Die enge Zusammenarbeit des Lebensmittelhandwerks ist unser Erfolgsrezept

Rückblick auf ein bewegtes Jahr und Ausblick auf 2026: Bundesinnungsmeister Leo Jindrak spricht über zentrale Branchenthemen, Erfolge und kommende Herausforderungen.

Das Jahr 2025 war wieder ein sehr intensives Jahr für die Interessenvertretung des österreichischen Lebensmittelgewerbes. Viele drohende, legistische Verschärfungen konnten abgewendet oder zumindest wesentlich entschärft werden. Bei zahlreichen Veranstaltungen konnten die österreichischen Bäcker und Konditoren eindrucksvoll ihr Können unter Beweis stellen. Welche Themen 2025 im Fokus standen und was uns 2026 bringen wird, berichtet Bundesinnungsmeister Leo Jindrak im Gespräch mit der Österreichischen Bäcker & Konditor Zeitung.

ÖBKZ: Was waren die Highlights im letzten Jahr?

Leo Jindrak: „2025 war ein Meilenstein für den österreichischen Branchennachwuchs des Lebensmittelgewerbes: Bei den AustrianSkills in Salzburg präsentierten sich junge Konditor:innen, Bäcker:innen und Fleischer:innen erstmals gemeinsam auf einer großen Wettbewerbsbühne – eingebettet in die Berufsinformationsmesse (BIM) und die Messe ‚BeSt‘ für Beruf, Studium und Weiterbildung – und überzeugten das interessierte Messepublikum und die Jurys mit Kreativität und handwerklichem Können. Die Besten der Besten kämpften drei Tage in rund 50 Berufen um Staatsmeistertitel, die Qualifikation für die WorldSkills 2026 in Shanghai und die Auszeichnung ‚Best of Austria‘.

Die Konditor:innen glänzten unter dem Motto ‚Taste of Asia‘ u. a. mit veganen Petit Fours, innovativen Riegelkreationen und kunstvollen Zucker- und Schokoladeschaustücken. Die Bäcker:innen brillierten mit handwerklicher Perfektion bei der Herstellung erstklassiger Backwaren zum Thema ‚Shanghai Legends‘. Damit setzte die Branche ein klares Zeichen für Ausbildung, Innovation und Wirksamkeit des Berufes in der öffentlichen Wahrnehmung.“

ÖBKZ: Auch international gab es Grund zur Freude …

Leo Jindrak: „Ja. Bei den EuroSkills 2025 in Herning, Dänemark, holten die Oberösterreicherinnen Lisa Schögl für die Konditoren und Sarah Klinger für die Bäcker jeweils ein Medallion for Excellence. Diese Erfolge unterstreichen unseren Anspruch, in Sachen Ausbildung an der europäischen Spitze zu liegen und den Nachwuchs nachhaltig zu fördern. Zudem ist jede Berichterstattung über diese Bewerbe eine gute Werbung für unsere Berufe und die Gewinnung neuer Mitarbeiter.“

ÖBKZ: Welche Maßnahmen hat die Bundesinnung gesetzt, um den Bäcker- und Konditorberuf zukunftsfit zu machen?

Leo Jindrak: „Die Ausbildungsordnung für die Konditorei wurde 2025 in einer Bundesarbeitsgruppe mit Expert:innen der Landesinnungen und dem Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) weiter überarbeitet. Ziel war es, die Inhalte nach den Erfahrungen der letzten Jahre stärker an die Anforderungen der Betriebe anzupassen und die Qualität der Ausbildung nachhaltig zu sichern. Nach der Verlautbarung durch das Ministerium startet die Umsetzung in den Ländern.

Die überarbeitete Lehrabschlussprüfung für die Bäckerei und die künftig kompetenzorientierte Meisterprüfung sind ebenfalls wichtige Schritte für eine zukunftsorientierte Ausbildung. Dabei geht es nicht mehr nur um theoretisches Wissen, sondern um echte, praxisnahe Fähigkeiten, die unser Handwerk auszeichnen.“

ÖBKZ: Wie wurde die Öffentlichkeit informiert, dass das Lebensmittelhandwerk attraktive Berufe bietet?

