lebens einen erhöhten Blutdruck. Hypertonie wiederum erhöht nachweislich das Risiko für Schlaganfall, koronare Herzkrankheit, chronische Nierenerkrankungen und vaskuläre Demenz.

Vor diesem Hintergrund konzentriert sich die Präventionsforschung zunehmend auf strukturelle Maßnahmen, die nicht auf individuelles Verhalten setzen, sondern auf Rezepturveränderungen in häufig konsumierten Lebensmitteln. Brot nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein – nicht wegen eines außergewöhnlich hohen Salzgehalts, sondern aufgrund seiner hohen Verzehrhäufigkeit.

Die Frankreich-Studie: Modellrechnung mit klarer Aussage

Eine 2026 in der Fachzeitschrift Hypertension veröffentlichte Studie analysiert die gesundheitlichen Effekte eines nationalen Programms zur Salzreduktion in Frankreich. Untersucht wurde nicht ein einzelnes Produkt, sondern die gesamtgesellschaftliche Wirkung verbindlicher Salzobergrenzen für Brot und ausgewählte Fertignahrungsmittel.

Die Forschenden nutzten epidemiologische Daten zur Salzaufnahme, Blutdruckverteilung und Krankheitslast und kombinierten diese mit bekannten Dosis-Wirkungs-Zusammenhängen zwischen Natriumaufnahme und Hypertonierisiko. Das Ergebnis der Modellierung ist eindeutig:

Eine schrittweise Reduktion des durchschnittlichen Salzgehalts – ohne Änderung des individuellen Konsumverhaltens – könnte in Frankreich jährlich mehr als 1.000 Todesfälle verhindern. Der größte Effekt ergibt sich dabei aus einer Reduktion von Schlaganfällen und kardiovaskulären Ereignissen.

Entscheidend ist die Einordnung: Die Studie bewertet keinen Verzicht, sondern eine moderate Anpassung bestehender Rezepturen, verteilt über mehrere Jahre.

Großbritannien: Langzeitdaten aus der Praxis

Eine zweite, ebenfalls in Hypertension publizierte Studie analysiert die britische Salzstrategie, die bereits seit den frühen 2000er-Jahren auf produktkategoriespezifische Zielwerte setzt. Brot ist darin ausdrücklich enthalten.

Im Unterschied zur französischen Arbeit handelt es sich hier nicht um eine reine Modellrechnung, sondern um eine Evaluation real umgesetzter Maßnahmen. Die Ergebnisse zeigen:

Die durchschnittliche Salzaufnahme der Bevölkerung ist signifikant gesunken. Parallel dazu ging der mittlere systolische Blutdruck zurück. Auf Bevölkerungsebene resultierte daraus ein messbar reduziertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bemerkenswert: Die Reduktionen erfolgten schrittweise und weitgehend ohne negative Effekte auf Absatz oder Produktakzeptanz. Sensorische Anpassungen wurden von Konsument:innen kaum bewusst wahrgenommen.

Warum Brot im Fokus steht – und warum das kein Angriff auf das Handwerk ist

Brot trägt in vielen europäischen Ländern rund 10 bis 25 Prozent zur täglichen Salzaufnahme bei. Dieser Anteil erklärt sich nicht durch extreme Salzgehalte, sondern durch die Rolle von Brot als Grundnahrungsmittel. Genau darin liegt aus Sicht der Präventionsforschung der Hebel: Kleine Veränderungen pro 100 Gramm entfalten auf Bevölkerungsebene eine große Wirkung.

Die Studien machen jedoch ebenso klar, was sie nicht sagen:

Brot ist kein gesundheitliches Risiko an sich. Salz ist kein „verbotener“ Inhaltsstoff.
Handwerkliche Betriebe sind nicht Ziel regulatorischer Kritik. Vielmehr zeigen die Daten, dass Brot – gerade wegen seiner technologischen Vielfalt – Teil der Lösung sein kann.

Durchschnittliche Salzgehalte: realistisch und einordnend

Analysen im deutschsprachigen Raum zeigen, dass der Salzgehalt von Broten stark variiert. Üblich sind Werte zwischen etwa 1,2 und 1,8 Gramm Salz pro 100 Gramm Brot, abhängig von Sorte, Rezeptur und Teigführung. Bezogen auf das Mehl entspricht das häufig rund 1,5 bis 2,0 Prozent Salz.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sind bereits Reduktionen im Bereich von 5 bis 10 Prozent relevant, wenn sie flächendeckend umgesetzt werden. Solche Anpassungen liegen deutlich unterhalb dessen, was sensorisch klar wahrgenommen wird – insbesondere bei längeren Teigführungen.

Salzreduktion aus technologischer Sicht: möglich, aber nicht trivial

Die Studien berücksichtigen bewusst nicht die backtechnologischen Details. Für das Fachpublikum ist daher wichtig festzuhalten: Salz erfüllt im Brot mehrere Funktionen – von der Glutenstabilisierung über die Gärungssteuerung bis zur Aromabildung.

Internationale Erfahrungen zeigen jedoch, dass schrittweise Reduktionen mit:  längerer Teigführung, Vorteigen oder Sauerteiganteilen,  und präziser Prozesskontrolle technologisch umsetzbar sind, ohne Qualitätseinbußen zu verursachen. Entscheidend ist der Zeitfaktor – abrupte Grenzwerte sind deutlich problematischer als langfristig angelegte Zielkorridore.

Studien liefern Zahlen – das Handwerk liefert Lösungen

Die aktuellen Studien aus Frankreich und Großbritannien liefern belastbare Daten für die gesundheitspolitische Diskussion um Salz. Sie zeigen, dass Brot aufgrund seiner Alltagsrelevanz eine zentrale Rolle spielt – nicht als Problemprodukt, sondern als wirksamer Ansatzpunkt für Prävention.

Für das Bäckerhandwerk bedeutet das: Brot bleibt ein hochwertiges Grundnahrungsmittel. Die Forschung eröffnet keinen Angriff, sondern einen Gestaltungsraum. Maßvolle, fachlich fundierte Rezepturanpassungen können Teil einer gesundheitlich sinnvollen Gesamtstrategie sein – ohne das Brot, seine Qualität oder seine kulturelle Bedeutung infrage zu stellen.

Die französische Studie finden Sie hier.

Die englische Studie finden Sie hier.

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