Junge Talente im Rampenlicht
In ihrem Boutique-Hotel in Tirol, dem Das Marent in Fiss, überzeugt die 22-jährige Patisserie-Chefin Julia Knoll. Ihre Dessertkreationen — etwa „Variation von der Banane mit schwarzem Sesam“ oder „Salzkaramell mit Marille und Hafer“ — brachten ihr die Ehrung zur „Patissière des Jahres 2026“ ein. Gleichzeitig wurde das Fine-Dining-Restaurant „Bruderherz“ unter Chef Christian Marent mit der vierten Haube im Gault & Millau ausgezeichnet.
Für Bäcker, Konditoren, Cafetiers, Pâtissiers, Chocolatiers und Bonbonhersteller in Österreich zeigt dieser Erfolg, wie wichtig junge Impulse und kreative Patisseriearbeit im Alpenraum sind.

In dem schönen Boutique-Hotel in Tirol, dem Das Marent in Fiss, überzeugt die 22-jährige Patisserie-Chefin Julia Knoll. © Andreas Schabler
Stationen & Entwicklung
Julia Knoll absolvierte zunächst eine Tourismusschule in Landeck, wechselte dann in die Konditorei-Lehre bei der Konditorei und Bäckerei Kurz in Ischgl. Seit 2021 wirkte sie im Hotel Marent mit. Obwohl sie anfangs keine klassische Gastronomie-Patisserie geplant hatte („Ich konnte am Anfang nicht einmal einen Kaiserschmarrn zubereiten…“), entwickelte sie über das Zusammenspiel von Konditorei-Lehre, Praktikum bei Jan Eggers (Patissier des Jahres 2024) und der Unterstützung durch Christian Marent eine eigene Handschrift. Ihre Statement-Desserts stehen heute für Eleganz mit Bodenhaftung in der österreichischen Spitzenküche.
Bedeutung für die Branche
Für die heimische Back-, Konditorei- und Patisserie-Branche markiert dieser Erfolg mehrere Aspekte:
- Junge Fachkräfte gewinnen: Der Weg von der Ausbildung in der Region zur nationalen Auszeichnung zeigt, wie viel Potenzial im Nachwuchs steckt.
- Patisserie als Differenzierungsmerkmal: In Hotellerie, Gastronomie und handwerklicher Konditorei kann kreative Süßspeisen- und Dessertkunst heute ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal sein.
- Ganzjahresbetrieb in den Bergen: Das Hotel Marent verfolgt als einer der ersten im Alpenraum ein Ganzjahreskonzept – Sommer wie Winter –, was die Nachfrage nach hochwertiger Patisserie und feiner Süßwaren-Kultur stärkt.
Impulse für Praxis und Strategie
- Ausbildung & Talentbindung
– Talente frühzeitig fördern
– Gezielt Patisserie- und Konditorei-Schwerpunkte anbieten
– Kooperationen mit Spitzenbetrieben in Österreich aufbauen - Dessert- & Sortimentsentwicklung
– Signature-Desserts und süße Spezialitäten mit Wiedererkennungswert entwickeln
– Regionale Rohstoffe wie Marillen, Hafer, Nüsse oder Milchprodukte einbinden - Marketing & Positionierung
– Erfolge und Auszeichnungen sichtbar machen
– Die Geschichte hinter Produkten und Personen erzählen
– Qualitäts-Handwerk klar kommunizieren - Ganzjahresgeschäft
– Saisonunabhängige Angebote schaffen
– Dessert- und Kaffeehauskultur auch außerhalb der Hauptsaison stärken
– Kooperationen zwischen Hotellerie, Bäckereien und Konditoreien nutzen
Zeichen für die Rolle der Patisserie in Österreichs Handwerks
Die Auszeichnung von Julia Knoll zeigt: Patisserie-Kunst wird auch außerhalb der Metropolen und Großstädte zum wichtigen Wettbewerbsfaktor. In ländlichen Regionen Österreichs mit Tourismus- und Gastronomiekompetenz bieten sich Chancen, das Dessert-Handwerk gezielt auszubauen – etwa durch Kooperationen von Bäckereien mit Hotels, Pâtisserien mit Chocolatiers oder Konditoreien mit Bonbonherstellern. Für Landwirte ist dies zudem ein Impuls: regionale Rohstoffe (z. B. heimische Marille, Hafer, Nüsse) in kreative Süßspeisen einfließen zu lassen, kann Differenzierung schaffen.
Mit Jugend, Leidenschaft und feinem Handwerk setzt Julia Knoll ein Zeichen für die Rolle der Patisserie in Österreichs Handwerks- und Genusslandschaft. Für Bäcker, Konditoren und Süßwarenbetriebe eröffnen sich daraus vielfältige Impulse — von Nachwuchsförderung über kreative Produktentwicklung bis hin zur strategischen Positionierung im Markt.