Leo Jindrak: „Um die Aufmerksamkeit von Konsument:innen und Berufsnachwuchs zu stärken, setzten die Innungen gemeinsam auf eine aktive und gezielte Medienarbeit. Ein besonderes Highlight war die Kooperation mit der ORF-Sendung ‚Silvia kocht‘. In mehreren Ausgaben präsentierten österreichische Konditor:innen ihre Handwerkskunst – von klassischen Mehlspeisen bis zu modernen Dessertkreationen. Diese TV-Präsenz stärkte das Image des Konditorenhandwerks und setzte wichtige Impulse für die Nachwuchsgewinnung und öffentliche Wahrnehmung.“

ÖBKZ: Welche medienwirksamen Wettbewerbe stehen 2026 auf dem Programm?

Leo Jindrak: „Im September finden die WorldSkills, die internationalen Berufsweltmeisterschaften, statt. Valentina Otzelberger aus der Kurkonditorei Oberlaa wird als Vertreterin der heimischen Konditor:innen nach Shanghai reisen. Jennifer Lueger von der Bäckerei Arbesleitner wird im Berufsfeld Bäckerei antreten. Die Vorbereitungen sind bereits angelaufen, unterstützt werden unsere Teilnehmerinnen von den Skills-Expertinnen Veronika Schmidt und Julia Kusel.

Bereits im Februar finden der Österreichische Brot- und der Österreichische Konditorenwettbewerb statt. Diese Wettbewerbe bieten Betrieben eine Bühne, um handwerkliche Qualität sichtbar zu machen – bewertet von einer Fachjury und ausgezeichnet mit Urkunden und Medaillen. Damit wird nicht nur die Leistung der Betriebe gewürdigt, sondern auch die Attraktivität des ganzen Berufsstandes gesteigert.

Neu sind ein Publikums-Voting zur ‚Lieblingskonditorei/-bäckerei‘ und zusätzliche Medienpartnerschaften, die für mehr Publikumsnähe und Kundenbindung sorgen. Die neue Medienkooperation mit Falstaff Profi sorgt für zusätzliche Reichweite und unterstreicht die Bedeutung unseres Handwerks in der österreichischen Genusskultur. Lassen Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen und nehmen Sie teil.“

ÖBKZ: Welche Themen haben die Bundesinnung 2025 beschäftigt?

Leo Jindrak: „Ein zentrales Thema 2025 war der Mutterschutz und die Mehlstaubexposition in Bäckereien und Konditoreien. Gemeinsam mit dem Zentral-Arbeitsinspektorat wurden Betriebsbesuche durchgeführt und ein neues Merkblatt veröffentlicht. Die Bundesinnung informierte die Betriebe mit Empfehlungen zur technischen Ausstattung wie Absaugungen und geschlossenen Systemen bis hin zu Verhaltensstandards. Damit wurde ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz geleistet. Und das drohende totale Beschäftigungsverbot für Schwangere in unseren Betrieben konnte damit abgewendet werden.

Auf EU-Ebene ist die Arbeit sehr mühevoll. Nach zähem Ringen konnte beispielsweise eine Verschiebung der Entwaldungsverordnung erreicht werden, die wertvolle Zeit verschafft hat, um eine Lösung zu finden, die unseren Betrieben und ihrer Situation gerecht wird. Wir arbeiten in der Bundesinnung mit Hochdruck daran, Verbesserungen für die Unternehmen auf nationaler wie europäischer Ebene zu erreichen. An dieser Stelle möchte ich der Geschäftsführerin der Bundesinnung Anka Lorencz und ihrem Team sehr herzlich für die gute Arbeit danken.“

ÖBKZ: Wie ist Ihr Resümee für 2025?

Leo Jindrak: „2025 war ein Aufbruchsjahr: Wettbewerbe mit klarer Identität, ein stark sichtbarer Nachwuchs, modernisierte Ausbildungsstrukturen und verbindliche Leitlinien für Arbeits- und Gesundheitsschutz. Die gemeinsamen Erfolge zeigen, wie kraftvoll die gebündelte Stärke der Lebensmittelgewerbe in einer gemeinsamen Innung wirkt. Ein geschlossenes Auftreten bei der Nachwuchsförderung sowie die Bündelung fachlicher und praxisnaher Expertise verleihen den Branchen eine starke und überzeugende Stimme gegenüber ihren Partnern.

Gemeinsam mit unseren 2025 neu gewählten Ausschüssen gestalten wir die Zukunft des Lebensmittelhandwerks in Österreich weiterhin – mit Leidenschaft, höchster Qualität und dem Mut zur Innovation für eine erfolgreiche und nachhaltige Zukunft! Davon bin ich überzeugt!“

Autorin: Hilde Resch